Wolfgang Stumph

Wolfgang Stumph

seit 28. 1. mit „Bis zum Horizont und weiter“ in denK inos

Im Fernsehen sorgt Wolfgang Stumph für beste Quoten, ob mit seinen Sitcoms wie „Salto Postale“ oder seiner Krimiserie „Von Fall zu Fall“. Im Kino hat sich der Kabarettist und deutsche Prototyp des Sachsen nach „Go Trabi Go“ recht rar gemacht. In Peter Kahanes Tragikomödie „Bis zum Horizont und weiter“ spielt er an der Seite von Corinna Harfouch und Nina Petri einen kauzigen Baggerführer, der eine Richterin entführt, um seine große Liebe aus dem Knast freizupressen.

K!N: Wolfgang Stumph, die Idee aus Oliver Bukowskis Hörspiel einen Film zu machen kam von Ihnen?

Wolfgang Stumph: Ich habe einige Theaterstücke von Oliver Bukowski gesehen, gelesen und mich in seine Sprache richtig verliebt. Da hab‘ ich jemanden gefunden, der die Probleme der kleinen Leute mit der staatlichen Gewalt, mit sich selbst und ihrem eigenen Unvermögen auf seine ganz eigene Art widerspiegelt und dabei doch ganz dem Verständnis von Moral entspricht, wie ich etwa Kabarett spiele oder meine Sitcom „Salto Kommunale“ mache. Nach „Go Trabi Go“ wollte ich im Film eine andere Richtung einschlagen. Da dachte ich: aus diesem Hörspiel müßte man einen Kinofilm machen! So etwas hätte mir ja nie jemand angeboten. Bei „Von Fall zu Fall“ war dies ja so. Auch dies ist ein Stoff, den ich mir selber gebaut habe.

K!N: Haben Sie Angst in einer Schublade festzustecken?

Stumph: Ich habe diese Kulturlandschaft hier in diesem neuen Deutschland genau beobachtet und festgestellt, daß man hier sehr schubladenhaft denkt. Daß etwa ein Dieter Hallervorden ganz schwer von seiner Schiene wegkommt. Ich habe mir daher an Harald Juhnke ein Beispiel genommen, den ich in so vielen, auch komischen Arbeiten gesehen habe, und ihn doch auch in „Der Papagei“ oder „Der Trinker“ sehr ernst nehmen konnte. In seiner künstlerischen Hartnäckigkeit, sich so breit zu halten, ist Juhnke mein Vorbild. Nicht so sehr privat: Ich trinke lieber Rotwein, und den sehr wenig.

K!N: Das Kabarett haben Sie trotz Ihres Erfolges beim Fernsehen nie ganz sein lassen.

Stumph: Ich profitiere von dem, was ich im Fernsehen mache bei meiner

täglichen Arbeit auf der Kleinkunstbühne. Ich ziehe mit meinem eigenen

Kabarett-Ensemble durchs ganze Land von Suhl bis Kiel. Das ist ganz

herkömmliches politisches Kabarett, noch aktueller und spitzer, als meine

Sitcoms.

K!N: Nur wenige DDR-Schauspieler und -entertainer haben nach der Wende

wirklich den Sprung auch in den Westen geschafft. Hatten Sie einen guten

Agenten oder einfach nur Glück?

Stumph: Vielleicht liegt es daran, daß ich weder Agent noch Management hatte. Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb, und nur meiner Moral und meinem Empfinden treu. Ich muß mich keinen Zwängen aussetzen, muß keine Werbung machen und mich nicht irgendwelchen Trends unterwerfen. Natürlich spielt „Go Trabi Go“ eine Riesenrolle für meinen Weg. Das war ein Baum, an den ich mich anlehnen konnte und von dem aus, ich mir den nächsten Baum suchen konnte. Das war schon ein Glücksmoment. Es gibt sicherlich Kollegen, die viel mehr Talent haben, aber nie die Gelegenheit, entdeckt zu werden.

K!N: Haben Sie bereits Pläne, in welche Richtung Ihre Karriere nun weitergehen soll?

Stumph: Für mich geht’s nicht nur bis zum Horizont, sondern auch weiter. „Von Fall zu Fall“ werde ich in Zukunft auf nur noch zwei Folgen pro Jahr

reduzieren, um diese diese Familie über vielleicht zehn Jahre hinweg

entwickeln lassen zu können, und damit etwas Einmaliges in der Fernsehlandschaft zu gestalten. Das geht allerdings nur, wenn man es nicht

inflationär betreibt, sondern auf wenige Folgen beschränkt. Und es gibt die

Sehnsucht, wieder einen künstlerischen Baum zu pflanzen, der wieder anders ist als das bisherige, und der meinen Weg markiert. Und dazwischen will ich keinen Mist zu machen, nicht hier mal drei Tage Dreh und dann mal schnell bei „7 Tage, 7 Köpfe“. Nüscht. Nein-Sagen: Das ist das Geheimnis.

Interview: Axel Schock

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