Goose im Interview: „Wir sind Kämpfer!“
Der in Hamburg lebende Produzent und DJ Dave DK hat die belgische Band Goose zu ihrem neuen Album „What you need“ interviewt.

Für euer neues Album habt ihr euch vier Jahre Zeit gelassen. Ich bin auch Produzent. Wenn ich an einem Album arbeite, dauert das ziemlich lang und kostet mich viele Gedanken. Ich verfolge aber auch keine Vorgaben der Plattenfirma …
In erster Linie wollten wir etwas für uns machen, nicht für das Label. Wir folgen keinem Trend, sondern versuchen, etwas zu finden, das uns inspiriert. Das erfordert Zeit. Jeder von uns vieren wird von verschiedenen Sachen beeinflusst. Erst wenn wir einen gemeinsamen Nenner gefunden haben, geht die Arbeit am Album voran. Für dieses Album haben wir Belgien verlassen und sind nach LA gezogen. Wir waren komplett frei von allen Einflüssen, es war wie ein field trip, ein Moment für uns selbst als Band. Statt unserer Instrumente haben wir einfach eine Festplatte mit nach LA genommen, um an den Melodien und den Arrangements zu arbeiten. Nachdem wir eine gemeinsame Linie für die Stimmung des Albums gefunden hatten, konnten wir zurück und das Album in Belgien fertigstellen.
Ich mag vor allem die melodischen Songs, etwa den Titeltrack „What you need“, der mich ein bisschen an Daft Punk im Jahre 2001 erinnert. Bei anderen Sounds musste ich an Depeche Mode denken. Werden wir Musiker immer von unseren Idolen beeinflusst?
Diese Einflüsse sind meist subtil, sie passieren einfach. Natürlich wird man von den Sachen beeinflusst, die man selbst gern hört, und nach und nach entsteht quasi ein eigenes Archiv. Man greift dann auf dieses Archiv zurück, weiß hinterher aber gar nicht mehr, woher es kommt. Und es stimmt natürlich: In unserer Jugend haben wir viel Depeche Mode gehört.
Euer Album klingt ziemlich romantisch. Gibt es ein zentrales Thema das euch bei der Produktion beeinflusst hat?
Manchmal ja, manchmal nein. Unsere Musik ist sehr filmisch, und im besten Fall hat der Hörer Filmszenen vor Augen, wenn er uns Melodien und die Texte hört. Aber es ist nicht zwangsläufig unsere Autobiografie, die wir da verfilmen.
Wie sieht ein Tag im Studio bei euch aus?
Wenn wir bei uns in Belgien im Studio sind, versuchen wir unsere Mobiltelefone auszuschalten, keine Mails zu beantworten oder auch nur miteinander zu reden. Wir müssen uns schützen, um in der Stimmung zu sein für die Musik. Heutzutage wird man einfach zu schnell abgelenkt. Deshalb machen wir auch gerne Reisen, wenn wir kreativ arbeiten wollen. Es braucht Zeit, um etwas Neues zu erschaffen, und manchmal muss man sich die Zeit kaufen. Aber für eine Reise ist das Geld in der Regel gut investiert. Wenn die kreativen Ideen für ein Album stehen, arbeiten wir sehr hart und machen einen genauen Zeitplan. Für „What you need“ haben wir drei sehr anstrengende Wochen gebraucht.
Wie kann ich mir eure Live-Show vorstellen?
Wir sind zu viert und haben auch ein Schlagzeug auf der Bühne. Unser Ziel ist es, die Leute zum tanzen zu bringen. Wenn sie unsere Musik kennen, ist es einfacher; wenn nicht, ist es eine größere Herausforderung für uns. Wir hören nicht auf, bevor jeder das Tanzbein schwingt. Und wir sind Kämpfer, wenn es um Konzerte geht.
Welche Band hat in diesem Jahr bisher eure Lieblingsplatte gemacht?
Das neue Digitalism-Album ist toll, es klingt, als hätten sie zu einem ganz neuen Digitalism-Sound gefunden.
Interview: Dave DK
Musik


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