Haley Bennett über „Virginia Woolf’s Night & Day“: Wie ein Komet
In der neuen Komödie spielt Haley Bennett eine junge Frau, die allen gesellschaftlichen Zwängen zum Trotz Astronomin wird. Wir haben sie gesprochen.
Haley, wie war vor dem Film deine Beziehung zu „Night & Day“ und zu Virginia Woolf im Allgemeinen?
Haley Bennett: Ich liebe sie schon ewig! Meine Tochter heißt Virginia – aus verschiedenen Gründen, aber auch wegen Virginia Woolf. Was ich an beiden Virginias bewundere, ist ihre Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Woolf hatte kein Interesse an einfachen Antworten, sie hat so ehrlich über Verlangen, Einsamkeit, Ehrgeiz und Identität geschrieben. Bei „Night & Day“ war ich überrascht, wie zeitgemäß sich das Buch anfühlt – und wie witzig es ist.
Das gilt ja auch für den Film, der trotz des ernsten Themas viel auf Humor setzt.
Bennett: Wir wollten, dass er sich wie ein Film von John Hughes anfühlt: zwei Eltern und eine junge Frau, die zwischen ihnen gefangen ist und versucht, ihren eigenen Weg, ihre eigene Stimme zu finden.
Eine Schlüsselszene ist die, in der Katharine vor dem Aufnahmekomitee von Cambridge für Gleichberechtigung plädiert – vor allem, weil du den Monolog direkt an die Kamera richtest. Gilt der Kern ihrer Rede immer noch?
Bennett: Absolut! Frauen haben heute mehr Möglichkeiten als je zuvor, und das gilt es zu feiern. Aber das bedeutet auch, dass viel von uns erwartet wird: Wir müssen ehrgeizig, anwesend, fürsorglich, attraktiv, erfolgreich, dankbar und verfügbar sein. Manchmal fühlt es sich an, als hätten wir nur einen Satz Erwartungen gegen einen anderen getauscht. In der Szene kämpfe ich für mich selbst, aber ich kämpfe auch für alle anderen Frauen und Mädchen – und für Leute wie Katharines Cousin Cyril, der wegen seiner Homosexualität ausgegrenzt wird.
Eine andere Schlüsselszene ist die Nacht, in der der Komet Halley vorüberzieht. Wie Katharine im Film sagt, sieht man ihn höchstens einmal im Leben, weil er nur alle 75 Jahre unsere Erde passiert. Das nächste Mal wird er 2061 vorbeikommen …
Bennett: Ich bin tatsächlich nach dem Kometen benannt! Auch, wenn meine Mutter sich bei der Aussprache vertan hat. (lacht) Er ist kurz vor meiner Geburt vorbeigezogen. Ich werde ihn also vielleicht nicht noch mal sehen, aber genau das macht die Szene im Film ja so bewegend: Der Komet erinnert uns daran, dass unsere Zeit begrenzt ist. Wir kommen zur Welt, wir lieben, wir bauen etwas auf, wir sorgen uns und träumen – und dann verschwinden wir wieder. Doch der Komet wird wiederkommen und eine neue Generation zum Staunen bringen. Den Gedanken finde ich tröstlich.