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„Der letzte Flug – Ein Deutsches Geheimnis“: Wo ist die Fracht der JU 5?

Der letzte Flug – Ein deutsches Geheimnis
ARD/rbb DER LETZTE FLUG – EIN DEUTSCHES GEHEIMNIS, am Montag (17.10.22) um 23:35 Uhr im ERSTEN. Eine mysteriöse Geschichte im Wahnsinn der Schlacht um Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs: Als am 20. April 1945 die Rote Armee nahe der brandenburgischen Dörfer Glienig und Buckow eine Zivilmaschine der Deutschen Lufthansa abschießt, zerstört der Vorfall nicht zur das Leben der Passagiere und deren Angehöriger, sondern hinterlässt auch am Unglücksort tiefe Spuren und zahlreiche Fragen. - Katrin Missal mit einem noch erhaltenen Rad der abgestürzten JU 52. © rbb/DOKfilm

„Der letzte Flug“ in der ARD-Mediathek ist eine Dokuserie über den Absturz des letzten Linienflugs kurz vor Kriegsende. Wer war in der JU 5?

Die eine hat ein Rad vom Flugzeug und betont, dass noch die Luft von 1945 drin sei, der andere weiß von Menschen aus dem Nachbardorf, die sich die Aluminiumhaut vom Flieger geholt haben, um damit ihre Karnickelställe abzudecken. Auch diese Dächer würden noch bis heute halten, meint er. Um das am 20. April nahe der brandenburgischen Dörfer Glienig und Buckow abgestürzte Zivilflugzeug der Lufthansa ranken sich also nicht nur einfach Mythen, sondern ganz besondere Mythen von der Unvergänglichkeit deutscher Wertarbeit, die jetzt in der Dokuentarserie Der letzte Flug – Ein deutsches Geheimnis (ab sofort in der ARD-Mediathek, am 17. 10. in der ARD) zusammengetragen wurden. Was aber auch bekannt wird: Die Menschen damals haben dicht gehalten, nichts erzählt. Lediglich nach der Wende und mit der Währungsreform notierte die örtliche Sparkasse, dass zur Währungsreform 1948 viele angekokelte Reichsmarkscheine gegen D-Mark eingelöst worden seien.

Nur 70 Kilometer von Berlin entfernt liegen die beiden Dörfer Glienig und Buckow Richtung Norden. Kaum etwas ist bekannt von dem Flug der abgestürzten JU 5. Obwohl 18 Personen an Bord gewesen sein sollen, als die Maschine in Berlin Tempelhof mitten in den letzten Tagen des Krieges und am Geburtstag Adolf Hitlers startete, gibt es bis heute keine Passagierliste. Die Crew war kurz vor dem Start noch ausgetauscht worden, ein Ingenieur konnte sich nach dem Absturz als einziger retten, Geld, Schuck und Wertpapiere sollen an Bord gewesen sein – alles verschwunden. Dabei wird die Dokuserie Der letzte Flug diese Fragen zwar, beantwortet aber nicht alle.

Beim Versuch, die Doku Der letzte Flug ästhetisch in Richtung True-Crime-Thriller zu schminken, haben es die Macher etwas übertrieben. Blitzlichtartige Einblendungen von Bildern, ein dräuender Score und Kameraeinstellungen, die etwas in Richtung Horror gehen sollen, lassen zunächst auflachen. Dann aber entwickeln sich die Interviews inhaltlich, und es kommen immer mehr Details an den Tag. Vor allem wie Menschen aus dem einen Dorf oft jeweils das andere Dorf der Plünderung bezichtigen und das eigene Dorf verteidigen, ist bestes Entertainment.

Was aber wirklich gelobt werden muss, sind die Überlegungen, wer denn ein Ticket für den allerletzten Flug aus Berlin ergattert haben mag. Hochrangige Personen, vielleicht Kulturprominenz? Der Name des Regisseurs Hans Steinhoff („Hitlerjunge Quex“) fällt, unbekannte NS-Größen werden genannt. Tatsache ist, dass alle Leichen vor Ort begraben wurden. Eingebettet ist diese Crime-Story in die Erzählung der damals etwa 15-jährigen Jugendlichen, die entweder von der Wehrmacht ins letzte Gefecht geschickt wurden oder sich im Wald versteckten, als die Rote Arme die Region um Berlin von den Nationalsozialisten befreite. Diese Menschen sowie Zugezogene beginnen sich aktuell für die Vergangenheit zu interessieren. Ihre Aussagen bilden den Kern dieser Dokuserie.