KULTUR

Der Kabarettist wird 80: Gerhard Polt feiert am Samstag mit den Well-Brüdern in den Münchner Kammerspielen

Gerhard Polt
Gerhard PoltFoto: Herlinde Koelbl

Am 7. Mai wird Gerhard Polt wird 80 Jahre alt! Man möchte es nicht glauben, wenn man es nicht sicher wüsste. Der Bayer vom Schliersee, der im soeben erschienenen Interviewband „Ich muss nicht wohin, ich bin schon da“ immer wieder seine wilde Kindheit ohne Kindergarten in den späten 1940er-Jahren anspricht, wenn es darum geht, woher er seine anarchischen Impulse denn habe. Polt ist, wie Heino Jaeger es war, ein Sprachkünstler, er kann auf der Bühne Charaktere zum Leben erwecken, die fies zwischen liebenswürdig und extrem böse changieren, ohne dass die Figuren ihre charkterlichen Defizite selbst überhaupt bemerken würden.

Gerhard Polt: Die Philosophie des Schweinsbratens

Ist Polt ein Philosoph? Sicher nicht, aber wenn er wie im Interviewband in einem 14-seitigen Gespräch ausschließlich über den Schweinsbraten spricht, dann schwingt er sich durchaus in philosophische Höhen auf. Und in seinem neuen Band „Dr. Arnulf Schmitz-Czeisczyk“ zeigt der Bayer, dass er die charakterliche Tiefenzeichnung noch immer perfekt beherrscht. Auf gut 140 Seiten stellt Polt uns nicht nur einen angehenden Milliardär am Tegernsee vor, sondern erzählt mit viel schwarzem Humor auch, wie die Gentrifizierung im ländlichen Bayern immer weiter voranschreitet. Auf der Bühne aber tun sich moralische Abgründe auf, wenn der Schriftsteller und Kabarettist sein Personal mit unverwechselbarer Stimme und manchmal viel Radau zum Leben erweckt. Woher er das nimmt? Sicher nicht aus sich selbst. Denn Gerhard Polt zeigt sich immer wieder – auch in allen Interviews – als komplett entschleunigter Mensch, der gerne einfach nur vor sich hin „sinnlost“ (Wortschöpfung Polt), eine Halbe trinkt und vielleicht noch einen Schweinsbraten isst. Herzlichen Glückwunsch, viel Gesundheit und noch sehr viele Auftritte! Den nächsten gibt es am Samstag, da wird Gerhard Polt 80 und feiert das mit den Well-Brüdern in den Münchner Kammerspielen.  jw

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