MUSIK

Die Arild Andersen Group beim Norwegian Digital Jazz Festival

Arild Andersen beim Norwegian Digital Jazz Festival
Arild AndersenFoto: Per Ole Hagen

Seit Beginn des Lockdowns im Frühjahr habe er jeden Tag mehrere Stunden alleine auf seinem Bass gespielt, erzählt Arild Andersen. Dabei ist der Kontrabassist einer der gefragtesten Jazzmusiker Norwegens. Der 75-Jährige kann unter anderem auf Kooperationen mit Dexter Gordon, Sonny Rollins und Chick Corea zurückblicken, er gründete Bands mit Paul Motian und Bill Frisell und nahm als Bandleader mehr als ein Dutzend Alben auf.

In seiner vor zwei Jahren gegründeten Arild Andersen Group spielt er mit Musikern zusammen, die deutlich jünger sind als er selbst. Das Verhältnis, in dem die Musiker stehen, hat dennoch nur wenig von einem Mentor-Schüler-Verhältnis, wie es im Jazz sonst so häufig vorkommt. Nicht ohne Grund wird das Quartett auch als Supergroup bezeichnet. Der Saxofonist Marius Neset hat bereits Werke für die London Sinfonietta und das Philharmonische Orchester Bergen geschrieben, Pianist Helge Lien veröffentlicht bereits seit Jahren Alben mit seinem eigenen Trio, und Drummer Håkon Mjåset Johansen machte bereits gemeinsame Sache mit Nils Petter Molvær und Bugge Wesseltoft.

Der Sound der Arild Andersen Group trägt vieles von dem in sich, was als charakteristisch für den skandinavischen Jazz angesehen wird: atmosphärische Dichte, lyrische und fließende Melodien. Gleichzeitig haftet den Improvisationen der Band auch etwas Ungestümes an. Neset wechselt spielerisch zwischen In- und Outside, spielt in einem Moment romantische Melodien im Legato, wird kurz. darauf dissonant und bricht dynamisch aus. Die gleiche Komplexität ist natürlich auch im Spiel Andersens präsent, wenn auch anders. Wie in einem Fluss swingt er sich von groovenden Walking-Bass-Lines hin zu melodiösen Solopassagen und rhythmisch akzentuierten Begleitfiguren – immer punktgenau unterstützt von Johansen an den Drums. Eine beeindruckende Band!

Das Konzert der Arild Andersen Group ist seit dem 5. 11. auf der Website des Norwegian Digital Jazz Festival abrufbar. Ebenfalls dort können Eintrittskarten sowie Wochen- und Festivalpässe erstanden werden. Zusätzlich zu dem Auftritt im Osloer Klub Sentralen gibt es auch ein Interview mit Arild Andersen auf der Website des Festivals.

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