MUSIK

Fremd, aber vertraut

Antonio Lizana
Noah Shaye

Antonio, danke für den Ohrwurm: Dein Song „Carry you“ ist verdammt catchy. Wie kam es denn zur Kollaboration mit Becca Stevens?

Ich war schon ziemlich lange Fan von Beccas Musik, und unser gemeinsamer Freund Michael League, der Produzent von Snarky Puppy, hat uns einander vorgestellt.

Als Saxofonist ist man meist nur fürs musikalische Beiwerk zuständig – du wurdest mit dem Instrument aber sehr schnell sehr bekannt. Wie erklärst du dir das?

Ich schätze mal, das liegt daran, dass ich versuche, die Möglichkeiten des Saxofons in einem anderen Kontext zu nutzen, und einen Musikstil schaffe, der die Leute bei etwas Vertrautem abholt.

Was gibt dir Jazz, was andere Musik nicht kann?

Jazz hat mir die Möglichkeit eröffnet, ohne Beschränkungen zu improvisieren. So kann ich beispielsweise denselben Song an zwei aufeinanderfolgen Abenden auf komplett andere Weise interpretieren.

Was bedeutet dir Flamenco – musikalisch, gesellschaftlich, persönlich?

Flamenco ist meine Heimatstadt, und alle Melodien und Rhythmen, die ich entwickle, gründen darauf. Flamenco hat mir beigebracht, was mir Musik bedeutet: Tiefe, Freundschaft, die Verbindung mit einem größeren Ganzen …

Wird der Flamencotänzer José Maria Castano wieder mit auf Tour sein?

Natürlich! Er ist ein essenzieller Teil unserer Band und fügt der Musik eine optische Dimension hinzu. Das macht unsere Performance noch gehaltvoller für das Publikum.

Musikalisch bist du Experte im Durchbrechen von Grenzen. Welche würdest du im echten Leben am liebsten niederreißen?

Ich versuche, die Menschen zu ermutigen, sich nicht zu irgendwelchen Gruppen zugehörig zu fühlen – ob zu einem Land, einer Religion, einer Rasse, einem Wirtschaftsgefüge oder sonst irgendwas. Wenn wir einfach alle Menschen als eine Familie sehen könnten, würden die meisten Probleme, mit denen sich die Menschheit gerade rumschlagen muss, schneller verschwinden, als man sich vorstellen kann.

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