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Georg Elser-Lesung: Ein Held des Widerstands

Vor 87 Jahren unternahm Georg Elser das erste Hitler-Attentat. Jens Harzer und Helmut Butzmann erinnern jedes Jahr an den mutigen Widerstandskämpfer.

Georg Elser
Jens Harzer (links) und Helmut Butzmann auf der Bühne (Foto: privat)

Lange blieb der Widerstandskämpfer Georg Elser unbeachtet. Dabei erwies er sich als ein Mann mit erstaunlichem Weitblick: Am 8. November 1939 führte er das erste Hitler-Attentat aus. fünf Jahre vor Stauffenberg. Autor Helmut Butzmann erinnert seit vielen Jahren zusammen mit dem Schauspieler Jens Harzer an Georg Elser, dieses Jahr am 8. November im Uebel & Gefährlich in Hamburg (Infos und Tickets). Wir haben mit Helmut Butzmann gesprochen.

Herr Butzmann, an verschiedenen Orten in Hamburg liefen Ihre Vorträge mit Jens Harzer unter dem Titel „Wer ist Georg Elser?“. Die Frage möchte ich gerne an Sie richten: Was für ein Mensch war Elser?

Psychologisch kann ich ihn nicht deuten. Ich glaube, seine Motive zu dieser Tat waren sehr rein – auch seine Herkunft, er war Tischler. Er hat früh erkannt, dass die Nazis schlechte Menschen sind, und beschlossen: Diese Leute haben so viel Unterstützung vom Volk, die kann man nur noch durch einen Tyrannenmord beseitigen. Das ist eines der wesentlichen Unterschiede des Attentats von Elsers zu dem von Stauffenberg. Stauffenbergs Attentat hat im Wesentlichen Hitler gegolten, während das Elser-Attentat die ganze Führungsspitze der NSDAP ausgelöscht hätte.

Wie haben Sie das Konzept zu der Aufführung entwickelt, und was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Der Ursprung des Elser-Abends war der, Elser überhaupt wieder bekannt zu machen. Ich habe das Manuskript geschrieben und es Jens Harzer geschickt, der sofort dabei war. Der Kern ist natürlich das Verhörprotokoll, das Jens liest. Ich baue ein zeitgeschichtliches Mosaik ein, zeige 62 Bilder und seltene Filmausschnitte. Jedes Jahr kommen ein paar neue Informationen oder Bilder hinzu. Ich nenne es das mobiles Denkmal. Es wird aufgebaut, wenn Jens und ich die Bühne betreten und abgebaut, wenn wir von der Bühne verschwinden. In den letzten Jahren kam immer mehr junges Publikum. In der Geschichte, die wir erzählen, ist schon viel Dramatik drin, und durch das Können von Jens Harzer, der das ohne jede sichtbare schauspielerische Attitude liest, kriegt der Abend wirklich einen Sog. Zum Schluss ist das Publikum gespannt und ruhig. Wir machen das völlig ohne Pathos und wir nehmen die Geschichte und das Publikum sehr ernst.

Was kann man von Georg Elser und seiner Tat lernen?

Ich habe da einen Satz parat: „Elser hat seinen Augen und Ohren getraut.“ Wir sollten gut zuhören, was einzelne Politiker sagen, und wir sollten gut zuhören, was einzelne Nicht-Politiker sagen. Man kann von Elser lernen, manchen Ideologien gegenüber misstrauisch zu werden.

Interview: Janka Burtzlaff

 

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