Zum Inhalt springen

Bonnie „Prince“ Billy über „The purple Bird“: Prinz und Kunz

davidkasnic_bpb_proofs_085
(Foto: David Kasnic)

Eigentlich gibt Will Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy ungern Interviews. Warum ist er dann plötzlich so gesprächig?

Will, du arbeitest oft mit anderen Künstler:innen zusammen. Aber so eng, wie du mit dem Produzenten David Ferguson kollaboriert hast, ist es dann doch neu für dich, richtig?

Will Oldham: Für mich kann es schwierig sein, Interviews zu geben, weil mir oft der Abstand zu meiner Musik fehlt. Aber bei „The purple Bird“ war das von Anfang an anders. Auf dem Cover sieht man mich, wie ich einem violetten Vogel hinterherschaue, und so war es auch mit der Musik: Ich habe einfach zugeschaut, es gab keinen Plan. Es war Fergs Idee, eine Songwriting-Session zu veranstalten – das ist so eine Nashville-Sache, die ich noch nie gemacht hatte. Wir hatten vier Sitzungen mit vier verschiedenen Songwriter:innen, und alle waren total aufregend und erhellend. Eigentlich hatte ich schon an einem anderen Album gearbeitet, aber diese Platte ist irgendwie dazwischengewachsen. Und Ferg war als Produzent die ganze Zeit dabei.

Wenn du „The purple Bird“ als „Nashville-Platte“ bezeichnest, ist das dann strukturell oder musikalisch gemeint?

Oldham: Beides. Die Leute, mit denen ich dieses Album eingespielt habe, sind alle professionelle Musiker:innen. Sie können das Radio anmachen und ihren neuen Song hören, das ist für mich eine Seltenheit. Aber Musik aus Nashville hat auch ihren ganz eigenen Klang, ihren eigenen Geist. Dabei geht es um die Art, wie die Instrumente den Gesang und die Texte stützen. Die Session-Musiker:innen, die hier dabei waren, sind auch auf Alben zu hören, die mich seit meiner Jugend geprägt haben. Deshalb hat sich die Situation, so neu sie auch war, für mich komplett natürlich angefühlt – als hätte ich seit 30 Jahren dafür trainiert.

Wenn ihr Musik und Texte teilweise gemeinsam geschrieben habt, steckt dann auch weniger von dir als Person in diesen Songs? Es gibt nämlich ein paar Textzeilen, die ich von Bonnie „Prince“ Billy nicht unbedingt erwartet hätte, wenn es etwa um Religion geht …

Oldham: Ich spiele ja oft die Musik anderer Leute, insofern war es besonders spannend, dass diese Songs irgendwie gleichzeitig Originale und Cover sind. Manchmal habe ich mich gegen bestimmte Lyrics gewehrt, auch wenn wir noch gar nicht wussten, wer die Songs später performen würde. Aber insgesamt hat es Spaß gemacht, dass die Texte auch Überraschungen beinhalten, für meine Fans und für mich selbst.

Mich hat der letzte Track „Our Home“ fasziniert, mit Zeilen wie „Make our furthest horizon the end of the street“. Das scheint einerseits die Country-Utopie von der unabhängigen Gemeinschaft zusammenzufassen, zugleich könnte man den Text auch als isolationistisch lesen – eine Haltung, gegen die du dich immer gewehrt hast.

Oldham: Manche Songs sind doppeldeutig, ich hoffe allerdings, dass sie Hörer:innen verbinden, anstatt sie weiter in Blasen zu isolieren. Natürlich gibt es auf dieser Welt genug Leute, denen jede Entschuldigung recht ist, um sich noch weiter zu verschließen. Diese spezifische Zeile hängt für mich mit der letzten Präsidentenwahl zusammen: Unsere größte Hoffnung liegt darin, nett zu den Leuten nebenan zu sein. Ich habe natürlich trotzdem gewählt, aber wenn ich nicht gerade mein ganzes Leben aufgeben will, um Protestler oder Politiker zu werden, kann ich nur versuchen, bei jeder Gelegenheit eine gemeinsame Basis mit anderen zu finden.

Beitrag teilen: