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Ausstellungseröffnung: Ulrich Hensel. Zwischenwelten

In einer Baustelle auf sinnliche Ästhetik zu stoßen ist wahrlich ein Kunststück. Der Düsseldorfer Fotograf Ulrich Hensel findet hier seine Motive.

Ulrich Hensel. Zwischenwelten
Ulrich Hensel, Düsseldorf, Am Mühlenturm, 2009, C-Print Diasec, 207 x 284 cm, private Sammlung © Ulrich Hensel

Bedrohlich ragen Stahlstäbe aus dem Boden. Überall liegt aufgeschütteter Sand, es riecht nach nassem Beton. Ein Presslufthammer brettert durch die Klanglandschaft: In einer Baustelle auf sinnliche Ästhetik zu stoßen ist wahrlich ein Kunststück. Der Düsseldorfer Fotograf Ulrich Hensel findet hier seine Motive. Wo so manch einer nach einem Bild suchen würde, liest Hensel in den Baulandschaften ganze Geschichten, sieht malerische Geflechte aus Formen und Farben, fügt sie zusammen und verleiht ihnen einen eigenen Rhythmus. Wer genau hinsieht, erkennt eine wohlkadrierte Komposition kunstvoller Einzelstücke. So etwas braucht natürlich Zeit – Baustellen sind nichts für Schnappschüsse. Seit Jahrzehnten wandert Hensel durch die Stadt, immer auf der Suche nach Fragmenten für sein Gesamtwerk.

Am Mühlenturm (siehe oben) fand er dieses Zusammenspiel aus harmonierenden Farbflächen und Linien, die wirken, als hätte sie jemand sorgfältig angeordnet, um ein stimmiges Bild zu liefern. Und dann ist da noch die Bedeutungsebene: So eine Baustelle fällt ja nicht einfach vom Himmel – Kunst auch nicht. In beiden Fällen war ein Mensch am Werk. Anstatt nur ein Zeichen von Zivilisation zu sein verkörpern Werke, die am Entstehen sind, einen Übergang zu etwas Neuem. In diesem Fall sind es Schnittstellen zu urbanen, sozialen und ökonomischen Fortschritten. Es tut sich was – und wie groß ist die Freude, wenn der neue Bau endlich fertig ist. Ein Blick auf die Welten dazwischen, die sich nur begrenzt auftun, haben dagegen etwas Exklusives. Mit Hensels Bildern kann man sie noch länger beobachten – und die eine oder andere Motivgeschichte darin finden. jb

Kunstmuseum Wolfsburg: Ulrich Hensel. Zwischenwelten 21. 3.– 2. 8.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage vom Kunstmuseum Wolfsburg.

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