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„A Knight of the Seven Kingdoms“ bei HBO Max: Scheiß auf „Game of Thrones“

A Knight Of The Seven Kingdoms_HBO : Steffan Hill
Ser Duncan the Tall, besser bekannt als Dunk (Peter Claffey) und sein Knappe Egg (Dexter Sol Ansell): Im Zweifelsfall Wein trinken. (Foto: HBO / Steffan Hill)

Das HBO-Prequel „A Knight of the Seven Kingdoms“ will sich von der Überserie „Game of Thrones“ abgrenzen. Mit Erfolg? Jetzt beim in Deutschland neuen Straminganbieter HBO Max.

Schon im Serientitel „Game of Thrones“ wird sichtbar, worum es in der erfolgreichsten Fantasy-Show aller Zeiten ging: nicht weniger als den Kampf um die Herrschaft über einen ganzen Kontinent, das Land namens Westeros. Entsprechend waren die meisten Figuren mindestens adlig, eben die König:innen, Prinzess:innen und Sprösslinge jener Häuser, die um den Eisernen Thron gekämpft haben. Auch im Prequel „House of the Dragon“ geht es um die ganz Wichtigen und Mächtigen.

„A Knight of the Seven Kingdoms“, ab 19. 1. wöchentlich bei HBO Max, das ist von Anfang an klar, will anders sein. Wie schon „House of the Dragon“ basiert die Serie auf einem Spin-off von Autor George R. R. Martin und spielt vor der Handlung von „Game of Thrones“. Doch war es bei „House of the Dragon“ ein fiktives Geschichtsbuch der Familie Targaryen, das die Inspiration für den epischen Plot bildete, sind es bei der neuen Show drei Novellen um den Heckenritter Dunk und seinen Knappen Egg, die eher aus der Tradition der pikaresken Abenteuerromane stammen. Weniger episch kommt „A Knight of the Seven Kingdoms“ daher, mit zwei Hauptfiguren statt zwanzig und derbem Humor statt tragischer Verhängnisse. Zumindest zu Anfang.

Die Macher der Serie – darunter Martin selbst und Ira Parker, der auch am Drehbuch von „House of the Dragon“ mitgeschrieben hat – haben Spaß daran, Erwartungen zu unterlaufen. Etwa, wenn wir gleich in der ersten Szene auf Dunk (Peter Claffey) treffen, Knappe des Ritters Ser Arlan, der gerade verstorben ist. Der war ein sogenannter Heckenritter: ein fahrender Ritter ohne festen Wohnsitz oder Ruhm. Eher aus Mangel an Alternativen fasst Dunk den Plan, im nahen Ashford an einem Turnier teilzunehmen. Seine Entscheidung ist getroffen, erstmals klingt die bekannte Titelmusik von „Game of Thrones“ an – und wird abrupt von einer Einstellung unterbrochen, in der wir Dunk beim Kacken zuschauen. Es wird bis zum Ende der vierten von sechs Episoden dauern, bis die Musik erneut erklingt. Da hat sich „A Knight of the Seven Kingdoms“ den anderen Serien bereits wieder angenähert – aber dazu später mehr.

„A Knight of the Seven Kingdoms“: Eine verpasste Gelegenheit?

Unterwegs gabelt Dunk eher gegen seinen Willen den kleinen Egg (Dexter Sol Ansell) auf, der sein bisheriges Leben hinter sich lassen will, und hat jetzt sogar einen Knappen. Doch sich beim Turnier einzuschreiben, gestaltet sich trotzdem schwieriger als gedacht, erinnert sich doch niemand an seinen verstorbenen Herren. Ausgerechnet Kronprinz Baelor Targaryen (Bertie Carvel), mit seiner Familie zum Turnier angereist, hat Ser Arlan noch im Gedächtnis und verhilft Dunk zur Teilnahme. Als frischgebackener Ser Duncan the Tall trifft er außerdem auf den jungen Lyonel Baratheon (Daniel Ings), einen Adligen, dem Wein und Tanz wichtiger sind als Ehre, der aber auch ein paar gute Ratschläge für Dunk hat.

Targaryen? Baratheon? Klar, bei diesen Namen klingeln Fans die Ohren. „A Knight of the Seven Kingdoms“ spielt in etwa 100 Jahre vor „Game of Thrones“: Noch regieren die Targaryens, doch Drachen, wie die Herrscherdynastie sie in „House of the Dragon“ noch munter durch die Himmel geritten hat, wurden schon lange nicht mehr gesehen. Eigentlich eine Steilvorlage, mal eine ganz andere Art von Geschichte zu erzählen. Wäre es nicht spannend, statt adliger Kabbeleien um den Thron mal den Alltag eines Bauern, einer Fischerin oder, ja, eines mittelmäßigen fahrenden Ritters mitzuerleben? Dabei könnte „A Knight of the Seven Kingdoms“ massiv davon profitieren, dass die meisten Fans schon wissen, wie Westeros politisch und kulturell so läuft. „House of the Dragon“ hat immerhin halbherzig versucht, auch das Leben der normalen Bevölkerung zu zeigen, doch schon bald wurde aus dem einfachen Schmied dann doch ein Drachenreiter.

Und auch „A Knight of the Seven Kingdoms“ hält nur wenige Episoden durch, ehe Dunk mit den Targaryens aneinandergerät. Klar, hier geht es nicht direkt um die Zukunft des Reiches. Aber doch fühlt es sich an, als würden wir auf ausgetretene Pfade zurückkehren. Insofern hat die Serie – zumindest nach den vier Episoden, die im Vorhinein zu sehen waren – den Beigeschmack einer verpassten Gelegenheit. Das Versprechen, etwas radikal anders zu machen, auf die Tradition zu scheißen, wird jedenfalls nicht komplett eingelöst.

Foto: HBO / Steffan Hill

Spaß macht es trotzdem

Schade, denn ansonsten gibt es wenig auszusetzen. Set Design und Kostüme sind so vielseitig und überzeugend, wie wir es von den anderen Westeros-Serien gewohnt sind. Und Peter Claffey spielt Dunk als überaus sympathischen Protagonisten, dessen gutes Herz, eher lange Leitung und grundsätzliche Überforderung einen angenehmen Kontrast zu den cleveren, moralisch vielschichtigen Figuren der anderen Shows bildet. Dass der naseweiße Egg dagegen manchmal nervt, ist weniger die Schuld von Dexter Sol Ansell als durch die Tatsache bedingt, dass Kinder in Fantasy-Geschichten nun einmal immer früher oder später nerven, wenn es sich nicht explizit um Kindergeschichten handelt. Auf der anderen Seite fehlen komplett Frauenfiguren, die mehr sind als Mechanismen, um die Handlung der Männer voranzutreiben – da war „Game of Thrones“ schon deutlich weiter.

Solange „A Knight of the Seven Kingdoms“ es schafft, den Fokus auf den zwei Hauptfiguren und ihren Abenteuern zu halten, macht die Serie trotzdem jede Menge Spaß. Und je weniger die Macher zukünftig der Versuchung erliegen, möglichst viele Querverweise auf „Game of Thrones“ und „House of the Dragon“ einzubauen, desto eigenständiger wird sie sich anfühlen und desto stärker wird das ganze Franchise davon profitieren. Mein Rat an Martin, Parker und Co.: Bloß nicht den „Star Wars“-Fehler machen und alle Geschichten auf dieselbe Handvoll Plots und Figuren zurückführen, die wir seit Jahrzehnten kennen! Das mag kurzfristig für Hype sorgen, aber lässt am Ende ganze Galaxien und Kontinente auf Puppenkiste-Größe zusammenschrumpfen. Macht es wie Dunk – und scheißt auf „Game of Thrones“.

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