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„Ein einfacher Unfall“: Tödliches Tribunal im Van

Der Thriller „Ein einfacher Unfall“ läuft jetzt im Kino. Der Film des iranischen Regisseurs Jafar Panahi wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
Der Thriller „Ein einfacher Unfall“ läuft jetzt im Kino. Der Film des iranischen Regisseurs Jafar Panahi wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. (Foto: © Les Films Pelleas)

Der Spielfilm „Ein einfacher Unfall“ des iranischen Regisseurs Jafar Panahi ist mal Drama, mal Thriller: Ein ehemaliger Häftling erkennt seinen damaligen Folterer und informiert seine Leidensgenossen. Doch was jetzt?

Berufsverbot, Hungerstreik, mehrere Haftstrafen. Was dem iranischen Regisseur und Drehbuchautor Jafar Panahi seit Jahren in seiner Heimat widerfährt, ist beispiellos. Doch je härter der Gottesstaat gegen Panahi durchgreift, desto entschlossener werden seine Filme. Das gilt auch für Panahis neuen Film „Ein einfacher Unfall“, der jetzt in den Kinos startet.

Auch Panahis aktueller und völlig zu Recht mit der Goldenen Palme ausgezeichneter Thriller „Ein einfacher Unfall“ wurde wie schon seine jüngsten Filme „Taxi Teheran“, „Drei Gesichter“ oder „Kleine Bären“ im Verborgenen gedreht: ein Mittelfinger an das Mullah-Regime. Wobei der Mittelfinger nicht im Ansatz ausreicht, um Panahis neuen Film gerecht zu werden. Ist er doch gleichwohl eine zum Schlag ausholende Faust und eine zur Versöhnung ausgestreckte Hand. Mit „Ein einfacher Unfall“ verarbeitet der im Iran gefeierte Regisseur seinen letzten Knastaufenthalt und bildet dabei das breite und überaus ambivalente Spektrum der Gefühle ab, die solch ein folterndes Regime bei Ex-Inhaftierten und überhaupt der Bevölkerung weckt: von rasenden Rachegelüsten bis Gleichgültigkeit und Gnade. So installiert er eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe, alle waren sie schon in Haft, und durch einen – titelgebenden – einfachen Unfall gerät diese Gruppe nun an ihren – vermeintlichen? – Peiniger. Gekidnappt und eingesperrt in einen weißen Van, scheiden sich im Folgenden die Geister, wie denn nun mit dem Knastaufseher und Familienvater weiter verfahren werden soll: Foltern? Freilassen? Oder gar töten? Und auch wir müssen uns beim Zusehen selbst befragen, was Gerechtigkeit bedeutet. Panahi nimmt uns das jedenfalls nicht ab. Mal ist das wahnsinnig niederschmetternd dann wieder unheimlich komisch – und mitunter sogar beides gleichzeitig. So wenig Panahis Film bloßer Mittelfinger ist, so wenig lässt er sich sonst festnageln. Rachethriller? Groteske Komödie? Roadmovie? In jedem Fall ein humanistisches Ausrufezeichen.

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