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„Big Sky“: Twin Peaks in Montanas Wäldern

Das Setting der Serie „Big Sky“ wirkt recht vertraut: Berggipfel, Geheimnisse und Trucks, schwer beladen mit mächtigen Baumstämmen.

Welcome to Twin Peaks? Nicht ganz. Schauplatz der Serie „Big Sky“, die auf Disney+ im Erwachsenenkana Star startet, ist der Bundesstaat Montana im Nordwesten der USA. Aber auch hier gibt es heimelige Diner, an denen der Kaffee immer wieder nachgeschenkt wird, und zwei verschwundene Mädchen, die nach einem „Wrong Turn“ im Yellowstone-Nationalpark einem Trucker und seinem Elektroschocker ausgeliefert sind.

Dieser armselige Roland, eine Mischung aus Norman Bates und Versicherungsvertreter, schmuggelt im Auftrag Teenager über die Grenze nach Kanada. Da die verschwundenen Mädchen noch nicht offiziell als vermisst gelten, nehmen drei private Ermittler die Suche auf, die sie in das Niemandsland Montanas und zu dem schrägen State Trooper Rick Legarski (John Carroll Lynch) führt. Doch wie bei Namensvetter David Lynch ist auch beim Gesetzeshüter in den Wäldern von „Big Sky“ nicht alles, wie es scheint.

Serienguru David E. Kelley, der erst jüngst mit „Big Little Lies“ und „The Undoing“ zwei Erfolgsserien produzierte, die das Grauen eher im Zwischenmenschlichen behandeln, geht er hier mit der Adaption von C.J. Box‘ Roman „The Highway“ in Bezug aufs Genre eher konventionellere Wege. Das ist zwar spannend, aber auch unfreiwillig komisch, wenn die angeketteten Mädchen noch Zeit zum Streiten haben und der vermeintliche Killer nachts zu Mama ins Bett krabbelt, weil er nicht schlafen kann. Herausragend abert Schauspieler John Carroll Lynch, der in „Big Sky“ die unheimlichen Charakterzüge genussvoll auslebt, die er in David Finchers „Zodiac“ nur kurz aufblitzen lassen konnte. Er liefert eine ausgezeichnete One-Man-Show ab. rw

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