MUSIK

Clueso: Neuanfang

Endlich wieder barfuß: Für „Neuanfang“ hat Clueso sein Leben ausgemistet. Doch das Loslassen fällt dem 36-Jährigen schwerer als erwartet.

„Hier und da komm’ ich auf die Idee, einen anderen Weg zu gehen“ – Als Clueso 2008 die ersten Zeilen seines Songs „Barfuß“ textete, konnte er noch nicht ahnen, dass sie eigentlich auf ein Album gehören, dass er acht Jahre später veröffentlichen wird. Clueso versorgte seine Fans damals mit einem Soundtrack für Neuanfänge. Jetzt brauchte er dringend seinen eigenen – und zwar in voller Albumlänge. Der Erfurter Songwriter verarbeitet in zehn Songs ein Jahr, das so vollgepackt war mit Schlussmachen und Neuanfängen, dass man es nur im Zeitraffer nacherzählen kann: Trennung von Band und Manager nach fast zwei Jahrzehnten Zusammenarbeit, Auflösung seiner Künstler-WG in Erfurt, Auszug aus der Kreativschmiede Zughafen, Wechsel zum Majorlabel Universal.

„Alles hat begonnen, als die Musiker in meiner Band wissen wollten, wie es weitergeht“, erzählt Clueso vom Beginn einer Trennungskaskade mit ordentlich Eigendynamik. „Ich habe schon länger gemerkt, dass ich nicht weiß, wie ich den richtigen Zugang zu mir selber finden soll bei so viel Verantwortung für mein Umfeld. Ich hab’ gesagt: Leute, ich möchte wieder ein Album machen, aber ich möchte mich nicht in weiteren Versprechen verlieren.“

Über die Zeit des Grübelns und Entscheidens redet er melancholisch, reflektiert, manchmal selbstironisch und vor allem: ausschweifend. Da muss was raus, das wird Clueso an diesem mit Interviews vollgestopften Tag selbst klar. Albumpromo und Therapie in einem Abwasch. Doch Clueso wäre nicht Clueso, wenn er seine Gefühlswelt nicht auch in eine simple und treffende Metapher übersetzen könnte, die das ganze Rechtfertigen und Herzausschütten überflüssig macht: „Es ist doch so: Man fährt einfach anders Auto, wenn noch jemand hinten drin sitzt.“

Der richtige Satz, um das Gespräch aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt zu holen. Die Platte heißt nicht umsonst „Neuanfang“. Clueso startet in ein neues Kapitel, und dieses Kapitel klingt nicht nach Nostalgie und Selbstmitleid, sondern nach großen, mitsingbaren Refrains und kraftvoller Instrumentierung. Volle Fahrt voraus, mit leerer Rückbank und neuem Beifahrer. Erfolgsproduzent Tobi Kuhn wurde von Clueso zum Projektmanager des Face-Liftings erkoren: „Ich habe ihm verantwortungsvoll das Projekt in die Hände gelegt. So was konnte ich früher gar nicht. Abgeben war überhaupt nicht mein Ding“, erinnert er sich und klingt auf einmal so, als würde er über eine zurückliegende, fast in Vergessenheit geratene Lebensphase sprechen.

„So erscheint, dass nichts so bleibt wie es ist, fast schon wie gewohnt“, heißt es irgendwo in der Mitte von „Barfuß“. Von der Arbeit abbringen lässt sich Clueso durch den Trubel der letzten Monate nicht. Das Ausprobieren, das Aufgeben und Neumachen ist sein Tagesgeschäft, vielleicht sogar sein Antrieb – und es ist in den letzten Jahren auf jeden Fall zu kurz gekommen.

Jonannes Middelbeck

 

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