„Gavagai“: Vielschichtiges Vexierbild von Identität und Rassismus
Regisseur Ulrich Köhler bringt mit „Gavagai“ einen Film im Film in die Kinos, der hoch explosive Themen zu verhandeln weiß, die auf der (fiktiven) Berlinale zünden.
An der Küste Senegals dreht die französische Regisseurin Caroline Lescaut mit überwiegend afrikanischem Cast eine „Medea“-Adaption, in der der Mythos der verhassten „Barbarin“ von der griechischen Antike nach Westafrika verlegt wird – und ausgerechnet eine Weiße, Maja, die aus der Gemeinschaft verstoßene Fremde spielt. Das Drama „Gavagai“ läuft im Kino
Später, anlässlich der Filmpremiere auf der Berlinale, lässt die Hauptdarstellerin Maja (Maren Eggert, „Ich bin dein Mensch“) eine am Set begonnene Affäre mit ihrem senegalesischen Co-Star Nourou (Jean-Christophe Folly, „Schlafkrankheit“) wieder aufleben. Doch ein rassistischer Übergriff durch einen Security-Mann überschattet das Wiedersehen. Regisseur Ulrich Köhler spiegelt dabei Nourous Diskriminierungserfahrungen in Berlin mit seinem selbstbewussten, teils arroganten Auftreten in Dakar. Zudem droht die Pressekonferenz aus dem Ruder zu laufen, da sich die Regisseurin Caroline Lescaut (Nathalie Richard) und ihr Team doch kritischen Fragen zu kultureller Aneignung und identitätspolitischen Perspektiven stellen müssen. So entsteht –nicht nur durch die Diskussion des Films im Film – ein vielschichtiges Vexierbild von Macht und Moral, Privilegen, Rassismus und Identität. Wie schon in früheren Arbeiten widmet sich Regisseur Köhler mit klugen und feinen Beobachtungen relevanten Themen, doch wünschte man sich weniger akademische Kühle und stattdessen eine pointiertere Zuspitzung der Handlung.