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„Ein Sommer in Italien – WM 90“: Andreas Brehme fehlt allen

Lothar Matthäus im Olympiastadion von Rom. Im Kino läuft jetzt der Film „Ein Sommer in Italien – WM 1990“.
Lothar Matthäus im Olympiastadion von Rom. Im Kino läuft jetzt der Film „Ein Sommer in Italien – WM 1990“. (Foto: © B|14 FILM)

Von Thomas Häßler über Jürgen Klinsmann bis zu Lothar Matthäus kommen alle zu Wort: „Ein Sommer in Italien“ lässt die WM 1990 in Erinnerungen, alten Aufzeichnungen und neuem Filmmaterial wiederaufleben.

Wenn man die einschlägigen Dokus über den FC Bayern gesehen hat mit den abgrundtiefen Streitereien zwischen Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus Ende der 1990er (das ZDF hat einen hervorragenden Fünfteiler dazu in der Mediathek stehen), dann mag man die Grundaussage des Films „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ gar nicht glauben. Aber alle Beteiligten versichern: Der WM-Sieg 1990 basierte auf dem bedingungslosen Zusammenhalt der gesamten deutschen Mannschaft. Die Dokumentation läuft jetzt in den Kinos.

Ob nun das Hotel Castello di Casiglio in Erba am Comer See, wo die deutsche Nationalmannschaft 1990 die meiste Zeit verbrachte, noch einmal von Thomas Häßler und Pierre Litbarski besichtigt wird oder Lothar Mattäus den Rasen des Giuseppe-Meazza-Stadions noch einmal betritt, wo er von 1988 bis 1922 vier Jahre lang für Inter Mailand spielte und vor allem auch fünf der sieben WM-Spiele 1990 bestritt: Die Weltmeister lassen ihre Leistung, die zum damals insgesamt dritten WM-Titel führten, in „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ noch einmal sinnlich erfahrbar machen. Dabei wechseln sich Anekdotisches aus dem Trainingslager und Zusammenfassungen der insgesamt sieben Spiele bis zum Titelgewinn ab. Das Ergebnis ist eindeutig: Im Gegensatz etwas zu 1974, wo es Machtkämpfe in der Mannschaft gab und vorneweg einen Kampf um die Höhe der Prämie ausgetragen wurde, wo eine letztlich für den Titelgewinn maßgeblich entscheidende Niederlage gegen die DDR zunächst für viel Missstimmung und hinterher für Umstellungen in der Mannschaft sorgte, war 1990 alles anders. Jetzt muss es eine sonst im Fußball ganz seltene Einigkeit, eine fast schon bis zur Freundschaft reichende Kameradschaft gegeben haben.

Pierre Littbarski und Thomas Häßler brettern über den Comer See und erinnern sich an die WM 1990.
Pierre Littbarski und Thomas Häßler brettern über den Comer See und erinnern sich an die WM 1990. Foto: Foto: © B|14 FILM

„Ein Sommer in Italien – WM 1990“: Tränen über den Tod von Andreas Brehme

Alle kommen sie in dem Film mit klassischer Laufzeit von knapp über 90 Minuten zu Wort: Neben Matthäus, Häßler und Littbarski erzählt Jürgen Klinsmann seine Sicht der Dinge, Klaus Augenthaler, Karl-Heinz Riedle und Guido Buchwald kommen zu Wort, Andreas Möller, Raimund Aumann und Rudi Völler kramen in ihren Erinnerungen, sie müssen hier stehen für alle noch lebenden Spieler und Teammitglieder, die insgesamt im Film vor Kamera und Mikrofon treten – Ausnahmen sind natürlich Teamchef Franz Beckenbauer und Endspieltorschütze Andreas Brehme, die beide vor zwei Jahren verstarben. Letztes Jahr starb auch noch Frank Mill, der im Kader der WM-Mannschaft stand. Mag man den Äußerungen aller Spieler über die Freundschaft im Team bis dahin für eine ständig bemühte Legendenbildung gehalten haben, so kommt das Authentische mit den Tränen, wenn das Gespräch sich Andreas Brehme zuwendet. Der Außenverteidiger spielte damals wie Matthäus und Klinsmann bei Inter Mailand, weshalb die deutsche Nationalmannschaft in allen Spielen auch von italiensischen Fans angefeuert wurde. Brehme war mit seinen drei Treffern gleich nach Matthäus bester deutscher Torschütze und noch dazu ein entscheidender: Im Achtelfinale machte er das entscheidende 2:0 mit einem Schlenzer von halbrechts, im Halbfinale gegen England schoss er das einzige deutsche Tor aus dem Spiel heraus, die Partie wurde schließlich per Elfmeterschießen entschieden, bei dem Brehme seinen Elfer genauso sicher verwandelte wie den Elfmeter im Endspiel gegen Argentinien, das die deutsche Mannschaft durch diesen einzigen Treffer für sich entschied. Diese Dokumentation  der Regisseurinnen Vanessa Goll und Nadja Kölling ist also sicher berechtigt in ihrer Aussage, andererseits fand auch dieser Erfolg von Freunden bei der WM 1990 im Kontext von Korruption und Vorteilnahme statt, ein Kontext, der – um nur ein Beispiel zu nennen – mit der Dokumentation „Fifa uncovered“ bei Netflix im Detail aufgedeckt wurde.

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