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Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den Februar

Die besten Bücher im Februar 2026: Buchcover von Elias Hirschl, Leïla Slimani, Dorota Maslowska, Harper Lee, Vernesa Berbo und Mirna Funk

Die ersten Titel aus dem Frühjahrsprogramm sind da: Die besten Bücher im Herbst 2026 mit Elias Hirschl, Leïla Slimani und Harper Lee.

In „Balagan“ versucht Mirna Funk vergeblich, ein Stimmungsbild der deutschen Kulturszene nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober zu entwerfen. Hat sie auf unserer Liste der besten Bücher im Februar 2026 dennoch eine Chance? Besser sind da die Aussichten von Leïla Slimani auf unserer Liste der besten Bücher im Februar 2026, denn mit „Trag das Feuer weiter“ schließt sie ihre gefeierte Familiensaga ab und zementiert ihren Status als ganz große Erzählerin. Spektakulär ist auch der neue Roman von Elias Hirschl: Führt „Schleifen“ unsere Liste der besten Bücher im Februar 2026 an?

Der Band „Das Land der süßen Ewigkeit“ versammelt acht Erzählungen, die nach dem Tod von Harper Lee in ihrer Wohnung gefunden wurden. Wie weit kommt die Autorin von „Wer die Nachtigall stört“ damit auf unserer Liste der besten Bücher im Februar 2026? Mit ihrem derben, sehr expliziten und teilweise auch sehr lustigen Episodenroman „Im Paradies“ geht Dorota Maslowska auf unserer Liste der besten Bücher im Februar 2026 ins Rennen. Und schließlich steht auch Vernesa Berbo auf unserer Liste der besten Bücher im Februar 2026, die in „Der Sohn und das Schneeflöckchen“ vom Bosnienkrieg erzählt.

Die besten Bücher im Februar 2026

6. Mirna Funk: Balagan

Die besten Bücher im Februar 2026: Buchcover „Balagan“ von Mirna FunkMirna Funk ist eine der lautesten pro-israelischen Stimmen Deutschlands – und eine, die keine Angst vor dem Konflikt hat. In ihrem neuen Roman erbt die Jüdin Amira unverhofft die verschollen geglaubte, einst von den Nazis gestohlene Kunstsammlung ihres Großvaters. Plötzlich ist sie Multimillionärin und gerät prompt zwischen die Fronten: zwischen Berlin und Tel Aviv, zwischen Zionismus und Postkolonialismus, sogar zwischen einzelnen Familienmitgliedern.

Ein spannendes Szenario, dem Funk leider nicht gerecht wird. Was ein erhellender Blick in die Perspektive der jüdischen Diaspora oder gar ein konstruktiver Beitrag zur verfahrenen Nahost-Debatte hätte werden können, gerinnt dank dramaturgischer Schwächen und holzschnittartiger Figuren zu einer Litanei aus Statussymbolen und anti-woken Klischees.

dtv, 2026, 368 S., 25 Euro

5. Vernesa Berbo: Der Sohn und das Schneeflöckchen

Buchcover „Der Sohn und das Schneeflöckchen“ von Vernesa BerboBeim Aufwachsen sind sie unzertrennlich: Dijana, von allen nur liebevoll „Sohn“ genannt, und ihre jüngere Schwester Dada alias „Schneeflöckchen“. Doch als der Bosnienkrieg ausbricht und Sarajevo belagert wird, ist die Kindheit der Schwestern für immer vorbei. Zwar schaffen sie es, sich mit ihren Eltern vor den ersten Massenmorden zu retten. Doch ab jetzt müssen sie in Bunkern schlafen, hungern, frieren und sich an jeder Kreuzung vor Scharfschützen fürchten. Dijana wird zur Partisanin, während Dada mit Mirza die erste große Liebe erlebt. Doch dann verschwindet Mirza und setzt damit eine Reihe von Ereignissen in Gang, die die Schwestern für Jahrzehnte trennen wird …

Vernesa Berbo hat die Belagerung Sarajevos selbst erlebt und zeichnet den Alltag im Ausnahmezustand mit stechender Genauigkeit nach. Der Gewalt und Grausamkeit des Krieges stellt sie zwei kämpferische, doch zutiefst menschliche Hauptfiguren entgegen, von denen sie abwechselnd in dritter (Dada) und erster Person (Dilara) erzählt. Ein schmerzhaftes, zuletzt aber hoffnungsvolles Plädoyer für Frieden und die Liebe zwischen Schwestern.

FVA, 2025, 446 S., 26 Euro

4. Harper Lee: Das Land der süßen Ewigkeit

Buchcover „Das Land der süßen Ewigkeit“ von Harper LeeVor zehn Jahren ist Harper Lee verstorben, ihr erster und je nach Definition einziger Roman „Wer die Nachtigall stört“ ist sogar schon 66. Nun versammelt ein neuer Band acht Erzählungen, die nach ihrem Tod in Lees Wohnung in New York gefunden wurden. New York? Richtig, denn obwohl sie bis heute mit dem Schauplatz ihres Romans identifiziert wird, hat Lee ein Leben zwischen ihrer Heimat in Alabama und New York geführt. Das schlägt sich auch in diesen frühen Geschichten nieder, die teilweise wie Studien für „Wer die Nachtigall stört“ wirken und sich mit dem Rassismus, dem Fundamentalismus und Sexismus der Südstaaten befassen („Der Wassertank“, „Die Zickzackschere“), teilweise mit dem Großstadtleben einer jungen Frau („Das ist Showbusiness?“). Alle Geschichten sind warmherzig, witzig, oft brillant. Trotzdem lässt sich das Gefühl nicht abschütteln, das sich schon 2015 zur Veröffentlichung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ – der ersten Fassung von „Nachtigall“, die damals als eigenständiger Roman verkauft wurde – eingestellt hat: dass es hier vor allem darum geht, aus dem Namen Harper Lee möglichst viel Geld rauszuschlagen. Dafür spricht auch, dass die Essays in der zweiten Hälfte allesamt zuvor erschienen und inhaltlich teilweise eher Kuriositäten sind.

Penguin, 2025, 208 S., 25 Euro

Aus d. Engl. v. Dr. Nicole Seifert

TOP 3

3. Dorota Maslowska: Im Paradies

Die besten Bücher im Februar 2026: Buchcover „Im Paradies“ von Dorota Maslowska„Ich ficke sie jetzt aus diesem Uber, in ihren dicken, nicht epilierten, pickeligen, von Zellulitis und Hautfalten wabbelnden Hintern.“ Anmutige Gedanken wie dieser sind in Dorota Masłowskas neuem Roman „Im Paradies“ keine Seltenheit. Jener hier gehört zu einem misogynen Bänker. Eine der vielen abgründigen Figuren, die in diesem derben, expliziten und zeitweise sehr lustigen Episodenroman der polnischen Autorin aus- und zeitweise gar bloßgestellt werden. Da wäre noch ein Junge, der einer Frau beim Ertrinken zusieht, eine Frau, die sich in einer Absteige der völligen Blöße hingibt, oder ein verdrogter Werbefilmer.

Es wird geflucht, gefickt und gekokst, doch in den stillen Momenten eben auch gegrübelt, gezweifelt und geheult. Erbärmlich wie ein Meme von Sveamaus, zumal sich hinter der so verrohten Sprache der Figuren, die andere wahlweise als „dickwanstige Ballerinas“ oder „schmelzende XXL-Eisportionen“ bezeichnen, vor allem eines steckt: Einsamkeit. Und diese lässt sich nun mal weder mit Sex, TikTok, Fitness, Drogen noch mit fancy Food-Trends aus New York kompensieren – auch, wenn es in diesem Sittenbild unserer Gegenwart alle so verbissen versuchen.

Rowohlt, 2026, 160 S., 24 Euro

Aus d. Poln. v. Olaf Kühl

2. Leïla Slimani: Trag das Feuer weiter

Buchcover „Trag das Feuer weiter“ von Leïla SlimaniBegonnen hat Leïla Slimani ihre Familientrilogie 2021 mit „Das Land der anderen“, gefolgt von „Schaut, wie wir tanzen“ ein Jahr später, nun schließt „Trag das Feuer weiter“ die Reihe ab. Diese Informationen sind wichtig, setzt jeder Band doch die Kenntnis des vorherigen voraus. Es kostet Zeit und Aufwand, sich in das komplizierte Geflecht der Familie Belhaj zu arbeiten, doch es lohnt sich: Band 3 ist dank dieses Fundaments nun noch einmal besser als die Vorgänger. Die Geschichte, die einst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Umzug der Französin Mathilde ins Land ihres Manns Amine begonnen hat, kommt nun endlich in der Gegenwart an: mit der Schriftstellerin Mia, Mathildes Enkelin, die seit Covid Probleme mit ihrem Gedächtnis hat und aus Paris auf die Farm in Marokko zurückkehrt, um sich an ihre Kindheit zu erinnern. Dann geht es zurück in die 80er, zu Mia, ihren Eltern Aïsha und Mehdi, ihrer Schwester Inès, zu den Großeltern, Onkeln und Tanten. Die Töchter wachsen mit westlichem Luxus und marokkanischen Traditionen auf, fühlen sich zwischen den Welten gefangen. Diese Kluft wird noch größer, als Mia sich in eine Mitschülerin verliebt und zum Studieren nach Frankreich geht.

Doch Mia ist, außerhalb der Rahmenhandlung, weder Ich-Erzählerin noch eigentliche Hauptfigur, und „Trag das Feuer weiter“ keine Autofiktion, auch wenn Slimani die eigene Familiengeschichte zum Vorbild nimmt. Die Autorin beherrscht die Kunst, nach Bedarf an Figuren heran- und wieder wegzuzoomen. So schafft sie etwas eigentlich Paradoxes: ein intimes Panorama, ein Mosaik aus Psychogrammen, die zusammen ein Gesellschaftsporträt ergeben. Wären Vergleiche mit „Buddenbrooks“ oder „Anna Karenina“ nicht so überholt, wären sie durchaus gerechtfertigt. Mit diesen Klassikern teilt Slimanis Roman eine weitere Eigenschaft, die in Anbetracht des Stoffes umso beeindruckender ist: die Ablehnung jeglicher Sentimentalität.

Luchterhand, 2026, 448 S., 25 Euro

Aus d. Franz. v. Amelie Thoma

1. Elias Hirschl: Schleifen

Buchcover „Schleifen“ von Elias HirschlDa veröffentlicht Elias Hirschl im Jahr 2021 einen Schlüsselroman über rechtskonservative Slim-Fit-Politiker à la Sebastian Kurz und Philipp Amthor und steigert das Grauen mit Anleihen bei „American Psycho“ – doch dann muss „Salonfähig“ neben den Chatverläufen der ÖVP bestehen. Auch „Content“, seine Romansatire über die Generation ChatGPT mit den absurdesten Listicles und aufgeschnittenen Pulsadern, wird nach dem Erscheinen vor zwei Jahren leider viel zu schnell von der Realität überholt. Also rüstet der 32-jährige Wiener jetzt auf: „Schleifen“ setzt nicht nur als quasihistorischer Roman vor etwa 100 Jahren ein, sondern er gönnt sich auch eine sehr spezielle Hauptfigur. Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. Schnell hat sie Cholera, Pest und Lepra durch. Sie leidet, bekommt Pestbeulen, und Hautfetzen lösen sich von ihrem Arm, aber sie stirbt nicht, denn echte Bakterien oder Viren sind ja nicht im Spiel.

Mithilfe des Mathematikers Otto Mandl gelingt es ihr später, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Doch die beiden haben in ihrer Sprachbesessenheit noch lange nicht genug: Sie träumen von einer nonverbalen Welt und wollen eine dynamische, lebendige Plansprache entwickeln, die die Sprache selbst abschafft. Hier kippt der Roman völlig aus Raum und Zeit, Hirschl mischt real existierende Studien mit surrealen, aber stets entlarvenden Erfindungen – und vor der Realität sollte er mit diesem erkenntnissatten, grandios grotesken und bis in die Fußnoten fordernden Roman nun wirklich sicher sein. Wobei: Hat Donald Trump nicht schon Punkt 7 aus Franziska Denks Nonverbalem Programm umgesetzt? „Auslöschung der Vergangenheit und Erschaffung einer Anything-goes-Geschichts- und Gegenwartsschreibung, in der faktische und kontrafaktische Ereignisse nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.“

Zsolnay, 2026, 416 S., 26 Euro

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im Januar 2026!

 

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