Akinbode Akinbiyi: Six Songs, Swirling. Gracefully in the Taut Air
Akinbode Akinbiyi, Berlin, Tiergarten/Moabit, 2016. Aus der Serie Passageways, Involuntary Narratives, and the Sound of Crowded Spaces, 2015–2017 FotografieCourtesy: der Künstler

KUNST | Berlin, Gropius Bau

Ausstellungseröffnung: Akinbode Akinbiyi

Für das Durch-die-Gegend-Schlendern gibt es eine ganze Reihe von Begriffen: Zu Beginn der Moderne im 19. Jahrhundert nannte man das noch „Flanieren“ und dachte dabei an Dandys wie Oscar Wilde, der den genussvollen Blick für alles Sinnliche um sich herum schweifen ließ. Auch so herrliche Wörter wie „lustwandeln“ – wobei einem unweigerlich Bilder von barocken Gärten in den Sinn kommen – bezeichnen das Draußen-Umherwandern. Wenn man heute ganz bewusst und mit offenem Blick durch die Straßen trödelt, könnte man auch von Entschleunigung sprechen. Wozu das gut ist? Man nimmt viel mehr wahr, sieht mehr, fühlt mehr. Und in einer Stadt wie Berlin gibt es schließlich eine ganze Reihe Phänomene, die bei einem Rundgang mehr Aufmerksamkeit verdienen. Der nigerianische Künstler Akinbode Akinbiyi schlendert gerne mal durch seine Berliner Wahlheimat. Und wenn er das tut, fällt sein Blick auf koloniale Spuren der afrikanischen Diaspora, auf Lebensweisen in afrodeutschen Communitys oder auf Details, die etwas über den Menschen erzählen und nicht zuletzt über den urbanen Raum an sich – als einen Ort sozialer Wirklichkeiten. Seine Einblicke aus den letzten vierzig Jahren hat Akinbode  Akinbiyi in Schwarz-Weiß-Fotoserien festgehalten. Wer die visuellen Erzählungen mit eigenen Augen sehen möchte, findet diese im Gropius Bau.

Wen die Ausstellung dazu anregt, selbst zum urbanen Flaneur zu werden oder einfach wachsamer auf die Welt zu blicken, der hat etwas sehr Wertvolles gefunden: Zeit für sein soziales Umfeld. jb

Berlin, Gropius Bau 7. 2.–17. 5.

Mehr Informationen zur Ausstellung „Six Songs, Swirling. Gracefully in the Taut Air“ gibt es auf der Homepage vom Gropius Bau.