Brimheim wagt sich auf My Collection an Klavier und Kammerpop
Die färöisch-dänische Künstlerin Brimheim schlägt ein neues Kapitel auf. Im Video von Stine Emil verwandelt sich „My Collection“ in einen hypnotischen Kurzfilm.

Brimheim zeigt sich von einer neuen Seite: In Schwarz-Weiß, durchnässt und scheinbar aufgewühlt bewegt sich die färöisch-dänische Sängerin durch eine Scheune. Das Video von Stine Emil entstand auf einer verwitterten Pferdefarm und spielt in einer Welt, die sich zeitlich kaum einordnen lässt: Es könnte heute sein, ebenso gut vor hundert Jahren. Musikalisch ist die Single eine Überraschung. Sie beginnt als verträumte, fast jazzige Ballade und entfaltet sich zu verspieltem, kabarettartigem Kammerpop, in dem Orgel, Trompete und Mellotron Brimheims samtige Stimme umrahmen. Die Geschichte dahinter erzählt von einer geheimnisvollen Sammlerin. Ihre größten Schätze sind Dinge, die andere weggeworfen haben: am Strand aufgelesen, vom Meeresgrund geborgen, auf der Straße gefunden. Für Brimheim stehen sie für abgelehnte Teile von uns selbst, also Eigenschaften, die versteckt wurden, weil andere sie nicht wertschätzten. Die Sammlerin zeigt sie mit fast kindlichem Stolz und verteidigt sie mit aller Kraft.
Das Video macht daraus ein Kammerspiel mit Sogwirkung. Brimheim hält intensiven Blickkontakt zur Kamera, man hängt an ihren Lippen. Der Song beginnt als intime Offenbarung, als Hoffnung, gesehen, gewollt und geschätzt zu werden. Zum Ende hin entlädt sich aufgestaute Wut, die Frustration eines verletzlichen Prozesses und der möglichen Zurückweisung. Besonders spannend ist die Rahmung: Das Video eröffnet mit einem gesprochenen Intro auf Dänisch (englisch untertitelt). Eine Stimme fragt, was es im Tausch zu geben gebe, wenn Augen, Hände, selbst die Scham schon vergeben seien, und was man noch zu opfern bereit sei. Der Schluss wechselt den Ton: „Poor thing. Come back“, heißt es nun, fast zärtlich, mit der Einladung, den Weg ins warme Bett zu finden. Aus der Verhandlung wird ein Locken. So wird „My Collection“ zur Geschichte in drei Akten – Forderung, Offenbarung, Verführung – und lässt viel Spielraum zur Interpretation.
Musik


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