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„Die bleierne Zeit“: Der Weg in den Untergrund

Die bleierne Zeit ist in der Arte-Mediathek zu finden.
Zwischen den Schwestern Juliane (Jutta Lampe, li.) und Marianne (Barbara Sukowa, re.) beginnen konfliktreiche Auseinandersetzungen, die alte Verletzungen freilegen. (© 1981 Bioskop-Film/)

Der Film „Die bleierne Zeit“ von Margarethe von Trotta ist ein Pulsmesser der deutschen 70er-Jahre-Gesellschaft und des RAF-Terrors. Bei Arte und in der Mediathek.

Juliane (Jutta Lampe) und Marianne (Barbara Sukowa) wachsen in den 1950er Jahren als Töchter eines evangelischen Pfarrers auf: Die eine eckt an, die andere gilt als angepasst, und doch tragen beide denselben Drang in sich, die Enge ihrer Herkunft zu sprengen. Jahre später stehen sie auf entgegengesetzten Seiten desselben Aufbruchs. Juliane arbeitet für eine feministische Zeitschrift und streitet für gesellschaftliche Reformen, unter anderem gegen den Paragrafen 218. Marianne hingegen hat Familie und Alltag hinter sich gelassen und sich einer radikalen Gruppe angeschlossen, die den Staat mit Gewalt herausfordert: der RAF, Rote Armee Fraktion.

Als Marianne untertaucht, wirkt sich das auch auf Julianes Leben aus: Mariannes kleiner Sohn Jan wird bei ihr abgeladen; kurz darauf nimmt sich sein Vater das Leben. Juliane, die mit dem Kind überfordert ist und sich zugleich in der Verantwortung sieht, organisiert eine Pflegefamilie und wird dadurch tiefer in die Geschichte ihrer Schwester hineingezogen. Marianne taucht überraschend wieder auf, fordert Loyalität und Hilfe, und zwischen den Schwestern beginnen konfliktreiche Auseinandersetzungen, die alte Verletzungen freilegen.

Nach Mariannes Verhaftung besucht Juliane sie im Gefängnis. Bestürzt über den Zustand ihrer Schwester, opfert Juliane Zeit und Mittel, um Marianne zu unterstützen. Trotz ihrer weltanschaulichen Differenzen kehrt Juliane immer wieder zurück – bis sie im Urlaub die Nachricht erreicht, Marianne sei in ihrer Zelle gestorben, offiziell durch Suizid. Juliane glaubt nicht daran und beginnt, trotz Widerständen und zunehmender Vereinsamung, die Umstände zu hinterfragen.

Regsseurin Margarethe von Trottas Film ist fiktiv, aber angeregt durch Begegnungen mit Christiane Ensslin, nach dem Tod ihrer Schwester, der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin. Vvon Trotta wurde bei den Filmfestspielen in Venedig 1981 als erste Frau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

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