FILM

„Dr. Ballouz“: Tieftraurig in der Uckermark

Merab Ninidze als Dr. Ballouz: Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Man kennt den georgischen Schauspieler zwar schon aus der Serie „Der Usedom Krimi“ als den polnischen Kommissar Lucjan Gadocha, ansonsten aber ist er als Bösewicht im Gedächtnis geblieben, ob nun aus den Geheimdienstserien „Homeland“ und „Berlin Station“ oder aus der britischen Serie „McMafia“, die das organisierte Verbrechen als multinationales Konkurrenzunternehmen kapitalistisch neu aufstellt und fit für die Zukunft macht.

Jetzt also die titelgebende Hauptrolle in der ZDF-Serie „Dr. Ballouz“. Sie ist eine typische Krankenhausserie, die in der Uckermark spielt und in der – wie in allen anderen Krankenhausserien auch – das Personal den Widrigkeiten der Unterbesetzung zum Trotz enendlich viel Zeit hat für die Patienten und sich kümmert, kümmert, kümmert. Dr. Ballouz ist hier der Chefarzt, der gerade eine Auszeit hinter sich hat. Man erfährt in kleinen Häppchen, warum Ballouz mit grunddepressivem Gemüt durchs Leben wandelt, warum er ständig Tagträume träumt und warum er so verschlossen ist. Er hat vor nicht genau benannter Zeit seine Frau verloren und und kann sie nicht loslassen.

Gleichzeitig ist „Dr. Ballouz“ alles andere als eine typische Krankenhausserie. Die tiefe Traurigkeit ihres Titelhelden wird nicht nur hervorragend vom noch in der Sowjetunion zum Schauspieler ausgebildeten Ninidze gespielt. Sie überträgt sich auch auf die Grundstimmung der Serie. Hier wird der Kampf gegen den Tod im Vergleich zu anseren Serien existentiell verloren und diese jeweilige Niederlage dann auch nachverhandelt. Schon in Folge zwei hat sie mit Andrea Sawatzki eine herorragende Gastschauspielerin zu bieten und behandelt das sensible Thema Patientenverfügung in einer komplizierten Gemengenlage. Vor allem aber geht sie mit einem Chefarzt mit Migrationshintergrund in der Uckermark auch das Thema der Ausländerfeindlichkeit an, wenn auch in den ersten beiden Folgen noch etwas halbherzig.

Die Serie „Dr. Ballouz“ ist nicht nur wegen des Schauspielers Merab Ninidze, aber trotz ihres Genres eine überdurchschnittliche Produktion des ZDF. Ninidze aber wird man demnächst wieder im Kino zu sehen können, sobald diese aufmachen. Dann spielt er im historischen Geheimdienstfilm „Der Spion“ (im Original „The Courier“) an der Seite von Benedict Cumberbatch den sowjetischen Offizier Oleg Penkowski. Der Film soll am 3. Juni in Deutschland starten. jw

Nichts verpassen! Einfach unseren Film-Newsletter abonnieren! Anmelden