KUNST

Andreas Gursky erstmals im MdbK Leipzig

Was für ein zutiefst ikonisches Bild! Dreizehn Personen in einer Reihe, jede*r ins Gespräch vertieft, einander zugewandt, der Fokus liegt in der Bildmitte. Woran erinnert dieses Motiv? Klar, an „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Dieses hier ist jedoch von erstaunlicher Aktualität. „Politik II“ heißt die Fotoarbeit, kreiert von einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen der Welt: Andreas Gursky. Einer der Dreizehn ist nur halb abgebildet, lediglich der Ärmel und ein Stück Zeitung sind zu sehen. Wer wendet sich hier wie Judas von der Gruppe ab? Politisch könnte man nun spekulieren, welche Partei einem dazu einfallen würde.

Interessant ist aber vor allem eines: Statt auf Raum und Landschaft im Hintergrund blicken wir bei Gursky auf die Zeit, genauer gesagt: auf das Bild „Five Past Eleven“ (1989) von Ed Ruschka. Wenn man’s nicht besser wüsste, könnte man auch sagen, es ist kurz vor Zwölf – Zeit zu handeln! Oder ist es einfach eine Momentaufnahme, ein Verweis darauf, dass alles vergänglich ist? Vielleicht heißt das Gebot der Stunde: „So jung kommen wir nicht mehr zusammen“, denn wer weiß, wann wir alle wieder so gesellig sein können. Was allerdings zusammenkommt, ist Andreas Gursky und sein Geburtstort Leipzig. Kaum zu glauben, dass es in dieser Stadt bislang noch keine Einzelausstellung von Gursky gab.

Umso mehr können sich Besucher*innen auf seine Retrospektive im Museum der bildenden Künste Leipzig freuen. Bis zum 22. August zeigt der einstige Düsseldorfer Meisterschüler rund 80 Werke, darunter Ikonisches bis hin zu neuen, bislang noch nie museal ausgestellte Arbeiten. Stets sind Gurskys Großformate künstlerische Konstruktionen mit subjektivem Blick. Doch sie alle bilden ein Stück unserer Welten ab, zeigen Gesellschaftsbereiche, in denen wir leben und arbeiten, und sind damit Dokumente unserer Zeit.

Alle weiteren Infos zur Ausstellung gibt es auf der Website vom Museum der bildenden Künste Leipzig.

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