Zum Inhalt springen

Die besten Bücher 2025: Empfehlungen für den September

Die besten Bücher im September 2025: Buchcover von Caroline Wahl, Maya Rosa, Anton Hur, Max Goldt, Verena Keßler und Seán Hewitt

Die Longlist für den Buchpreis steht, unsere Monatsliste auch: Die besten Bücher im September 2025 mit Caroline Wahl und Thomas Melle.

Bevor sich Caroline Wahl beschwert: Auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis hat sie es nicht geschafft, aber auf unserer Liste der besten Bücher im September 2025 steht sie mit ihrem neuen Roman „Die Assistentin“ sehr wohl. Unsere Liste der besten Bücher im September 2025 hat auch zwei Überschneidungen mit der Longlist: „Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger und „Haus zur Sonne“ sind hüben wie drüben dabei. Ein furioses Comeback legt Max Goldt hin: Nach 15 Jahren Schreibblockade meldet er sich zurück – doch wie weit kommt „Aber?“ auf unserer Liste der besten Bücher im September 2025? Und auch eine spannende Debütantin ist dabei: Maya Rosa erzählt mit „Moscow Mule“ eine Coming-of-Age-Geschichte, die im Moskau der 2000er-Jahre spielt.

Die erste, unglückliche Liebe ist literarisch auserwählt? „Öffnet sich der Himmel“ von Seán Hewitt beweist das Gegenteil – und will auch auf unserer Liste der besten Bücher im September 2025 hoch hinaus. Eine Konkurrentin ist Verena Keßler, die ebenfalls auf unserer Liste der besten Bücher im September 2025 steht. In ihrem dritten Roman „Gym“ treibt es eine junge Frau hinter den Tresen eines Fitnessstudios – und ganz bald auch in den Wahnsinn. „Die Prozesse“ von Marius Goldhorn sticht aus der Masse der dystopischen Romane heraus, weil der Roman ganz nah an seine Protagonist:innen heranzoomt und das Szenario fühlbar macht. Oder führt „Toward Eternity“ unsere Liste der besten Bücher im September 2025 an? Anton Hur denkt zwischen Weltraumschlachten über die Sprache nach.

Die besten Bücher im September 2025

9. Maya Rosa: Moscow Mule

Die besten Bücher im September 2025: Buchcover „Moscow Mule“ von Maya RosaDas Erwachsenwerden, der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung in einer politisch restriktiven Gesellschaft: In ihrem Debütroman „Moscow Mule“ zeichnet Maya Rosa ein eindringliches Porträt der Studentin Karina im Moskau der 2000er-Jahre. Der Roman erzählt von Karinas tiefer Freundschaft zu Tonya, von ausschweifenden Partynächten in Russlands Hauptstadt und dem gemeinsamen Traum, nach Deutschland auszuwandern. Zwischen den Zeilen schimmert immer wieder das Politische durch: die Unterdrückung freier Meinungsäußerung, Kritik an der Regierung, die Ermordung regimekritischer Journalist:innen. Besonders macht den Roman aber vor allem der humorvolle Schreibstil, der selbst ernsten Themen Leichtigkeit verleiht – sei es Karinas mittellosem Leben ohne festen Wohnsitz oder das vergebliche Ringen um die Anerkennung ihrer Mutter. „Moscow Mule“ stellt die Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Mit ihrem Debüt demonstriert Maya Rosa: Mit Lebensfreude und der richtigen Einstellung lassen sich gesellschaftliche Fesseln sprengen, denn selbst aus schwierigen Umständen ziehen ihre Protagonistinnen noch etwas Positives.

Penguin, 2025, 320 S., 24 Euro

8. Caroline Wahl: Die Assistentin

Buchcover „Die Assistentin“ von Caroline WahlIhr Wechsel von Dumont zum Rowohlt Verlag hat in der Buchwelt in etwa die Bedeutung wie Florian Wirtz’ Transfer von Bayer 04 Leverkusen zum FC Liverpool für den Fußball. Auf der Bestsellerliste macht Caroline Wahl eh niemand mehr etwas vor, doch wenn die 30-jährige Autorin jetzt in „Die Assistentin“ von der gescheiterten Musikerin Charlotte erzählt, die in ihrem neuen Job einem Verleger zuarbeitet und so in die Mühlen der toxischen Verlagswelt gerät, könnte es auch endlich mit den großen Literaturpreisen klappen. Eine Karriere als Musikerin – das war eigentlich Charlottes größter Wunsch. Aber jetzt ist es ja eh zu spät, und sie muss sich um einen vernünftigen Job kümmern, schon wegen der Eltern. Sie findet eine Stelle in einem Verlag, auch nicht schlecht, und München ist eine schöne Stadt, vor allem im Sommer. Im Vorzimmer des Verlegers sitzt Charlotte ganz nah am Zentrum der Macht. Dass der seine Assistentinnen oft auswechselt, kriegt sie schnell mit. Aber sie entwickelt ein gutes Verhältnis zu ihrem Chef, der ihre Stärken erkennt, ihr vertraut. Und dafür muss sie eben viel in Kauf nehmen, sehr viel, vielleicht auch selbst mit harten Bandagen kämpfen, vielleicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Vielleicht sogar Bo verlieren, in den sie sich doch gerade erst verliebt hat …

Rowohlt, 2025, 368 S., 24 Euro

7. Max Goldt: Aber?

Buchcover „Aber?“ von Max GoldtMax Goldt hat vor knapp 15 Jahren seine letzte Kolumne in der Titanic veröffentlicht, steht aber wie alle nicht im Bösen Geschiedenen weiterhin im Impressum des Satiremagazins. Etwa genauso lange hat Goldt lediglich Bücher mit Wiederveröffentlichtem herausgebracht oder mit Dramoletten, die er vorher schon gemeinsam mit dem Zeichner Katz als Comic veröffentlicht hatte: Max Goldt leidet seit langem an einer Schreibblockade. Umso schöner, dass jetzt mit „Aber?“ wenigstens ein schmaler Band erscheint, der nicht nur erwähnte Dramolette enthält, sondern auch bisher unveröffentlichtes Material. Wie sehr man Goldts Stimme gerade heute in Zeiten massiver Kämpfe innerhalb des linken Spektrums bräuchte, zeigen diese wenigen Texte, die vom Humor des Autors durchdrungen sind und gleichzeitig gelassen Haltung zeigen. „Humor und so“ ist so gesehen schon fast ein Text in eigener Sache, „Morrisey vs. Der Spiegel“ zeigt noch einmal auf, warum sich Goldt seit Jahrzehnten zu fast keinem Interview bereiterklärt, und sein Nachruf auf Wiglaf Droste ist so zärtlich geraten wie noch nie ein Text über den 2019 verstorbenen Polemiker.

dtv, 2025, 160 S., 24 Euro

6. Anton Hur: Toward Eternity

Die besten Bücher im September 2025: Buchcover „Toward Eternity“ von Anton HurAls ihr Patient Yonghun, ein Literaturwissenschaftler, der zuletzt noch eine KI mit Gedichten gefüttert hat, auf mysteriöse Weise verschwindet, greift Dr. Mali Beeko zu ihrem Notizbuch. Hatte der Austausch seiner Körperzellen gegen Naniten – kleine Roboterzellen – doch eigentlich reibungslos funktioniert. „Toward Eternity“, der Debütroman des international gefeierten Übersetzers Anton Hur, beginnt wie ein Rätsel, das sich allmählich zusammensetzt. Denn Malis Notizbuch wird weitergereicht und mit Erinnerungsprotokollen anderer Figuren gefüllt, von denen Mali neben Androiden und Klon-Soldat:innen die einzig Menschliche bleibt. Bis sich dieser Science-Fiction-Roman in der zweiten Hälfte zwischen monumentalen Weltraumschlachten verliert, ist er eine kluge Versuchsanordnung, die in Form eines Meta-Textes über Sprache und die Frage, wie diese uns konstituiert nachdenkt und zu der niederschmetternden wie tröstenden Erkenntnis gelangt, dass Sprache womöglich gar kein Wesenskern der Menschlichkeit ist, sondern weit darüber hinausweist. Zumindest schafft es Malis Notizbuch von der nahen Zukunft bis in die titelgebende Ewigkeit.

S. Fischer, 2025, 288 S., 24 Euro

Aus d. Engl. v. Cornelius Reibe

5. Marius Goldhorn: Die Prozesse

Buchcover „Die Prozesse“ von Marius GoldhornSchon wieder ein dystopischer Entwurf der ganz und gar nicht fernen Zukunft: In den westlichen Metropolen demonstrieren ethnische Minderheiten und LGTBQ-Gruppen für ihre Bürgerrechte, während nationalistischer Populismus boomt. All das gipfelt in der EU-Hauptstadt Brüssel in einen Barrikadenkampf und der Errichtung einer riesigen Kommune für alternative Lebensformen. Mittendrin sind der Erzähler T. und sein Partner Ezra. „Die Prozesse“ sticht heraus, weil der Roman ganz nah an seine Protagonisten heranzoomt, Details wirken lässt und so das Szenario fühlbar macht. Während sich der todkranke Ezra in seiner nihilistischen Netzexistenz verfängt, schließt sich T. nach Erzas Tod den Kommunarden an. Und auch das zeichnet Martin Goldhorns Endzeitdarstellung aus: Die Aussteiger:innen entwerfen Theaterstücke, in denen sie Prozesse gegen Diktatoren initiieren, um dann ohne diese Erinnerungen in eine bessere Zukunft gehen zu können. Und auch T. sucht nach seiner ganz individuellen Bewältigungsstrategie. Im Untergang geht es Goldhorn immer auch um die Weigerung, unglücklich zu sein.

Kiepenheuer & Witsch, 2025, 278 S., 23 Euro

4. Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen

Buchcover „Die Holländerinnen“ von Dorothee ElmigerFast ein Frevel, dass für die Besprechung dieses großartigen Romans nur ein kurzer Absatz zur Verfügung steht – und doch auch passend, denn in „Die Holländerinnen“ geht es Dorothee Elmiger um nichts Geringeres die Grenzen von Narrativ und Bedeutung. Eine Autorin hält einen Vortrag über eine Reise, die sie unternommen hat, um im Amazonas an einem Theaterstück über zwei verschwundene Frauen zu arbeiten. Dass dadurch das gesamte Buch in indirekter Rede geschrieben ist, ist nur eine Verzerrungsebene – dass alle Menschen, denen die Erzählerin begegnet, wiederum selbst beklemmende Geschichten erzählen, fächert diese nur immer weiter auf. Natürlich bringt die Konfrontation mit der übermächtigen, unbegreiflichen Natur zahllose Assoziationen mit Joseph Conrad, Werner Herzog und Joan Lindsay mit sich, doch Elmiger geht weiter, indem sie auch die Unmöglichkeit von zwischenmenschlicher Kommunikation thematisiert. Oder ist das alles nur ein grausamer Scherz? Elmiger gelingt es, das Buch selbst zum Chiffre für das „erratische, grundlose Wesen der Welt“ werden zu lassen, wie ihre Erzählerin es nennt – und das auf weniger als 200 Seiten.

Hanser, 2025, 160 S., 23 Euro

TOP 3

3. Verena Keßler: Gym

Die besten Bücher im September 2025: Buchcover „Gym“ von Verena KeßlerWas früher noch das Fitnessstudio war, ist heute das Gym. Aus einem sperrig-technischen Begriff wurde die Behauptung gelungenen Lebens: ein Lifestyle. Und genau daran scheitert beinahe das Vorstellungsgespräch der Protagonistin in Verena Keßlers neuem Roman. „Sein Team, das müsse diesen Ort gewissermaßen, nun ja, auch verkörpern, also Fitness und Wellness und Gesundheit und all das auch selbst ausstrahlen“, erklärt ihr Ferhat, der Besitzer des Mega-Gym. Mit anderen Worten: Du bist zu viel Erdnussflipbauch und zu wenig Pfirsicharsch. Den Job als Tresenkraft bekommt die Ich-Erzählerin trotzdem, dank der Lüge, sie habe gerade erst entbunden – immerhin ist Ferhat selbsternannter Feminist. Wie temporeich und pointiert die Leipziger Autorin dieses Doppelleben zwischen angeblich abgepumpter Muttermilch und gemixten Proteinshakes mit so klangvollen Namen wie Muscle-Hustle oder Sixpack on the Beach beschreibt, ist herausragend und zunächst noch urkomisch.

Hätte dieser Roman vor zehn Jahren noch als entlarvender Text neoliberaler Optimierung gegolten, sind wir – und Keßler sowieso – längst schlauer. Sport zu machen bedeutet nicht gleich, die FDP zu wählen, und wer schon einmal in der Nähe eines Gyms gewesen ist, wird wissen, dass dieser Roman keine intellektuelle Häme einer Elfenbeinturm-Schriftstellerin ist. Nein: Es ist mindestens genauso grotesk, wie es Keßler skizziert. Entgrenzter Ehrgeiz und völlige Vereinzelung spielen nebst MeToo-Themen natürlich trotzdem eine zentrale Rolle in Keßlers Buch. So schlittert ihre Protagonistin allmählich in eine Obsession, die sie, wie wir später erfahren, bereits den letzten, sehr gut bezahlten Bürojob gekostet hat. Aus Essen wird Proteinzufuhr, aus Fett wird Muskel, aus Spaß wird Ernst. Bis sie schließlich auf einer Überdosis Steroiden die Affektkontrolle verliert. „Sie alle waren hier, um irgendwo dazuzugehören. Um etwas zu werden, das es schon gab“, stellt die Ich-Erzählerin mit einer jovialen Überheblichkeit fest, während sie schon längst dem Individualisierungswahn verfallen ist und wir sie kaum noch als die sympathische Identifikationsfigur aus dem Vorstellungsgespräch wiedererkennen, sondern nur noch staunend danebenstehen.

Hanser Berlin, 2025, 192 S., 23 Euro

2. Seán Hewitt: Öffnet sich der Himmel

Buchcover „Öffnet sich der Himmel“ von Seán HewittDas fiktive Kaff Thornmere in Nordengland: Nach 20 Jahren kehrt der Erzähler James an den Ort seiner Kindheit zurück. Er erinnert sich an sein Coming-out als 16-Jähriger, an die Ausgrenzung und Einsamkeit, das nur in seiner Fantasie ausgelebte Begehren. Weil die Eltern von James nicht viel Geld haben, muss er vor der Schule Milch ausfahren – und hier trifft er eines Morgens auf den ein Jahr älteren Luke, der wegen familiärer Probleme für mehrere Monate auf den Bauernhof seiner Verwandten untergebracht ist. James verliebt sich, ganz langsam freundet er sich mit Luke an, doch ist er unsicher, ob dieser seine Gefühle erwidert. Der Debütroman von Seán Hewitt fängt den Schmerz von James mit atemberaubender Schönheit ein: sein Sehnen, das sezierende Beobachten der eigenen Gesten und Taten, das Abwägen jedes einzelnen Wortes, die Schuldgefühle, die Angst, sich zu offenbaren, und zugleich das Hadern mit verpassten Chancen.

Wie vor ihm der US-Amerikaner Ocean Vuong wechselt mit dem Iren Seán Hewitt ein gefeierter Lyriker zum Roman und veredelt das Genre: Indem Hewitt in verschachtelten und anspielungsreichen Sätzen auf die nordenglische Landschaft blickt, findet er Bilder für den Schmerz seines Protagonisten, die sich den Lesenden einbrennen. „Öffnet sich der Himmel“ ist ein queerer Roman, doch ist das Verwechseln von Liebe und Begehren universell: Bei James wirkt das erste große Verliebtsein auch noch nach 20 Jahren nach, sodass er zu keiner Beziehung fähig ist. Sein Verlangen wurde nicht erfüllt, die Luke-Episode ist unabgeschlossen, er ist Projektionsfläche geblieben. Dass die Erkenntnis im Kopf nichts nutzt, davon zeugt dieser Roman. Hewitt verweist auf den Luke, den wir vermutlich alle mit uns rumtragen, und er intensiviert die Erinnerungen. Nehmen Sie nur diesen Satz nach der Verabschiedung von James und Luke: „Als ich meinen eigenen Finger auf die Handfläche legte, den Blick durchs Fenster auf die Straße gerichtet, fühlte er sich anders als seiner an, und ich brachte mich dazu, aufzuhören, denn der Unterschied brach mir das Herz.“ Na?

Suhrkamp, 2025, 288 S., 25 Euro

Aus d. Engl. v. Stephan Kleiner

1. Thomas Melle: Haus zur Sonne

Buchcover „Haus zur Sonne“ von Thomas MelleWarum nicht einfach mal einen Blurb vom Buchrücken falsch zitieren? „Die Leistung eines Thomas Melle liegt darin, dass er nicht wegen, sondern trotz des Wahnsinns ein Genie ist!“ Das alles wurde in „Aspekte“ wohl schon so gesagt – nur das Rufzeichen am Ende, das haben wir dem ZDF untergejubelt. Es beginnt bei Melle selbst, denn so sehr er auch gehofft hat, seine bipolare Störung durch die literarische Aufarbeitung in „Die Welt im Rücken“ überwunden zu haben, ist die Krankheit zurück. Sogar noch schlimmer, denn in der jüngsten manischen Phase hat er nicht nur Besitz und Bindungen verloren, sondern auch seine kreativen Fähigkeiten. Vermeintlich, denn nun wird das Buch zum Roman: Der Staat finanziert der Figur Thomas Melle den Aufenthalt in einer luxuriösen Wohnanlage. Hier wird er sterben, doch zuvor kann er sich per Simulation so ziemlich jeden Wunsch erfüllen: Rockstar, Traumhochzeit, Dates … Doch was wünscht sich ein in einer Depression festsitzender Thomas Melle, der eigentlich nur verschwinden will? Und worum geht es den Betreibern des Haus zur Sonne? Genial. Rufzeichen.

Kiepenheuer & Witsch, 2025, 320 S., 24 Euro

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im August 2025!

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.