MUSIK | Albumreview

Marla Glen: Unexpected

Seien wir ehrlich: Popdiva, das ist irgendwie eine aus der Zeit gefallene Berufsbezeichnung. Ja, es gibt heute jede Menge großartige Sängerinnen, doch wo ist die Halbgöttin, die uns weniger mit ihrer Musik becirct als mit ihrer androgyn aufgeladenen Aura, ihrer perfekten Selbstinszenierung? Fehlanzeige, da muss schon mal eine wieder auftauchen, die in den 1990ern ihre größten Erfolge feierte. In dieser Dekade hieß es nicht: Stones oder Beatles? Es hieß: Grace Jones oder Marla Glen.

Mit „Unexpected“ gelingt Marla Glen eine ebenso unerwartete wie überzeugende Rückkehr

Unerwartet, Unexpected wie ein Geist aus der Vergangenheit, ist Marla Glen wieder da mit einem Album, das zum einen diese großartige Stimme zum Leben erweckt, bei der sich unwillkürlich alle verfügbaren Härchen aufstellen. Zum anderen durchmisst die 60-Jährige ein stilistisches Spektrum, das vom Blues über jazzbeeinflussten R&B bis hin zum kompromisslossen Tanzpop und Worldmusic reicht – kurz: Sie macht, was sie will, was sie kann und besinnt sich auf ihre frühen Tage an der Seite von Nina Simone. ron

Unexpected ist gerade via Mohr Publishing erschienen.