Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den März
Worüber auf der Messe in Leipzig gesprochen werden wird: Die besten Bücher im März 2026 mit Kurt Prödel, Hiroko Oyamada und Safae El Khannoussi
Nach dem gefeierten Debüt legt Kurt Prödel nun seinen zweiten Roman „Salto“ vor und will auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026 natürlich hoch hinaus. Doch er bekommt es mit Martin Suter zu tun, der die Business Class zuletzt viele Jahre lang verschont hat. Jetzt endlich sind seine Topmanager zurück, um sich diesmal im Homeoffice zum Trottel zu machen. „Können Sie mich sehen?“ fragt Suter auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026. Als Hiroko Oyamada ihren Debütroman „Die Fabrik“ veröffentlicht hat, sorgte er in Japan für viele Diskussionen und brachte ihr Vergleiche mit Kafka ein. Und vielleicht belegt die deutsche Übersetzung ja jetzt auch den Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026.
Safae El Khannoussi porträtiert Europa in „Oroppa“ als Zwischenstopp, als gastfeindliche Notlösung, und die marokkanische Autorin ist mit ihrem Debüt auch gleich mal auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026 vertreten. Auch „Hitzetage“ von Oisín McKenna ist ein herausragendes Debüt. Steht der junge Ire mit seinem Roman, der das Lebensgefühl der Gen Z abbildet, auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026 ganz oben? Und wie schlägt sich Res Sigusch auf unserer Liste der besten Bücher im März 2026? Statt Themen wie Rechtsruck und Honophobie mit satirischem Witz anzugehen, entscheidet sie sich mit „Unbegründete Ängste“ für ein sensibles Porträt der ostdeutschen Provinz mit stillem Humor.
Die besten Bücher im März 2026
6. Safae El Khannoussi: Oroppa
Geht es dieser Tage um Europa, wird hoch oben ins Regal gegriffen: Rückgewinnung alter Stärke, geteilter Wertekanon, zivilisatorische Errungenschaften. Doch hinter jenen rhetorischen Pappaufstellern offenbart sich Düsteres: In solchen heroischen Erzählungen sind ganze Menschengruppen oft gar nicht erst mitgemeint. Gerade ihnen gilt es aber zuzuhören, will man ein ungeschöntes Bild von Europa zeichnen. Eines, das von Flucht und Diaspora geprägt ist, zerfasert und zerfranst – das absolute Gegenteil einer großen Ordnung. Ein solches Bild zeichnet nun die marokkanische Schriftstellerin Safae el Khannoussi. Ihr in den Niederlanden umjubelter Debütroman „Oroppa“ ist eine Spurensuche, die durch Paris, Tunis und Casablanca führt und in deren Zentrum das Verschwinden einer in Amsterdam lebenden jüdisch-marokkanischen Malerin steht. Plot und Figuren sind so verworren, es ist unmöglich, diese adäquat wiederzugeben, und genau das ist der Punkt: Dieser ambitionierte, mitunter fast märchenhafte Roman entzieht sich jeder Linearität. Gerade erst etablierte Figuren werden fast fahrlässig wieder außer Acht gelassen; wir springen von einem marokkanischen Gefängnis der 80er-Jahre zu einem Saufgelage in einem Pariser Café der Gegenwart. Alles steht im Zeichen des Ausharrens und der Unzugehörigkeit. Europa als Zwischenstopp, als gastfeindliche Notlösung.
Hanser, 2026, 352 S., 26 Euro
Aus d. Niederl. v. Stefanie Ochel
5. Martin Suter: Können Sie mich sehen?
Woher Martin Suter noch immer sein Material holt, wenn er Satiren auf das oberste Management börsennotierter Unternehmen schreibt, weiß man nicht: Zu lange ist er als Kreativer in der Werbebranche selbst aus dem Dunstkreis dieses Milieus raus. Und doch treibt der frühere Creative Director – Kolumnist wurde er erst viel später, und seinen ersten Roman hat Suter gar erst mit 49 Jahren veröffentlicht – sein Managementpersonal weiterhin zur Höchstleistung an: Hier wird mit Anglizismen um sich geworfen und mit Euphemismen eine kreative Unternehmensentwicklung herbeigelogen, dass es eine Freude ist. Zwar spielen die Texte aus Suters neuem Band „Können Sie mich sehen?“ zu einem großen Teil im lockdownbedingten Home Office seiner Lieblinge aus der Business Class. Doch die besseren, schärferen Texte über Schweizer Manager sind eben genau die, in denen Masken, Distanz und Aerosole nicht vorkommen. Frauen, obwohl im Klappentext als Frontalangriff angekündigt, sind noch immer selten eine Bedrohung der männlichen Vorherrschaft im Topmanagement und bestenfalls die böse Schlusspointe einer männlichen Niederlage im Karrierekampf.
Umso schöner sind stattdessen die Spiegelfechtereien in kapitalistisch durchgetakteten Unternehmen, wenn Innovationen anstehen: Da soll die Feedbackkultur in der Quambak revolutioniert werden, und die Puntmayer Consulting kriegt den Auftrag. Also macht sie die Ansage, dass man in der Firma jetzt nicht mehr miteinander spricht, sondern sich gegenseitig ein Feedback gibt. Aber diese neue Feedbackkultur darf um Himmels Willen nicht wie in der Vergangenheit in Form einer Bedrohung daherkommen, sondern: Wertschätzung ist das neue Schlüsselwort. Wertschätzung aber bitte nicht verwechseln mit Gehaltserhöhung, denn die sind Overheadkosten, die ja gerade mit Hilfe der neuen Kultur der Wertschätzung reduziert werden sollen. Suter wird umso stärker, je mehr er Strukturen zur Sprache bringt. Pleiten, Pech und Pannen der Topmanager schüttelt er einfach so aus dem Ärmel.
Diogenes, 2026, 208 S., 26 Euro
4. Res Sigusch: Unbegründete Ängste
Christian Lotz (30) lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Eltern zum Sektfrühstück, unter der Woche arbeitet er im Fitnessstudio. Muskulös und gutaussehend – seine Mutter schwärmt, er sehe aus wie David Beckham Anfang der 2000er –, ist er innerlich von Unsicherheit geplagt und sorgt sich im Grunde um alles: Wie wirkt er auf andere? Warum findet er nicht den richtigen Mann? Was bringt die Zukunft in Zeiten von Klimawandel, Rechtsextremismus und Pandemien? Und ist er nicht vielleicht längst unheilbar krank, wie ihm seine täglichen Internetrecherchen weismachen wollen? Seine Antwort ist stets die größtmögliche Katastrophe. So wächst in Christian eine existenzielle Angst, die bald keinen Anlass mehr kennt. Erst als seine Lage unübersehbar wird, öffnet er sich seinem Umfeld – und erfährt: Geteilte Angst ist halbe Angst. Und manchmal braucht es bloß einen Funken Mut. Res Sigusch zeichnet ihren Protagonisten in „Unbegründete Ängste“ mit seiner vermeintlichen Widersprüchlichkeit: Lotz lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Der 30-Jährige arbeitet als Fitnesstrainer, doch trotz seines muskulösen Äußeren kämpft er mit Selbstzweifeln und Zwangsneurosen. Statt Themen wie Rechtsruck und Homophobie mit satirischem Witz anzugehen, entscheidet sich Res Sigusch für ein sensibles Porträt der ostdeutschen Provinz mit stillem Humor.
Berlin Verlag, 2026, 240 S., 24 Euro
TOP 3
3. Hiroko Oyamada: Die Fabrik
In Japan gibt es die Legende, nach der, wer 1 000 Origami-Kraniche faltet, einen Wunsch frei hat. Doch in der Fabrik gibt es keine Kraniche – nur diese seltsamen schwarzen Vögel, die an Kormorane erinnern, aber dem Fabrikgelände eigen sind. Dass dieses Gelände sein eigenes Ökosystem nicht nur mit Vögeln, sondern auch besonderen Nutrias und Echsen hat, ist bei der schieren, stadtgleichen Größe keine Überraschung. In „Die Fabrik“ lässt Hiroko Oyamada drei Figuren in diesem gigantischen Labyrinth umherirren. Sie alle sind dankbar, einen Job gefunden zu haben, auch wenn nicht ganz klar ist, was der Job eigentlich soll: Yoshiko steht den ganzen Tag am Schredder, um Dokumente zu vernichten, während ihr Bruder ein paar Stockwerke weiter oben Texte Korrektur liest, ohne zu wissen, wo sie danach landen. Und Yoshio Furufue bekommt den unmöglichen Auftrag, die zahllosen Dächer der Fabrik zu begrünen, veranstaltet aber eigentlich nur Touren, bei denen Schulkinder etwas über Moose lernen.
Als Oyamada ihren Debütroman 2013 veröffentlicht hat, hat er in Japan für viele Diskussionen gesorgt: Der absurde, rätselhafte, auch komische Plot, der in äußerst präziser und mechanischer Sprache abgespult wird, hat ihr naheliegende Vergleiche mit Kafka eingebracht. Zugleich ist der Roman unschwer als bitterböse Satire auf die Arbeitskultur Japans zu verstehen: In ihren Figuren, die leidenschaftslos einen monotonen, buchstäblich sinnlosen Job machen, weil der Markt sie dazu zwingt, die zwischen Zeitarbeit, irritierenden Kolleg:innen und befremdlichen Vorschriften jeden Bezug zur Außenwelt und sich selbst verlieren, konnten sich viele Leser:innen wiederfinden. Obwohl oberflächlich nichts wirklich Gefährliches geschieht, wird mit jedem Arbeitsessen und unfreiwilligem Nickerchen das Gefühl der Bedrohung größer, als würde sich eine unsichtbare Schlinge zuziehen. Da faltet man doch lieber Kraniche.
Rowohlt, 2026, 160 S., 24 Euro
Aus d. Japan. v. Nora Bierich
2. Kurt Prödel: Salto
„Augen zu. Eine Sekunde warten. Augen auf.“ Was in der durchpsychologisierten Gegenwartssprache als Coping-Mechanismus durchgehen würde, ist für Marko, den Ich-Erzähler aus Kurt Prödels neuem Roman „Salto“, bloß: ein Trick. Und diesen braucht der angstgehemmte Abiturient aktuell dringender denn je. Stehen nach Schulabschluss doch sowohl das Medizinstudium als auch die Beziehung mit Claire vor dem Aus. Für Ersteres gibt es eine Lösung: Privatstudium in Ungarn. Was Zweiteres wiederum verkompliziert. Wie schon sein völlig zu Recht gefeiertes Debüt „Klapper“ erzählt nun auch Prödels zweiter Roman von den Wachstumsschmerzen junger Erwachsener, für die Coming-of-Age nicht endlose Sommer und Exzess, sondern Stress und Überforderung bedeutet. Prödel interessieren diejenigen, die trotz eines Platzes in der sogenannten Mitte schief zur Welt stehen. Er schreibt einfach, unsentimental und doch berührend: „Papa öffnet die Wohnungstür und stöhnt. Wenn er von der Wertstoffanlage kommt, klingt er wie eine erschöpfte Figur aus einer Sitcom. Nur dass niemand lacht.“
Zu lachen gibt es wirklich eher wenig. Markos Mutter ist gestorben, der Sprüchekalender in der Küche erinnert noch an sie. Dieser verkündet Weisheiten wie: „Das Glück kommt zu den Fleißigen.“ Finanzieren kann Markos Vater (fleißig) das Privatstudium (Glück) seines Sohnes trotzdem nicht. Da muss schon die Lebensversicherung der verstorbenen Mutter her. Angekommen im tristen Budapester Studentenwohnheim, zieht es Marko bald buchstäblich den Boden unter den Füßen weg – da hilft dann auch kein Coping mehr. Prödels Sinn für das Profane ist ein Genuss. Er erzählt ohne Agitation von Klasse, ohne Agitation, von Liebe durch Social-Media-Chats und von Geborgenheit anhand des Geruchs von Zitronenreiniger. Dass einem manch rhetorischer Topos aus „Klapper“ wiederbegegnet, ist ein lässlicher Umstand, sind Prödels Figuren doch so frisch und plastisch, man möchte ihnen zurufen: Haltet durch!
Park x Ullstein, 2026, 272 S., 22 Euro
1. Oisín McKenna: Hitzetage
Es hat ein paar Jahre gedauert, doch plötzlich sind sie da, die jungen irischen Autor:innen, die nach dem großen Erfolg von Sally Rooney mit spektakulären Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen: Naoise Dolan, Seán Hewitt – und jetzt auch Oisín McKenna. Sein queerer Debütroman spielt an einem einzigen Sommerwochenende des Jahres 2019 in London. Der Klimakollaps ist allgegenwärtig, denn es ist unerträglich heiß, zudem hat sich ein Wal verirrt und steckt in der Themse fest. McKenna begleitet eine Freundesgruppe durch diese Tage und Nächte, sie alle sind Ende 20, und auch wenn der ständige Wechsel der Erzählperspektive anfangs ein bisschen verwirrend und auch anstrengend ist, zahlt er sich am Ende aus: Trotz ihres Haderns und aller gescheiterten Kommunikationsversuche kommt man als Leser:in wirklich jeder Figuren extrem nah.
Da ist Maggie, die sich in der Londoner Kunstszene wohlfühlt, nun aber von ihrem Langzeitfreund Ed schwanger ist – und das bedeutet, dass sie zurück in ihr Heimatkaff ziehen muss. Denn Ed erreicht als Fahrradkurier kaum das Existenzminimum. Zudem versucht er, seine Bisexualität nicht nur vor Maggie, sondern auch vor sich selbst zu verheimlichen. Maggies bester Freund Phil ist dagegen seit vielen Jahren geoutet, nur ist er ausgerechnet in seinen Mitbewohner Keith verliebt, der wiederum in einer offenen Beziehung mit Louis lebt. Auch von der Elterngeneration gelingen McKenna extrem bewegende Psychogramme, etwa von Phils Mutter Rosaleen, die einst aus dem konservativen Irland in den Londoner Vorort Basildon geflüchtet ist und in der Romangegenwart damit ringt, den Söhnen von ihrer Krebsdiagnose zu erzählen. Sterben wird am Ende von „Hitzetage“ aber nur der Wal – und auch der wird dank einer Verschwörungstheorie irgendwie überleben: Die Meeresbiologin, die so verzweifelt um seine Rettung gekämpft und ständig in den Socials zu sehen war, das ist doch Lady Di, die in Wirklichkeit gar nicht gestorben ist, oder?
Residenz Verlag, 2026, 360 S., 26 Euro
Aus d. Engl. v. Hans-Christian Oeser u. Alexandra Titze-Grabec
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