„Der Astronaut – Project Hail Mary“: Buddy-Comedy im All
In ihrem Blockbuster nach einem Roman von Andy Weir wissen Phil Lord und Christopher Miller bestens zu unterhalten – aber mehr auch nicht.
Andy Weir mag einsame Männer, die draußen im All gestrandet sind: In seinem 2015 mit Matt Damon verfilmten Roman „Der Marsianer“ war es ein Wissenschaftler, der allein auf dem Mars zurückgeblieben war. Mit „Der Astronaut – Project Hail Mary“ kommt nun die nächste Weir-Adaption auf die Leinwand, und dieses Mal ist es Ryan Gosling, der fern der Erde in einem Raumschiff aufwacht. Der Rest der Crew ist tot, das Gedächtnis des Mannes hat bedenkliche Lücken. Erst nach und nach kehren die Erinnerungen zurück und werden uns in Flashbacks mitgeteilt: Der Astronaut heißt Ryland Grace, ist eigentlich Lehrer und soll hier draußen ein Heilmittel gegen einen mysteriösen Organismus finden, der droht, unsere Sonne zu verschlingen.
„Der Astronaut – Project Hail Mary“: Ryan Gosling und ein Alien
Es geht also darum, die Erde vor dem Untergang zu retten – ganz schön viel Verantwortung für eine Person. Zum Glück stellt Ryland fest, dass er nicht allein ist: Eine Alien-Zivilisation hat ebenso ein Schiff geschickt, um den eigenen Stern zu heilen. Zwischen dem menschlichen und dem außerirdischen Astronauten bahnt sich eine unerwartete Freundschaft an …
Stand bei „Der Marsianer“ noch der ziemlich realistische Umgang mit Astrophysik und Technologie im Zentrum, ist „Der Astronaut – Project Hail Mary“ deutlich fantastischer. Klar, immerhin stößt Ryland auf ein felsig anmutendes Alien, das er Rocky tauft, und wird dann auch noch sein bester Freund. Die sich anbahnende Kommunikation zwischen beiden stellt ein zentrales Element des Films dar, wer allerdings auf eine durchdachte, philosophische Behandlung des Themas à la „Arrival“ hofft, wird enttäuscht sein. Denis Villeneuves Meisterwerk von 2016 ist nur einer der vielen, vielen Sci-Fi-Filme, die in „Der Astronaut“ durchschimmern. Andere Aspekte erinnern wahlweise an „2001“, an „Moon“, an „Sunshine“ oder „Gravity“. Und während der Film einige grandiose Shots von Sternen und Planeten zu bieten hat, gibt es nichts zu sehen, was man aus diesen anderen Filmen nicht bereits kennt. Auch das Design des Aliens wird allen bekannt vorkommen, die sich noch an „Galaxy Quest“ erinnern.
Zu viele Gags, zu wenig Staunen
Natürlich ist es nicht unbedingt fair, einen neuen Film mit Klassikern seines Genres abzugleichen, insbesondere, wenn die Formel gewisse Elemente voraussetzt. Zugleich ist gerade die Science-Fiction eigentlich der Ort, an dem große Ideen und nie dagewesene Bilder noch Platz haben. Doch „Der Astronaut – Project Hail Mary“ will eben vor allem unterhalten. Das immerhin gelingt ihm verdammt gut. Regie geführt haben Phil Lord und Christopher Miller, das Team hinter „The LEGO Movie“ und den „Spiderverse“-Filmen. Sie wissen genau, wie man einen unterhaltsamen Blockbuster dreht, wann ein Witz zündet, wann sie auf die Tränendrüse drücken müssen und wann es spannend werden sollte.
Doch gerade mit dem Humor treibt es das Drehbuch von Drew Goddard viel zu weit: Jeder Moment, in dem Staunen oder Ehrfurcht über die endlosen Weiten des Universums oder die erste Begegnung mit einer außerirdischen Intelligenz aufkommen könnte, wird sofort durch einen Gag unterbrochen. Die meisten Gags zünden, doch das macht diese mangelnde Erhabenheit nicht weniger schade: Stellenweise wünscht man sich gar Christopher Nolans humorlose Sentimentalität aus „Interstellar“ zurück. Dass die bewegendste Szene des Films gar nicht im All spielt, sondern in einem der Flashbacks, als nämlich Rylands Chefin Eva Stratt – wunderbar spröde gespielt von Sandra Hüller – auf einer sterbenden Erde Harry Styles „Sign of the Times“ beim Karaoke singt, ist bezeichnend.
Frustrierend ist auch, dass der Film nicht enden will: Zweimal scheint der perfekte Schluss erreicht, zweimal geht es noch unnötig lange weiter. Doch letztlich ist „Der Astronaut – Project Hail Mary“ trotz mangelnden Wagemuts so charmant und unterhaltsam, dass die meisten Zuschauer:innen auch diese Überlänge mühelos verzeihen werden.