- Review
Bill Callahan: Shepherd in a Sheepskin Vest
Nach sechs Jahren Funkstille kehrt der früher unter dem Namen Smog musizierende Singer/Songwriter mit einem neuen Album zurück.

Welch herzliches Willkommen! Der Sänger begrüßt den Zuhörer mit „It’s been such a long time/Why don’t you come on in“. Weit weg klingt Bill Callahan, der Sound wie durch ein Regenrohr aufgenommen, dann wird der Klang ganz klar. In der Tat, es ist eine Weile her. Callahan, einer der meistverehrten US-Singer/Songwriter, der mehr als 20 Alben in weniger als 30 Jahren veröffentlicht hat, war sechs Jahre lang weg vom Fenster. Er hat geheiratet, einen Sohn bekommen, ist von Texas nach Kalifornien gezogen. Doch seine Schreibblockade hat Callahan erst überwunden, nachdem er sich wieder im vertrauten Austin niederließ.
Der Mann mit der sanften Bariton-Stimme wusste die Metaebenen seines Schaffens stets ironisch zu beleuchten. „Where have all the good songs gone?“, lamentiert der Künstler in „Writing“, einem der Schlüsselsongs des neuen Albums „Shepherd in a Sheepskin Vest“. Der Hirte, das ist natürlich Callahan selbst, auf dem Cover kriechen ihm Ziegen in die Ohren. Merkwürdige musikalische Details gibt es obendrein: Melodica, Kalimba und angedeutete Drones – diese Schrulligkeiten wären es wert gewesen, weiter erforscht zu werden. Denn sonst ist alles brav, keine E-Gitarren, keine Spannung. Die Steel-Guitar wimmert zur gezupften Akustischen, das Schlagzeug patscht zärtlich, alles schunkelt gemütlich vor sich hin. 20 Songs sind mindestens acht zu viele. Doch am Ende verzeiht man es dem Dichter. „True Love is not magic/It’s certainty“, säuselt Callahan, und man versteht es nicht sofort, aber man weiß: er hat Recht. jp
Musik


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