MUSIK

Foy Vance im Interview: Die Wiedergeburt

Foy Vance Interview
Foto: Babysweet

Foy, dein neues Album „Signs of Life“ entwickelt eine ziemlich existenzielle Wucht.

Foy Vance: Es geht um Wiederkehr, um Evolution, darum, wie alles im Leben zusammenhängt. Etwas stirbt und gebiert dabei das nächste Ding. Es geht um die glorreiche Zwecklosigkeit des Ganzen. (lacht) In dem Song „Time stand still“ wünsche ich mir, dass die Zeit einfach für eine verfickte Sekunde anhalten soll, damit ich den Kopf freibekommen und ein paar Dinge loswerden kann. Aber die Welt steht nun mal nie still.

Zu den Sachen, die du loswerden wolltest, gehörten auch Alkohol und Drogen, richtig?

Vance: Die Strophen des Songs sind quasi die Stimme meines Managers. Im Song zähle ich die Sachen auf, von denen ich abhängig war: Codein, Nikotin, Gras und Alkohol. Das war mein Geheimrezept. Als mein Manager gesehen hat, was ich damit meinem Verstand antue, hat er mir einen sehr strengen Vortrag gehalten. Auch meiner Familie ist es aufgefallen. Das Perfide ist: Solange man auf Tournee ist, merkt es keiner. Erst, wenn man innehält und mit Leuten spricht, die einen lieben, kann man es nicht mehr verstecken.

Das Leben auf Tour hat die Sucht befeuert?

Vance: Auf jeden Fall. Am schlimmsten ist Codein. Das nimmst du, um morgens den Kopf freizukriegen, weil du am Vorabend getrunken hast. Und ehe du dich versiehst, nimmst du mittags auch ein paar. Und dann abends, bevor du auf die Bühne gehst. Es schleicht sich über Jahre hinweg an – und ich war jahrelang auf Tour. Deshalb ist es auch niemandem aufgefallen – sogar mir selbst nicht. Ich habe immer noch funktioniert, jede Show gespielt, jedes Interview gemacht. Auf Tournee ist es einfacher, diese Abhängigkeiten zu entwickeln. Und es ist einfacher, sie zu verstecken.

Was hat dir schließlich geholfen?

Vance: Ich habe mit einer Therapeutin gesprochen. Sie hat gesagt: Wir können vergessen, uns mit deinen Traumata auseinanderzusetzen, solange du nicht clean bist. Ich rate dir allerdings, es langsam anzugehen. Aber ich bin niemand, der halbe Sachen macht. Ich bin heimgegangen und habe drei Tage lang im Bett gelegen. Meine Frau und meine Tochter haben mir Wasser gebracht und dreimal täglich die Laken gewechselt. Am Ende habe ich mich wie neu geboren gefühlt, bin ins Studio gegangen und habe am Klavier „Sapling“ geschrieben. Das hat das Konzept des ganzen Albums umgeworfen, denn eigentlich sollte es „Republic of Eden“ heißen. Der Track ist weiterhin drauf, aber alle anderen Songs sind einfach irgendwie verblasst. Sie hatten nichts mit meinem nüchternen Ich zu tun. „Sapling“ wurde zum neuen Opener, und das Album zu einer Auseinandersetzung mit meiner Gegenwart.

Signs of Life erscheint am 10. September.

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