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Frank Goosen geht mit „Spiel ab!“ auf große Lesereise

Portraitfoto Frank Goosen, der mit seinem neuen Roman „Spiel ab!“ auf große Lesereise geht
(Foto: Martin Steffen)

„Disziplinlosigkeit schädigt vor allem die Sensibleren“: Frank Goosen im Interview zu seinen neuen Roman „Spiel ab!“

In seinem neuen Roman „Spiel ab!“ schickt Frank Goosen das Trio um seinen Helden Förster in den Jugendfußball. Klar, Goosen war selber mal Jugendtrainer und kennt sich im Fußball bestens aus. Aber was macht einer wie Förster, der keine Ahnung von Fußball hat, an der Seitenlinie? Frank Goosen im Interview zu „Spiel ab!“, mit dem er jetzt auf große Lesereise geht.

Herr Goosen, Glückwunsch zum 5:2-Sieg des VfL am Wochenende gegen Hoffenheim und zum Verlassen des Relegationsplatzes! Sind Sie noch so richtig mit dem Herzen dabei?

Frank Goosen: Ja sicher! Ich habe drei Dauerkarten für mich und meine Söhne. Wir sind voll dabei, und das am Samstag war emotional ein Schluck aus der Pulle. Die Stimmung war der Wahnsinn. Es ist immer noch so, dass mich das fürs ganze Wochenende nach vorne bringt und mir die Laune rettet.

Dann sind sie bestens vorbereitet fürs Revierderby am Mittwoch?

Goosen: Ja! Zumal es ein Heimspiel ist. Flutlicht, eine alte Rivalität und ein Pokalspiel: Da kann man sich schon was ausrechnen, zumal Borussia Dortmund schon gegen schwächere Mannschaften ausgeschieden ist. Keine große, aber die Chance ist da.

Kommen wir von Fußball zu Ihrem Romanhelden Förster, der einerseits ein Alter Ego von Frank Goosen ist, andererseits aber alles andere als ein großer Fußballexperte. Was an Ihrem Helden ist denn nun von Ihnen, wie haben Sie den Charakter gestrickt?

Goosen: Das hat mich bisher noch keiner gefragt. Es verschwimmt in der Tat alles miteinander, denn ich will nicht rein autobiografisch schreiben. Auch seine Herkunft ist eine andere, sein Vater ist Privatdozent an der Uni gewesen. Mein Vater war Elektriker, und meine Mutter hat die Buchhaltung gemacht. Was ich trotz dieser Perspektivverschiebung mit Förster gemeinsam habe, ist dieses Gefühl, immer so ein bisschen außen vor zu stehen, auch gegenüber Fränge und Brocki, weil die beiden sich noch länger kennen. Das ist im neuen Roman nicht ganz so stark, weil die Drei über den Fußball etwas zusammenwachsen. Die Melancholie, die Förster manchmal hat, habe ich auch, trage die aber nicht immer nach außen. Es ist spannend, solche Dinge einer Figur mitzugeben, die von den äußeren Merkmalen in vielem anders ist.

Lassen Sie uns über den Plot des Romans sprechen. Fränge will wieder mehr Kontakt zu seinem Sohn Alex, den er sehr lange sehr stark vernachlässigt hat, und wird deshalb der neue Trainer der C-Jugend, in der Alex spielt. Förster wird Fränges Assistent, und so kommt das Trio wieder zusammen, denn auch der Lehrer Brocki steht bald schon an der Seitenlinie. Was passt so gut an den drei alternden Freunden?

Goosen: Zunächst dieser noch sehr jungenhafte Fränge, der viel Mist angestellt hat und das jetzt ungeschehen machen möchte. Dann sein Antagonist Brocki, der ein bisschen konservativer ist, was zu intensiven Diskussionen zwischen den beiden führt, die dann spannende Informationen liefern. Dazwischen aber steht Förster, der eine völlig neue Erfahrung macht mit den jungen Leuten und dem ganzen Fußball.

Die Drei bemühen sich aber auch, Werte zu vermitteln. Sie wollen Glaubwürdigkeit und Durchsetzungsfähigkeit an den Tag legen und Respekt und Fairness vermitteln. War das Ihr Ziel?

Goosen: Es ging mir darum, die Atmosphäre zu beschreiben, auch die Konflikte und die Hilflosigkeit des Jugendtrainers beim Versuch, gerecht zu sein in einer multikulturellen Truppe. Fränge ist – ähnlich wie ich – nicht so sehr ein Disziplinfanatiker. Aber anders kriegt man eine Gruppe von pubertierenden Jungs überhaupt nicht auf Linie. Da ist es auch völlig egal, wo die ihre Wurzeln haben, ihre Gemeinsamkeit ist die Pubertät, weshalb sie schwer zu handhaben sind. Diese Herausforderung, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen und das zu beschreiben, hat mich interessiert.

Fränge ist zudem selbst noch nicht richtig erwachsen und muss eine Entwicklung durchmachen. Auch Brocki und Förster sind da nicht immer die beste Hilfe.

Goosen: Sie haben eine Sache gemeinsam. Sie haben die Aufgabe unterschätzt. Es ist nicht mit ein paar Flotten Sprüchen getan und damit, einfach den Ball in die Mitte zu werfen. Das geht vielleicht bei Minikickern noch, in der C-Jugend geht das definitiv nicht mehr. Disziplinlosigkeit schädigt die Gruppe und innerhalb dieser vor allem die Sensibleren. Dass die Drei da auch eine Schere im Kopf haben, wird klar, als Eren auftaucht. Wenn Eren als türkischstämmiger Trainer sagt: ,Wir haben aber Kabinensprache Deutsch‘ – das habe ich selber so erlebt! –, dann will er, dass alle alles verstehen, was gesagt wird.

„Ein Thema ist außerdem dieser Alltagsrassismus, der überall stattfindet und damit auch im Fußball.“ Frank Goosen über seinen neuen Roman „Spiel ab!“, mit dem er jetzt auf große Lesereise geht.

Eren ist der Disziplinierteste unter allen Vereinsverantwortlichen, das fällt auf.

Goosen: Ein Thema ist außerdem dieser Alltagsrassismus, der überall stattfindet und damit auch im Fußball. Diese Kommentare wie „Du hast ja auch ne Menge Ölaugen in der Mannschaft“, habe ich selbst immer wieder erlebt. Ich bin gespannt, wie in diesem Punkt die Reaktionen aus den kleinen Vereinen ausfallen, ich denke aber nicht, dass ich hier übertrieben habe.

Sie sind mit Ihren drei Förster-Romanen und den Kurzgeschichten auch bis weit in die Vergangenheit gegangen. Was haben Sie mit dem Trio in Zukunft noch vor?

Goosen: Noch ne ganze Menge! Vor dem Lockdown saß ich an einem Roman über die 90er-Jahre, wo Förster Theater gemacht und seine große Liebe Martina kennengelernt hat. Die Beziehung mit ihr ist ja schon bei „Förster, mein Förster“ zu Ende gewesen. Ich habe damals selber in Bochum freies Theater gemacht, eine sehr intensive Zeit, die ich unbedingt verarbeiten möchte. Obwohl ich noch weitere Ideen für andere Figuren habe, kann ich sagen, dass ich durchaus mit Förster alt werden möchte, und dann will ich irgendwann schon ein ganzes Leben da stehen haben.

Eine letzte Frage zu Fränge: Ist er jetzt endlich richtig erwachsen geworden mit den Lernprozessen in „Spiel ab!“?

Goosen: Also dat will ich nicht hoffen! Er hat schon den Ernst der Lage erkannt, was seinen Sohn angeht. Und ich finde, das ist ne ganz wichtige Geschichte. Man kann sich ja bis ins hohe Alter eine gewisse Beklopptheit bewahren und das Kind im Manne immer ein bisschen pflegen. Aber man hat eine ganz andere Verantwortung, wenn man Kinder in die Welt gesetzt hat.

Mit „Spiel ab!“ geht Frank Goosen auf große Lesereise

2. 3. Dortmund

6. 3. Köln

9. 3. Gladbeck

10. 3. Wetter (Ruhr)

11. 3. Mülheim

15. 3. Essen

17. 3. Neukirchen-Vlyun

22. 3. Oberhausen

23. 3. Datteln

30. 3. Lippstadt

31. 3. Haltern am See

2. 4. Singen

19. 4. Leverkusen

21. 4. Geldern

25. 4. Hagen

26. 4. Bielefeld

28. + 29. 4. Leipzig

3. 5. Nürnberg

4. 5. Stuttgart

8. + 9. 5. Hamburg

10. 5. Berlin

16. 5. Paderborn

24. 5. München

25. 5. Frankfurt

2. 6. Köln

6. 6. Hamburg

7. 6. Hannover

22. + 23. 7. Dortmund

27. 7. Gelsenkirchen

23. 8. Essen

31. 8. Mülheim

3. 9. Bochum

6. 9. Bonn

10. 10. Bonn

5. 11. Kiel

23. 11. Baienfurt

 

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