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„We may grow old but we never grow up“ von Example: Peter Pan mit Goldkette

Portraitfoto Example sitzend pretty in Pink
Foto: Giulia Giannini McGauran

Auf Partys mit Finanzbeamten hinterfragt der britische Rapper Elliott Gleave alias Example schon mal seinen Lifestyle.

Elliot, der Titel deines neuen Albums als Example „We may grow old but we never grow up“ ist ein Plädoyer dafür, sich das innere Kind zu bewahren.

Elliot Gleave: Ja, es ist dieses Peter-Pan-Thema: Wenn ich meine Kinder von der Schule abhole, bin ich der einzige Papa mit blondierten Haaren, Basketball-Schuhen und einer Kette um den Hals. Die anderen Papas tragen halt einfach Jeans und braune Stiefel. (lacht) Ab und zu bin ich auf Partys nur mit Eltern, die alle im Marketing und Finanzbereich arbeiten oder Beamte sind. Ich aber stehe immer noch vor tausenden Menschen auf einer Bühne und habe ein relativ wildes Leben. Daher ist der Albumtitel eher eine Selbstbefragung, ob dieser Lifestyle auch noch mit fast 40 Jahren und Kindern im Haus zu vereinbaren ist – und die Antwort lautet: ja!

Helfen dir deine Kinder beim Kind-Bleiben?

Gleave: Definitiv! Wenn ich mit meinen Kindern in den Park gehe, bin ich der Erste, der auf irgendeinem Baum hockt. (lacht) Alle anderen Eltern starren auf ihre Smartphones. Meiner Meinung nach ist es super wichtig, sich seine Spielfreude und die Neugierde zu bewahren.

Birgt solch kindliche Naivität nicht das Risiko, dieselben Fehler wieder und wieder zu machen?

Gleave: Mit Sicherheit, aber so ist das Leben. Wir sind nicht perfekt, wir sind zum Fehler machen da.

In Würde zu altern scheint mir speziell im Musikgeschäft nicht so einfach zu sein: Oft provoziert das innere Kind peinliche Posen und einen seltsamen ewig jungen Rockstar-Gestus.

Gleave: Du brauchst einfach die Kontrolle. Heißt auch, sich ab und zu Auszeiten zu gönnen. Zwischen 2015 und 2018 habe ich mich ausgelaugt und uninspiriert gefühlt. Dann habe ich einen radikalen Cut gemacht, und seitdem mache ich nur noch das, worauf ich Lust habe. Ich habe diese Konkurrenzgedanken verdrängt: Ich messe mich nicht mehr mit anderen Rappern, den Charts oder Airplays. Ich messe mich nur noch an mir selbst. Wenn du es schaffst, diesen Druck loszuwerden, kannst du auf ewig gute Musik machen, ohne dass es peinlich wird.

Du bist also frei von Erfolgsdruck?

Gleave: Ich hab’s geschafft, den kleinen Dingen im Leben wieder mehr Bedeutung zu schenken. Wenn du deine Gesundheit, gutes Wetter, gutes Essen und deine Familie mehr wertschätzt, entsteht gute Kunst von ganz alleine – egal, wie alt du bist.

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