Spezial

XXIM Records: Stil ohne Grenzen

Uéle Lamore
Uéle LamoreFoto: Antoine de Tapol

Seit gut einem Jahr ist XXIM Records (sprich: Twenty-One M Records) nun schon in Sachen innovativer, progressiver Instrumentalmusik unterwegs. Das Label mit Hauptsitz in Berlin bringt internationale Künstler:innen zusammen, die sich zwischen Neoklassik, Postrock, Elektronik und Ambient bewegen. Ein Überblick über die aktuellen Veröffentlichungen zeigt, wie prägend XXIM schon jetzt für die junge Szene ist.

Uèle Lamore

Uèle Lamore (Foto) wurde am renommierten Berklee College of Music in Boston, Massachusetts zur Orchesterchefin und Dirigentin ausgebildet. Doch die frankokanadische, in Paris lebende Musikerin liebt auch TripHop, modulare Synthesizer und das Experimentieren mit KI-generierten Klängen. All diese Leidenschaften bringt sie auf ihrem Debütalbum zusammen, denn was zunächst nur als verträumte Klangskizzen begonnen hatte, konnte die 27-Jährige während der Pandemie in Songs verwandeln. Violine und Gitarre spielt sie selbst, auch Bass und Schlagzeug kann sie arrangieren, sodass sie nur für drei Stücke mit Gesang nach passender Unterstützung suchen musste.

„Nobody in this planet can be rootless/The colour of the land you’re carrying is where the truth is“, singt etwa Gracy Hopkins in dem cineastischen Stück „The first Tree“. Und so pendelt „Loom“ zwischen Geräuschmusik und Neoklassik, bietet immer wieder überraschende Haltegriffe an und wird am Ende von einem ganz großen Popmoment überstrahlt: Ana Benabdelkarim alias Silly Boy Blue singt das hymnische „Warm Blood“.

Hugar

Foto: Anna Maggy

In Sachen Zeitlupenepik macht Hugar niemand etwas vor. Die beiden Kindheitsfreunde haben bereits mit Björk, Sigur Rós und Ólafur Arnalds gearbeitet, und das Soundtrackalbum „The Vasulka Effect“ heimste eine Nominierung für den Nordic Film Composer Award 2021 auf. Wenn sie ihr drittes Album nun „Rift“ nennen, geht es natürlich um ganz große, dramatische Risse und Zerwürfnisse.

Was passiert, wenn Menschen oder auch Kontinente sich aufspalten oder trennen? Mit 16 Kompositionen zwischen Ambient, meditativen Streichern und zeitgenössischer Klassik machen Hugar schleichenden und oft schwer fassbaren Wandel fühlbar.

Eydís Evensen

Foto: XXIM

Bereits im April hat Eydís Evensen ihr Debütalbum veröffentlicht: Für „Bylur“ ist die Pianistin nach Jahren in London und New York in ihre isländische Heimat zurückgekehrt, um sich von der Landschaft inspirieren zu lassen. Ihre Neoklassikstücke fangen nicht nur die schroffe Schönheit der Insel, sondern auch die Turbulenzen in Evensens Leben ein – der Titel leitet sich von dem Wort für „Schneesturm“ ab.

Doch oft klingen sie auch überraschend warm, wenn sich Streicher, Bläser und Stimmen um das Klavierspiel ranken. Mittlerweile ist auch „Bylur Reworks“ erschienen, auf dem befreundete elektronische Produzent:innen wie Janus Rasmussen, Ed Carlsen, Slow Meadow und Thylacine ihre Kompositionen bearbeitet haben.

Stimming x Lambert

Foto: Andreas Hornoff

Der Techno-Produzent aus Hamburg und der Pianist mit der Maske machen gemeinsame Sache. Nach der vielbeachteten EP „Exodus“ aus dem Jahre 2018 liegt mit „Positive“ nun auch das Debütalbum dieses eigenwilligen Gespanns vor. Nur ein einziges Mal haben sich die beiden kurz nach ihrem Kennenlernen getroffen, um für ein paar Stunden gemeinsam zu improvisieren. Danach wurde ein solcher Arbeitszusammenhang ganz bewusst vermieden.

„Wir haben die gleiche Ästhetik und den gleichen Geschmack, aber wir haben eine sehr unterschiedliche Arbeitsweise, um die Musik dahin zu bringen, wo wir sie haben wollen“, sagt Lambert und erklärt damit auch, warum die Pandemie ihre internen Prozesse nicht verändert hat. Eine Distanz hört man „Positive“ jedenfalls nicht an: Electronica, Ambient, Jazz, Downtempo, Klassik und Avantgarde fügen sich zu Kompositionen zusammen, mit denen sie neue Sounduniversen erforschen.

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