„Eine stürmische Affäre“: Liebe, Lust und Leiden
In ihrem Regiedebüt geht Ludovica Rampoldi erstaunlich reif mit dem Thema Affäre um – so reif, dass man sich fast ein bisschen mehr Drama wünscht.
Wenn man mit einer Gelegenheitsaffäre zum dritten Mal im Bett landet, wird’s kritisch. Das zumindest ist eine der Lebensweisheiten, die der Mittfünfziger Rocco (Adriano Giannini) zu teilen weiß – während er mit der um einiges jüngeren Journalistin Lea (Pilar Fogliati) im Bett eines eher drittklassigen Hotels liegt. Und Rocco soll recht behalten. Aus der nächtlichen Zufallsbekanntschaft in einer Bar entwickelt sich eine Anziehung, die mehr ist als nur erotischer Natur. Sollten sie die Sache deshalb besser beenden? Denn schließlich sind doch beide verheiratet: Rocco mit der Psychotherapeutin Cecilia (Valeria Golino), Lea mit einem erfolgreichen Jungschaupieler Andrea (Andrea Carpenzano). Der, wie seine Frau vermutet, heimlich fremd geht.
Was zeichnet eine gute Beziehung eigentlich aus? Wieviel Eifersucht ist gesund? Welche Bedeutung hat Monogamie? Ludovica Rampoldi, die sich bislang als Drehbuchautorin einen Namen gemacht hat (u.a. für die Netflix-Serie „Gomorrha“), geht in ihrem Regiedebüt all diesen tiefgründigen Fragen auf erstaunlich reife Art und Weise nach. Wie sich die Wege dieser zwei Paare mal zufällig, mal mit Vorsatz und stalkerhafter Heimtücke kreuzen, nimmt zwar durchaus dramatische Züge an. Im Kern aber erzählt Rampoldi ihr Planspiel zurückhaltend und ihre Protagonist:innen verhalten sich erwachsen, selbst in den äußerst angespannten Extremsituationen. Da hätte man sich etwas mehr Leidenschaft in jeglicher Form gewünscht. So ist „Eine stürmische Affäre“ ein galant fotografiertes Beziehungsdrama, in dem die Verletzlichkeit und die emotionale Zerrissenheit der Paare authentisch und facettenreich dargestellt wird.