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Die Leiden der mittelalten Banker

Koks, Huren, harte Getränke und im falschen Moment ein scharfes Messer in den falschen Händen: Was bei den Investmentbankern Adam, Jeppe, William und Henrik privat in der eigens dafür gekauften Eigentumswohnung so abläuft, ist im Grunde belanglos – was sind schon Untreue, Drogenabhängigkeit oder kurz gesagt: die gesamte Palette toxischer Männlichkeit im privaten Kontext? Nicht bedeutender als bei allen A-, B- oder C-Promis in der Yellow Press. Was das Toxische bei Investmentbankern interessant machen würde, wären seine Auswirkungen auf die Systemrelevanz der Branche. In der ersten Folge der norwegische Serie „Exit“ sieht man davon allerdings nichts. „Exit“ läuft auf ZDFneo und steht in der ZDF-Mediathek zum Streamen bereit.

Warum ist die Serie dann trotzdem so interessant? Zunächst: Die Direktheit, mit der die Szenen von „normal“ auf „durchgedreht“ switchen, überrumpelt gekonnt. Außerdem: Warum nicht mal ein wieder ein Story aus dem Bankensektor? Man sollte sich beim Schauen der Serie nur nicht einbilden, etwas dazuzulernen. Dass die Macher der Serie vor dem Schreiben des Drehbuchs mit echten Investmentbankern gesprochen haben, soll für Authentizität sorgen. Warum dann aber Plattitüden wie: „Es wird später heute Abend, es haben sich noch einige Investoren angekündigt“?

Bei Adam, Jeppe, William und Henrik wird es schon bald eng. Der eine geht pleite und hat Gangster am Hals, die ihr Geld wiedersehen wollen. Selbstmord ist durchaus eine Option. Nur Adam ist ein ganz taffer: Er hangelt sich gegenüber siner Frau von Lüge zu Lüge bis hin zum gefälschen Zeugungsfähigkeitstest. Gleichzeitig kann er das auch nur deshalb machen, weil seine Frau die Rolle es Opfers viel zu bereitwillig einnimmt. Gelernt hat sie das seit Jahrzehnten von ihrer dominanten Mutter, die ihr herrisches Gebahren auch jetzt noch nicht abgelegt hat.

Rational kann man nicht zum Schauen der Serie raten. Dummerweise zieht sie rein wie eine Nachmittagssoap auf Koks, mit Huren und Männern, die mit ihrem Schwanz in der einen und einem viel zu langen Messer in der anderen Hand durch die Wohnung rennen und hysterisch rumbrüllen. jw

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