Guru

Seit über einer Dekade feiert GURU (Gifted Unlimited Rhymes Universal) mit Dj Premier im HipHop-Duo GangStarr Erfolge. Ruhm und Respekt weltweit erntete der New Yorker Rapper durch seine Jazzmatazz-Reihe. Jetzt bringt die „Lucky Strike Phat Vibes” -Tour den Mann auf die Bühne, der die Grenzenlosigkeit von Reim & Rhythm im HipHop verkörpert.

city.mag: Guru, im HipHop-Geschäft bist Du ein alter Hase. Was hat sich in den letzten 15 Jahren verändert ?

Guru: Als ich anfing, war es fast wie Sklaverei: erbärmlich niedrige Prozentsätze hat man als Künstler beim Plattendeal bekommen, und das Label hat dann fett an deiner harten Arbeit verdient. Nee, heute ist es defintiv anders und das ist gut so. Heute ist das Problem die mangelnde Kommunikation zwischen den Rappern, die hat immer gelitten, wenn das große Geld kam. Außerdem ist alles so regional in Amerika, die ganze East coast/West coast-Geschichte: Alle sind so stolz auf den HipHop ihrer Stadt, dass sie nichts anderes mehr hören wollen. DJs und Produzenten sind cool, die reden miteinander, da gibt’s keine Spannungen. Aber die Rapper sitzen im selben Zimmer und begrüssen sich nicht, sie haben Angst.

city.mag: Wieso?

Guru: Das ist ’n Ego-Ding, Rapper sind ja an vorderster Front, stehen unter enormen Druck und es ist gefährlich! Es gibt Rapper, die umgebracht werden, bevor sie überhaupt mit ihrer Musik rauskommen, weil’s in der Stadt eine andere Rap-Crew gibt, die eifersüchtig ist. Es ist fucked up! Trotzdem sage ich nicht, dass die Musik soft sein sollte. HipHop kommt von der Straße und war immer eine Reflektion urbaner Lebenskultur.

city.mag: Letztes Jahr wurde dein Sohn geboren. Wie hat dich das beeinflusst ?

Guru: Ich geh jetzt mit einem ganz anderen Bewusstsein an die Sachen ran. Ich will schon ein gutes Vorbild sein, obwohl ich nicht sagen kann, dass ich perfekt bin …(lacht)

city.mag: Wer ist das schon?

Guru: Mir ist jetzt auch viel bewußter, was ich früher falsch gemacht habe: Ich habe Geld verschwendet, hatte falsche Freunde und so, wie das eben so ist mit Gruppenzwang, du sagst dir: Ok, den Typen mag ich zwar nicht, bin zu dem jetzt aber trotzdem nett. Dafür hab’ ich jetzt einfach keine Zeit mehr.

city.mag: Und was hälst du von dem neuen Präsidenten George W. Bush jr. ?

Guru: Also, ich fand keinen der beiden Kandidaten berauschend, aber Bush mag ich auf gar keinen Fall! Anstatt so wahnsinnig viel Geld ins Militär zu stecken, sollte der Staat mehr Sozialprogramme starten, nicht noch mehr Gefängnisse bauen, nicht noch mehr Polizisten einsetzen. Lehrer sollten besser bezahlt werden, in New York ist es fast unmöglich von einem Lehrer-Gehalt zu leben. Deshalb arbeiten nur die letzten Penner und auf die haben die Kids auch keine Lust! Die Politiker reden andauernd davon, wie aggressiv HipHop ist, aber das ist es nicht, in Wirklichkeit ist die Musik ein Sicherheitsventil.

Interview: Ulrike Krahnert

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