FILM

Zimmer 301: Horror zwischen Finnland und Kos

Die Serie Zimmer 301, die jetzt auf Arte und in der Mediathek zu sehen ist, brilliert mit psychologischem Tiefgang, undurchschaubaren Charakteren und einem unwiderstehlichen Thrill. Im Jahr 2007 wird der zweijährige Tommy in Finnland in der Nähe des Landhauses der Familie Kurtti – angeblich aus Versehen – erschossen. Der 12jährigen Elias war ohne Erlaubnis seines Vaters mit dessen Jagdgewehr im Wald unterwegs. Der Nachbarsjunge hat sich schon zu Beginn des Urlaubs der großen Familie Kurtti mit Elias’ Vater Seppo angelegt, der wiederum mit Elias und dann auch mit Elias’ Vater aneinandergeriet.

Zwölf Jahre später im Jahr 2019 wollen die Kurttis erneut gemeinsam Urlaub machen, diesmal auf der griechischen Insel Kos. Die ersten Szenen des finnischen Sechsteilers, aber auch viele weitere Rückblenden zeigen, wie traumatisch noch immer das vor zwölf Jahren Vorgefallene in den Familienmitgliedern steckt. Ganz geschickt wird wird aber auch scheibchenweise preisgegeben, was damals zur Sonnenwendfeier im Urlaub im Detail wirklich vorgefallen ist und warum die gesamte Familie auf eine so seltsame Weise traumatisiert ist und keiner mit dem anderen klarkommt.

Zurück zur Jetztzeit einen Tag vor dem Flug nach Kos: Tommys Vater Seppo steht gerade am Grab seines Sohnes, als Risto Kurtti, Tommys Großvater, auch dort auftaucht, auf der Suche nach seinem Sohnt. Ristos Sorge, Seppo könnte den Urlaub absagen, vewahrheitet sich. So fliegt Risto mit Frau und ihrem zweiten Sohn Mikko und dessen Familie nach Kos.

Was zwischendurch passiert und ein bedrohliches Szenario entwicklet, ist ein anonymer Brief, den Risto am Tag vor der Abreise erhält, mit der handgeschriebenen Frage in Kinderschrift, wo den die Blumen auf dem Grab seien? Ob man schon vergessen hätte? Risto hat sofort Elias in Verdacht, und kaum auf Kos angekommen, meint er in einem rothaarigen jungen Mann Elias wiederzuerkennen, der in Zimmer 301 der Hotelanlage wohnt. Regisseur und Horrorexperte Mikko Kuparinen entwickelt einen Psychothriller mit großem psychologischen Tiefgang und der Schilderung einer zutiefst zerrissenen Familie. Die Kernfrage aber lautet: Ist Elias schuldig, wie die Familie Kurtti glaubt? Oder zeigt die Kamera mit der offensichtlichen Verschlagenheit Elias’ nichts anderes als den Blick einer bessergestellten Familie auf einen Jungen aus prekären Verhältnissen?   jw

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