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„Creature of Habit“ von Courtney Barnett: Gottesanbeterinnen und andere Zeichen des Universums

Courtney Barnett
Courtney Barnett bleibt sich mit „Creature of Habit“ trotz einiger Veränderungen treu. (Foto: Lindsey Byrnes)

Über Gottesanbeterinnen ist vor allem bekannt, dass sie nach der Paarung gerne mal ihre Männer fressen. Dass sie aber auch kriselnde Singer/Songwriterinnen zurück in die Spur bekommen können, dürfte vielen neu sein.

Nach dem instrumentalen Album „End of the Day“, das begleitend zu „Anonymous Club“, dem Anti-Rockstar-Biopic über Courtney Barnett, veröffentlicht wurde, war es wieder an der Zeit für die typisch lakonischen Barnett-Songs. „Creature of Habit“ heißt das neue Album der Australierin, das nur mit Zurren und Zerren entstehen konnte. So zog Barnett nach L.A., während ihr Label Milk! Records schließen musste, und auch die Songs selbst wollten nicht nur aus der Feder gleiten. An der Vorabsingle „Site unseen“ schraubte die 38-Jährige knapp zwei Jahren, bis Waxahatchee den Song endlich komplettierte.

Barnetts bezaubernder mehrstimmiger Gesang und ihr sympathisch-schlichtes Songwriting tragen durch dieses mit Amerciana-, Indierock- und Slackergrunge-Anleihen angereicherte Album, das eigentlich weniger easy ist, als es der Sound vermuten lässt. In der Hälfte dann der Schlüsselsong „Mantis“. Ein gemütlich groovender Hit, in dem Barnett singt: „Praying mantis on my door, looking for meaning or just any sign at all“. Diese Zeile bezieht sich tatsächlich nicht nur auf das Album-Artwork, sondern auf eine reelle Situation, die durchaus als Auslöser dieses Album gelesen werden kann. „,Mantis‘ ist das mikrokosmische Herzstück dieses Albums, es verkörpert die Botschaft und Bedeutung jedes einzelnen Tracks. Es ist ein Lied über die Suche und hat mir geholfen, meinen Weg durch ,Creature of Habit‘ zu finden. Ich fühlte mich besonders verloren, als ich an diesem Song arbeitete“, erklärt die australische Singer/Songwriterin.

Courtney Barnett: „Ich stand eine Weile da und sprach mit der Gottesanbeterin“

Barnett führt fort: „Eines Tages stand ich in der Küche und machte mir einen Kaffee, als ich eine kleine grüne Gottesanbeterin auf dem Türrahmen bemerkte. Ich hatte dort in dem Haus in der Wüste noch nie eine gesehen, also deutete ich es als ein wichtiges Zeichen des Universums, schickte Stella ein Foto per SMS, und sie meinte, es bringe Glück, ich solle es nachschlagen! Also recherchierte ich kurz und fand heraus, dass es auch für Geduld, Ausdauer und Orientierung steht. Ich stand eine Weile da und sprach mit der Gottesanbeterin; es war ein seltsamer und erhellender Moment, den ich nie vergessen werde. Schließlich machte ich mich wieder ans Schreiben und hatte endlich den Refrain für diesen Song.“ Und so sucht Barnett mit „Creature of Habit“ letzlich im Kleinen das Große – und klingt dabei unverschämt cool.

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