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Frankfurter Buchmesse: Boykott breitet sich aus

Frankfurter Buchmesse Boykott
Juergen Boos, Direktor der Buchmesse, bei der Eröffnungsfeier.Bild: Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin
  • Auch in diesem Jahr sieht sich die Frankfurter Buchmesse einem Boykott ausgesetzt
  • Die Schriftstellerin Jasmina Kuhnke, die eigentlich ihr neues Buch „Schwarzes Herz“ vorstellen sollte, hat abgesagt, weil bei der Messe auch ein rechtsextremer Verlag ausstellen darf
  • Buchmesse-Chef Juergen Boos beruft sich auf die Meinungsfreiheit
  • Nun haben weitere Gäste ihr Fernbleiben verkündet, darunter der Influencer Riccardo Simonetti

Ursprünglich sollte die Aktivistin und Schriftstellerin Jasmina Kuhnke, die online als Quattromilf bekannt ist, am 22. 10. ihr Buch „Schwarzes Herz“ im Ramen der Buchmesse präsentieren. Doch Kuhnke hat die Lesung öffentlich abgesagt.

Grund: Auch der Verlag Jungeuropa ist in diesem Jahr Gast auf der Messe. Dieser 2016 von dem Rechtsextremisten Philip Stein gegründete Verlag bietet auf seiner Webseite Bücher wie „Natiokratie“ oder „Kulturrevolution von rechts“ an und wird auch von dem von Götz Kubitschek geführten Antaios Verlag unterstützt.

Kuhnke hat in einem Statement geschrieben, dass ihre Lesung im Vorfeld geheim gehalten worden sei, um sie vor Anfeindungen zu schützen. Ihr Buch behandelt den Rassismus, der einer Schwarzen Frau entgegenschlägt. Die Teilnahme von Jungeuropa deute darauf hin, dass noch mehr Rechtsextreme die Messe besuchen würden, was sie in Gefahr bringen würde. Daher könne sie selbst nicht an der Messe teilnehmen. Das ganze Statement gibt es hier zu lesen:

Nun haben weitere Persönlichkeiten angekündigt, die Buchmesse boykottieren zu wollen, solange die Rechten eine Bühne gibt. Darunter ist der Influencer Riccardo Simonetti, der seinen Boykott auf Instagram bekannt gegeben hat.

 

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Dabei kritisierte er den Direktor der Buchmesse Juergen Boos direkt. Dieser hat die Teilnahme von Jungeuropa mit Blick auf die Meinungsfreiheit verteidigt. „Wir können niemanden ausschließen, können hier keine Zensur ausüben, egal, ob mir diese Leute passen, ob ich sie unerträglich finde.“, so Boos.

Auch die Schauspielerinnen Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson haben ihren Besuch bei der Buchmesse abgesagt. Sie haben beide afrikanische Wurzeln und haben, ähnlich wie Kuhnke, unlängst Bücher zum Thema Rassismus verfasst.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Frankfurter Buchmesse in der Kritik steht, weil sie Rechtsextremismus eine Plattform bietet. Schon 2017 gab es Proteste, weil AfD-Mitglied Björn Höcke sein im Antaios Verlag erschienenes Buch „Mit Linken leben“ vorstellen durfte. Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen Gegendemonstranten und Angehörigen der rechtsradikalen Identitären Bewegung. Auch hier stellte sich die Leitung der Messe auf die Seite der Rechtsextremisten.

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