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Andere Länder, andere Sitten, andere Nationalsportarten

Sport und Freizeit ohne Fußball ist in Deutschland kaum vorstellbar. Da ist für uns kaum zu glauben, dass in anderen Ländern Fußball nicht die Hauptrolle spielt. Der Spruch „andere Länder, andere Sitten“ gilt nämlich auch für die Sportkultur.

Die europäische Sportkultur

Fußball ist Deutschlands dominierende Sportart, die von Millionen unermüdlich unterstützt und kultiviert wird. Wieder hat uns das EM-Fieber gepackt, obwohl die WM 2018 für die deutsche Fußballmannschaft kläglich endete. Fans vertrauen der Nationalelf und zählen sie erneut zu den Favoriten der EM, wie die Fußball Wetten Quote von 9,0 auf Betway beweist. (Stand: 11.6.). Aber Deutschland ist nicht das einzige europäische Land, das dem Fußball verfallen ist. Ganz Europa gerät in seiner Freizeit regelmäßig in nationalen und internationalen Turnieren in die Fußball-Manie. Wetten werden gesetzt, neueste Fanartikel gekauft oder Stammtische extra für Fußball-Diskussionen organisiert. Dementsprechend sind auch die Medien überhäuft mit News, Filmen und Dokumentationen über Fußball. Andere Disziplinen finden oft nur eine kleine Stimme. Da scheint es für uns Europäer unglaublich, dass andere Länder andere Vorlieben in Sachen Sport und Freizeit haben. Und manchmal ist nicht einmal ein Ball im Spiel. Hier sind fünf außergewöhnliche Disziplinen, die mit Stolz den Status Nationalsport tragen.

Sepak Takraw

Sepak Takraw ist Thailands offizieller Nationalsport aus der Gruppe der Rückschlagspiele, dessen Wurzeln bis in das 16. Jahrhundert reichen. Hierbei handelt es sich um einen Ballsport, bei dem der Ball mit den Füßen über ein Netz in die gegnerische Spielfeldhälfte gespielt wird. Eine Mannschaft, die aus drei Personen besteht, darf den Ball dreimal in Folge berühren, um ihn zurückzuschießen. Hört sich unspektakulär an? Weit getäuscht. Das Spiel gehört zu den schnellsten und akrobatischsten Ballsportdisziplinen der Welt. Fallrückzieher, Scherensprünge, Saltos zählen zum Standardprogramm. Bei der Gelenkigkeit können sogar spektakuläre Balletchoreographien kaum mithalten. Beliebt ist Sepak Takraw vor allem in südostasiatischen Ländern. Doch auch in Europa gibt es seit 2003 eine Liga. Obwohl kaum jemand in Deutschland das Ballspiel kennt, ist überraschenderweise ausgerechnet das deutsche Team weltweit die erfolgreichste nichtasiatische Mannschaft.

Kabbadi

Kabbadi, der Nationalsport von Bangladesch, zählt zu den ältesten Mannschaftssportarten der Welt und findet bereits im indischen Epos Mahabharata ca. 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. Erwähnung. Es handelt sich um einen Team-Ringkampf, bei dem zwei Mannschaften zu je sieben Spielern gegenüberstehen. Jedes Team schickt abwechselnd einen sogenannten Räuber in die Spielhälfte des Gegners, um die Verteidigerkette zu berühren. Besonderheit dabei ist, dass der Räuber während seines Angriffs seinen Atem anhalten muss. Im Gegenzug versuchen die Gegner nach der Berührung die Rückkehr des Räubers in das eigene Feld zu stoppen. Atmet der Räuber ein, ist der Spielzug beendet. Ähnlich wie Sepak Takraw ist Kabbadi in Asien hochpopulär. Das erfolgreichste Team stammt aus Indien, wo sich der Ringsport regelmäßig zum TV-Spektakel avanciert, wie TAZ berichtet.

Lacrosse

Kanadas Nationalsport ist Lacrosse und ist ursprünglich ein spirituell geprägtes Spiel, das von den amerikanischen Ureinwohnern der Ostküste als Geschenk für den Kriegsgott und zur Kriegsvorbereitung betrieben wurde. Zum Teil nahmen mehr als 100 Menschen an einem Aufeinandertreffen teil, wobei nicht selten für einige Indianer das Spiel tödlich endete. Weil der Schläger an den Bischofsstab erinnerte, wurde es später von den europäischen Siedlern Lacrosse genannt. In Kanada wurde der erste offizielle Verband 1867 gegründet. Doch erst 1994 erhob das Parlament Lacrosse zur Nationalsportart. Das rasante Spiel basiert auf der Grundidee, durch schnelles Zuspielen den Ball mit dem Schläger in das Tor des Gegners zu schleudern. Da fliegende Spielerwechsel, schnelle Züge und grober Körperkontakt ein Teil von Lacrosse sind, garantiert er den nötigen Kick für alle Adrenalinjunkies in Stadien oder vor den Bildschirmen.

Pato

Nun geht unsere Reise nach Südamerika, genauer gesagt nach Argentinien. Das Land ist bekannt für seine Fußballgötter Messi und Maradona. Doch tatsächlich ist nicht Fußball, sondern Pato der offizielle Nationalsport des Landes. Hierbei handelt es sich um eine Reitdisziplin, die seit dem 17. Jahrhundert von der Landbevölkerung betrieben wird. Übersetzt auf Deutsch bedeutet Pato „die Ente“. Denn tatsächlich kämpften die Spieler in der Vergangenheit um eine lebende Ente. Da das Spiel viel zu oft für Ente und Mensch blutig endete, wurde es 1822 verboten. Heute ist Pato eine Art Basketball auf Pferden. Zwei Mannschaften zu je vier Spielern treten gegeneinander an, mit dem Ziel, den Ball mit höchstens vier Griffen in einem Korb am Ende des Spielfeldes zu werfen.

Chilenisches Rodeo

Chiles offizielle Nationalsport ist Rodeo, das seit 400 Jahren ein wichtiger Teil der ländlichen Sportkultur ist. Die Rodeowettkämpfe finden in den extra dafür gebauten Arenen statt. Dabei treten Cowboys in Paaren auf Pferden gegeneinander an, um auf drei verschiedene Arten Rinder und Stiere einzufangen. Das Siegerpaar des Wettkampfes wird von einer Jury ermittelt, die für gelungene Züge bis zu vier Punkte vergibt oder Punkte abzieht, wenn eine Kuh entkommt. Die Rodeosaison startet Anfang September und dauert bis Ende März. Auftakt eines Rodeoevents ist oft eine Party mit viel traditioneller Musik, Tanz und Essen. Allerdings wird das chilenische Rodeo, wie die Stierkämpfe in Spanien, von Tierschützern stark kritisiert. Regelmäßig organisieren Aktivisten Proteste, um ein Verbot des Sportes durchzusetzen. Denn so romantisch wie in Filmen geht es in der Arena für die Tiere leider nicht zu.

Ob andersartiger Ringkampf, Ballsport auf Speed oder Sport auf Pferden, einige Nationalsportarten bieten hochinteressantes Entertainment jenseits der Fußballkultur, die wir in Europa gewöhnt sind. Wer sich für exotische Sportkulturen und ungewöhnliche Unterhaltung interessiert, sollte deshalb einen Blick auf die Abendprogramme der Länder außerhalb der europäischen Grenzen werfen.

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