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Germany: Zero Points! So ist das deutsche HBO-Debüt „Banksters“

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Yusuf (Eren M. Güvercin) wird während eines Fußballspiels von einer Spezialeinheit festgenommen. (Foto: © 2025 Discovery Communications Benelux B.V. HBO Max ist Eigentum von Home Box Office, Inc. Alle Rechte vorbehalten. | Anne Wilk)

Mit „Banksters“ startet nun die erste deutsche HBO-Serie, in der ein Bankazubi zum Bankräuber wird. Alles im Hochglanz produziert – aber sonst?

Ging eine Serie bei HBO an den Start, war das lange Zeit ein Gütesiegel. „Sopranos“, „The Wire“, „Game of Thrones“, „Succession“, „Euphoria“, „The White Lotus“: Die schier endlose Menge an A-Liga-Serien, die der US-Sender und Publisher in den letzten 25 Jahren ins Programm aufgenommen und produziert hat, ist beispiellos. Allerdings laufen mittlerweile Streaming-Anbieter wie etwa Apple+ („Ted Lasso“, „Pluribus“, „Severance“) dem einstigen Serien-Primus den Rang ab. Und daran wird auch die erste deutsche HBO-Original-Serie „Banksters“ (ab 20. Februar bei HBO Max) nichts ändern.

Zu Recht wurde viel von dem Bänker-Gangster-Hybrid von Showrunner Bernd Lange erwartet. Waren dies doch zuletzt genau die beiden Welten, aus denen wirklich gute deutsche Serienproduktionen erwachsen sind. Da waren „Bad Banks“, „Skylines“, „Testo“ oder „4 Blocks“. Ein Name, der bei deutschen Gangster-Serien nicht fehlen darf, und auch bei den beiden zuletzt Genannten maßgeblich beteiligt war, ist Kida Khodr Ramadan. Und auch bei „Banksters“ hat der Berliner wieder seine Finger mit im Spiel. Diesmal als Executive-Producer. Mit anderen Worten: Eigentlich war alles angerichtet für ein großes Serienspektakel. Herausgekommen ist eine gut ausgeleuchtete Seifenoper.

„Banksters“: Worum geht’s in der HBO-Serie?

Berlin, 2004. Yusuf, gespielt von Eren M. Güvercin (bekannt aus der deutschen Adaption der HBO-Serie „Euphoria“), steht die Welt offen. Gerade sein 0,9-Abitur überreicht bekommen, muss Yusuf jedoch feststellen, dass sein Vater sechsstellige Schulden bei der Bank hat. Und diese lassen sich so schnell mit keinem Jura-, Ingenieurs- oder Medizinstudium tilgen, also beschließt er, eine Ausbildung bei ebendieser Bank zu beginnen, um so irgendwie den Schuldenberg seines Vaters zu beseitigen. Und aus „irgendwie“ wird schnell ein konkretes Vorhaben. Zusammen mit Malte (Merlin von Garnier), Steven (Michelangelo Fortuzzi) und Melanie (Maria Dragus), die sich allesamt bei einem Azubiseminar kennenlernen, beginnt Yusuf, zunächst die Bank zu betrügen und schließlich im großen Stil auszurauben. Wer soll schon darauf kommen, dass ein Azubi seine eigene Bank überfällt und das Geld im Kinderzimmer seines kleinen Bruders (Momo Ramadan) bunkert? Naja, die Polizei kommt eben doch darauf, und so landet Yusuf hinter Gittern, wo wir wiederum erfahren, dass er von einem Mitglied seiner Streber-Gangstergruppe verraten wurde.

Serie für Second-Screen

Nun steht er vor der Wahl: aussagen oder schweigen? Und wir vor der Wahl: ausschalten oder weiterschauen? Bis dahin gibt einem „Banksters“ noch überschaubaren Anlass, erzürnt abzuschalten, entschuldigt man die mitunter aufdringlich plakative Erzählung noch mit der Einführung der verschiedenen Figuren. Bloß wird es nicht besser. Versprechen die Rückblenden auf die zunächst noch erfolgreichen Monate des jugendlichen Gangster-Quartetts ein wohliges Heist-Entertainment, werden diese schnell mit tränenzieherischen Traumageschichten ausgestattet, die so überzeichnet wie ein Musikvideo oder Werbeclip daherkommen. Mit dem Unterschied, dass Musik- und Werbevideos oftmals weitaus kreativere Lösungen finden, ihr Anliegen zu erzählen. „Banksters“ unterfordert hingegen beim Zusehen. Teilweise sprechen die Figuren laut mit sich selbst, damit ja nichts unausgesprochen oder gar unerklärt bleibt. Da läuft dann Yusufs kleiner Bruder auf der Suche nach dem verschwundenen Beutegeld in seinem Kinderzimmer herum und stellt sich wirklich dreimal (!) laut die Frage, wo denn nun das Geld abgeblieben sei. Das mag helfen, wenn man beim Zuschauen einen ablenkenden Second-Screen in der Hand hält – aber kann das wirklich der Anspruch einer ernstzunehmenden Serie sein?

Als ob!

So wenig also erzählerisch im Dunkeln gelassen wird, ist auch die Welt von „Banksters“, wenn sie nicht gerade den typisch untiefen Netflix-Tunnel-Look fährt oder sich an völlig überzogenen Zeitlupensequenzen ergötzt, andauernd und überall lichtgeflutet. Und dann wären da noch die Figuren, die um die vier Jugendlichen, denen man zeitweise sogar ganz gern zusieht, herumspielen: eine depressive Mutter, ein cholerischer Psycho-Polizist, eine Anwältin, die ihr moralisches Gewissen wiederentdeckt, und ein Bankchef, für den Arschloch noch ein Euphemismus wäre. Allesamt völlig overactet und eindimensional. Die nach Nachsynchronisation klingenden Telepromter-Dialoge so stockend, man möchte immerzu schreien: „Als ob!“

Angeblich soll die Geschichte lose auf einer wahren Begebenheit beruhen, so steht es jedenfalls am Anfang jeder Folge, was womöglich die Klischee-Dauerbeschallung und das daraus resultierende „als ob!“ etwas abfedern soll. Allerdings wirft dieser Umstand doch erst recht die Frage auf, wieso nicht einfach der Fokus auf eine spannende Heist-Story gelegt wurde, anstatt in ÖRR-Manier und laut stolzer Selbstauskunft von Warner – zu denen HBO mittlerweile gehört – Sozialdrama-Themen wie Identität, Familie und Freundschaft noch händeringend untergebracht werden mussten.

Eines steht fest: Die Trojanisches-Pferd-Prämisse von „Banksters“ ist eigentlich eine ziemlich gute, weil noch nicht abgenutzte. Postmigrantischer Musterschüler beginnt Ausbildung zum Bankkaufmann, um die Schulden seines Vaters zu tilgen, und wird zum Bankräuber – ein spannender Gegenentwurf zur mittlerweile erschöpften Berliner Clan-Geschichte. Es stellt sich doch aber durchgehend die Frage, für wen diese Serie eigentlich gemacht ist. Sollte dies eine Jugendserie sein, erklärt das womöglich die ein oder andere Zuspitzung. Doch unterschätzt mir nicht meine Jugendlichen. Immerhin überfallen die ja auch noch mit 0,9-Abitur unsere Banken. Chapeau!

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