„After Benjamin“: Mordende Neonazis in Norwegen
„After Benjamin“ ist eine Serie über die Folgen der Ermordung des 15-jährigen Benjamin durch Neonazis im Jahr 2001 in einem Osloer Vorort.
Im Januar 2001 wurde im Osloer Vorort Holmlia der 15-jährige Benjamin – Kind einer norwegischen Mutter und eines ghanaischen Vaters – von Neonazis ermordet. Die Serie „After Benjamin“ wurde von Regisseur Mikael Diseth im Gedenken an den Jungen gedreht, allerdings hat er dabei Freunde, Bekannte und Famlie des Ermordeten fiktionalisiert. Diseth ist damals in die gleiche Mittelschule gegangen wie Benjamin, der Mord hat das Leben Diseths Leben nachhaltig verändert. „After Benjamin“ läuft bei ZDFneo und kann in der ZDF-Mediathek gestreamt werden.
Holmlia ist ein multikultureller Stadtteil von Oslo. Hier wohnen die Menschen im Sommer 2000 friedlich beieinander, baden am Strand, die Jugendlichen vorneweg. Dass an eine Wand ein Hakenkreuz geschmiert wurde, thematisiert niemand, es wird entfernt. Doch das Hakenkreuz ist der Bote des Kommenden auch für Holmlia, denn Im Januar des darauffolgenden Jahres wird Benjamin Hermansen (Emil Sesay Stenseth, „Exit“) eines Abends ermordet. Dieser rassistische Mord, verübt durch Neonazis, ist für ganz Norwegen ein Schock, mobilisiert aber auch politischen Widerstand und darüber hinaus einen enormen Akt der Solidarität. Demonstrationen in ganz Norwegen und die bis dahin größte Demo in Oslo sind die Folge. Doch die Gemeinschaft in Holmlia ist emotional überfordert, und jede und jeder reagiert auf diese Überforderung unterschiedlich. Die Serie „After Benjamin“, von Regisseur Mikael Diseth nach wahren Begebenheiten gedreht, dabei aber stark fiktionalisiert, widmet sich den Menschen dieses Stadtteils, allen voran Elias (Sam Ashraf, „The Innocents“). Elias war Benjamins bester Freund und bei dessen Ermordung ganz in der Nähe, jetzt macht er sich schwere Vorwürfe. Doch dabei bleibt es nicht, „After Benjamin“ widmet sich in den sechs Folgen unterschiedlichen Menschen aus Benjamins Umgebung, schaut auf deren Verletztheit und deckt Traumata auf. Dabei geht die Serie so nah an die Menschen ran, dass fast schon ein intimes Verhältnis zu diesen entsteht: Die Kamera liebt diese Menschen, auch wenn diese noch viel mehr ertragen müssen. Regisseur Mikael Diseth hat mit „After Benjamin“ eine ruhige, traurige Serie über die Folgen eines rassistischen Mordes im normalen Leben normaler Menschen gedreht – voller Respekt mit und Rücksicht auf die Menschen, weshalb er auch zur Fiktionaliesierung ihrer Leben gegriffen hat. Gleichzeitig zeigt sich die Serie sehr kritisch: Die Kritik an der völlig überforderten Polizei ist dabei sehr immanent, die Handlung in Form der Menschen aus Holmlia spricht die Kritik aus. Zwischen diesen Spannungsbögen reichen die Handlung und die Verarbeitung von Trauer und Schmerz – vom Januar bis zum darauf folgenden Weihnachten.
Aktuell gibt es nur einen Trailer in norwegischer Sprache ohne Untertitel.