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Belgravia: Waterloo und der Nachmittagstee

Die Historienserie „Belgravia“ (ab sofort auf TVnow) beginnt am Vorabend der Schlacht von Waterloo im Jahr 1815 in Brüssel. James Trenchard ist Ausrüster für die englische Armee, die der Herzog von Wellington befehligt. Dass seine Tochter Sophia in den jungen Edmund Bellasis verliebt ist, verschafft der Familie Trenchard Zutritt zum historisch verbürgten Ball, den die Herzogin von Richmond für den Herzog von Wellington gibt. Doch der Ball – nach Meinung von James Trenchards Frau Anne eine Demütigung für die Familie, da ihr Stand nicht ausreicht, hier überhaupt anwesend zu sein – erfährt ein schnelles Ende: Napoleons Aufmarsch ist der Partycrasher.

In der Schlacht stirbt auch der (historisch fiktive) Edmund Bellasis, Sophia, seine Geliebte, stirbt kurz danach. Jetzt macht die Serie einen Zeitsprung von 26 Jahren und zudem einen Ortswechsel von Brüssel in das neugebaute Londoner Bonzenstadtteil Belgravia. Dass Napoleon besiegt wurde, hat auf englischer Seite viele soziale Veränderungen zur Folge, denen die Serie nachgeht. So hat sich James Trenchard als Unternehmer gewaltig entwickelt und als Partner des Unternehmers Thomas Cubitt Belgravia mitgebaut. Und wieder beginnt die Handlung mit der Einladung zu einer Gesellschaft: Anne Trenchard ist zum Nachmittagstee (damals eine ganz neue Erfindung des sozialen Lebens) eingeladen – erneut von der Herzogin von Bedford, die wissen möchte, wie es der Familie erging, die schon am Abend vor der Schlacht von Waterloo bei ihr zu Gast war, wenn auch damals gegen ihren Willen.

„Belgravia“ ist die neue Serie des Brexit-Anhängers Julian Fellowes. Schon der Kinofilm zu seiner Historienserie „Downton Abbey“ wurde als nationalistisch-kulturelle Begleitung des Brexits rezipiert. Jetzt startet „Belgravia“ mit dem englischen Sieg von Waterloo über Napoleon. Doch für Fellowes steht nicht dieser historisch bedeutsame militärische Erfolg Englands im Mittelpunkt, es sind vielmehr die Veränderungen im Klassengefüge, die sich durch den Sieg ergaben, die ihn interessieren. Innerhalb Englands wurde „Belgravia“ vor allem in den gegen den Brexit eingestellten Medien teils sehr belustigt aufgenommen. Wer hierzulande sehen möchte, wie Brexit-Anhänger auf die Vergangenheit des eigenen Landes schauen, sollte die Serie einschalten. jw

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