FILM

Fleabag: Im Bett mit Barack Obama

Die Serie kam bereits im Pay TV und ist auch schon auf Scheibe veröffentlicht, jetzt aber kommt „Fleabag“ erstmals im Free TV und ist deshalb für jeden Menschen mit Sinn für rabenschwarzen Humor absolutes Pflichtprogramm. Die Serie ist das Meisterstück der Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Phoebe Waller-Bridge, die auch schon die Idee zur Serie „Run“ hatte und aus deren Feder das Drehbuch zur Crimeserie „Killing Eve“ stammt. Fleabag kann man mit „Dreckskerl“ ins Deutsche übersetzen, das kommt auch inhaltlich und charakterlich absolut hin.

Wenn Fleabag einen Kredit will und weiß, dass die Bank in jüngster Zeit wegen sexuellen Missbrauchs in den Schlagzeilen stand, lüftet sie im Gespräch schon mal den Pullover, um den Kredit zu kriegen. Sie steht nachts betrunken beim Ex auf der Schwelle und reaktiviert die Beziehung bis zum nächsten Off. Sie holt sich beim Verfolgen einer Rede von Barack Obama im Bett einen runter, bis der Freund davon aufwacht, und leugnet ihm gegenüber dann alles, bis er empört die Wohnung verlässt. Und das Beste: Fleabag durchbricht regelmäßig die vierte Wand, kommentiert mit Mimik und Worten die peinlichsten Situationen und macht uns damit zu ihren Komplizen.

Und doch müssen jetzt mal ein paar gute Worte über die von Phoebe Waller-Bridge selbst gespielte Hauptfigur verloren werden. Wenn Fleabag von ihrer Geschäftspartnerin spricht, die von ihrem Freund verlassen worden war und sich deshalb bei einem Verkehrsunfall absichtlich verletzen wollte, dann ist das zwar im schwärzesten Sinne des Humors verdammt komisch, aber hinter der Komik der Schilderung steckt nackt die Verzweiflung. Denn dass Boo gar nicht komisch starb, sondern auf eine tragische Art ums Leben kam: genau das sowie ihren unendlichen Schmerz darüber versteckt Fleabag hinter ihren zynischen Bemerkungen dem Leben gegenüber. Und bei weitem nicht alle Blicke Fleabags in die Augen der vor der Glotze voyeuristisch Zuschauenden dienen einer Pointe, manchmal kommt da ein trockener Punch der Trauer, der mitten ins Herz trifft. jw

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