URBANE KULTUR

Allein gegen Hitler. Georg Elser

Georg Elser
Jens Harzer mit Helmut Butzmann auf der Georg Elser Veranstaltung 2016Foto: (c) Stephan Pflug

Lange blieb der Widerstandskämpfer Georg Elser unbeachtet. Dabei erwies er sich als ein Mann mit erstaunlichem Weitblick: Am 8. November 1939 plante er das erste Hitler-Attentat – fünf Jahre vor Stauffenberg. Zum 80. Jubiläum erinnert Autor Helmut Butzmann zusammen mit Schauspieler Jens Harzer heute Abend im Thalia Theater an Georg Elser. Wir haben mit Helmut Butzmann gesprochen:

Herr Butzmann, an verschiedenen Orten in Hamburg liefen Ihre Vorträge mit Jens Harzer unter dem Titel „Wer ist Georg Elser?“. Die Frage möchte ich gerne an Sie richten: Was für ein Mensch war Elser?

Helmut Butzmann: Psychologisch kann ich ihn nicht deuten. Ich glaube, seine Motive zu dieser Tat waren sehr rein – auch seine Herkunft, er war Tischler. Er hat früh erkannt, dass die Nazis schlechte Menschen sind, und beschlossen: „Diese Leute haben so viel Unterstützung vom Volk, die kann man nur noch durch einen Tyrannenmord beseitigen.“ Das ist eines der wesentlichen Unterschiede des Attentats von Elsers zu dem von Stauffenberg. Stauffenbergs Attentat hat im Wesentlichen Hitler gegolten, während das Elser-Attentat die ganze Führungsspitze der NSDAP ausgelöscht hätte.

Wie haben Sie das Konzept zu der Aufführung entwickelt, und was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Butzmann: Der Ursprung des Elser-Abends war der, Elser überhaupt wieder bekannt zu machen. Ich habe das Manuskript geschrieben und es Jens Harzer geschickt, der sofort dabei war. Seitdem machen wir das jetzt zum zehnten Mal. Der Kern ist natürlich das Verhörprotokoll, das Jens liest. Ich baue ein zeitgeschichtliches Mosaik ein, zeige 62 Bilder und seltene Filmausschnitte. Jedes Jahr kommen ein paar neue Informationen oder Bilder hinzu. Ich nenne es das „mobile Denkmal“. Es wird aufgebaut wenn Jens und ich die Bühne betreten und abgebaut, wenn wir von der Bühne verschwinden. In den letzten Jahren kam immer mehr junges Publikum, und ich habe das Gefühl, dass sich da eine Angst vor sehr rechten Tendenzen ausbreitet und dass die Leute eine Auseinandersetzung damit suchen. In der Geschichte, die wir erzählen, ist schon viel Dramatik drin, und durch das Können von Jens Harzer, der das ohne jede sichtbare schauspielerische Attitude liest, kriegt der Abend wirklich einen Sog. Zum Schluss ist das Publikum gespannt und ruhig. Wir machen das völlig ohne Pathos und wir nehmen die Geschichte und das Publikum sehr ernst.

Was kann man von Georg Elser und seiner Tat lernen?

Butzmann: Ich habe da einen Satz parat: „Elser hat seinen Augen und Ohren getraut.“ Wir sollten gut zuhören, was einzelne Politiker sagen, und wir sollten gut zuhören, was einzelne Nicht-Politiker sagen. Man kann von Elser lernen, manchen Ideologien gegenüber misstrauisch zu werden.

Interview: Janka Burtzlaff

Allein gegen Hitler – Georg Elser. Das erste Hitler-Attentat 1939

THALIA THEATER 8. 11., 20 Uhr

Mehr Infos zur Veranstaltung heute Abend auf der Homepage des Thalia Theaters.

Nichts verpassen! Einfach unseren Kultur-Newsletter abonnieren! Anmelden