MUSIK

„Amen“ von Get Well Soon: Die Tricks des Glücks

Portraitfoto Konstantin Gropper alias Get Well Soon in einem pinken Anzug am Ufer eines Sees in der Natur
Foto: Clemens Fantur

Konstantin, du eröffnest dein neues Album mit „A Song for myself“ und der Textzeile: „I think I read the wrong books all my life/The ones that make you reach for the knife“. Welche Bücher haben denn in den letzten Monaten auf deinem Nachttisch gelegen?

Konstantin Gropper: Das waren vor allem Bücher, die sich mit Hoffnung und Optimismus beschäftigt haben. Ernst Bloch etwa, aber auch „Sorge dich nicht, lebe“ von Dale Carnegie und „Die Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick. Der Song bezieht sich aber nicht nur auf Bücher, sondern ganz grundsätzlich auf meine Haltung. Mein ganzes Leben habe ich gedacht, die Coolen wären diejenigen, die alles immer düster malen.

Dann ging es dem grumpy Konstantin der Vergangenheit vor allem um eine Coolnessattitüde?

Gropper: Na ja, schau doch mal in der Popgeschichte: Wer waren denn da die großen Optimisten? Die Liste meine Idole ist auf jeden Fall nicht dabei. Thomas Bernhard ist cooler als Paolo Coelho, und Kurt Cobain ist cooler als Helene Fischer. Mir hat dieses Pessimistische immer sehr zugesagt – und jetzt habe ich irgendwie gemerkt, dass ich das eigentlich gar nicht bin. Vielleicht bin ich viel einfacher gestrickt, als ich immer gedacht habe. Durch die Pandemie habe ich mich plötzlich in eine Lage versetzt gefühlt, in der ich gar nicht anders konnte, als daran zu glauben, dass das irgendwann vorbeigeht. Sonst wäre mein ganzer Lebensentwurf in sich zusammengebrochen.

Ab der dritten Platte war Humor ja immer auch ein wichtiges Element bei Get Well Soon. Wenn bei „Amen“ aber etwa die Stimme einer KI durch die Platte führt und dich maßregelt, wenn du wieder mit dem Jammern anfängst, dann ist das doch auch eine Rückversicherung, dass du das mit dem Optimismus gar nicht sooo ernst meinst, oder?

Gropper: Als Absicherung verstehe ich den Humor nicht. Wenn es dumm läuft, kann ich mich immer noch mit Ironie rausreden: Das ist eine Strategie, die ich ganz und gar nicht mag. Für mich ist es ein wesentlicher Teil des Rettungsplans, mit einer solchen Situation nicht allzu ernst umzugehen. Und Humor funktioniert meiner Meinung nach auch als Gleitmittel für politische Botschaften.

Dann forschst du in „Golden Days“ auch nach dem Boomer in dir selbst?

Gropper: Total. Ich muss meiner Generation schon den Vorwurf machen, dass sie stets „no future“ proklamiert hat. Auf eine gewisse Art ist das einfach nur faul. Mittlerweile kämpft die Jugend „for future“, und es ist das erste Mal in meiner Lebenszeit, dass ich politischen Aktivismus wirklich miterlebe.

In „Golden Days“ singst du auch: „What used to be better? The music, that’s all“. Wirklich wahr?

Gropper: Ich habe es früher immer total gehasst, wenn Leute das gesagt haben. Aber wenn ich jetzt Playlists zusammenstelle, dann fällt mir schon auf, dass meine Sachen echt alt sind. In dem Song folgt die Frage ja aber auf ein Bowie-Zitat: „All these children you spit on/As hey try to change their worlds“. Diese Zeile aus „Changes“ bringt für mich den Generationenkonflikt auf den Punkt.

Wenn ich mir anhöre, wie pathosfreudig du etwa bei „My Home is my Heart“ in die Vollen gehst, dann sind bestimmt auch die Pet Shop Boys in deiner Happy-Playlist, oder?

Gropper: Happy-Playlists gibt es bei mir wirklich. Wenn ich in den Sommerurlaub fahre, höre ich ja nicht Sun Kil Moon. Natürlich kann man fragen: Hält das der Get-Well-Soon-Kosmos noch aus, wenn man da so einen Hi-NRG-Beat reinmacht? Aber das ist nun mal die Ansage, und die Pet Shop Boys gehören bei mir einfach in eine Happy-Playlist mit rein.

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