Hard Feelings: Disco 2022
Mit seinem neuen Projekt Hard Feelings entdeckt Joe Goddard von Hot Chip die Disco-Diva der Zukunft.

„Hi Amy, can we make a thing?“: Natürlich erinnert sich Amy Douglas noch ganz genau an diese erste Twitter-Nachricht von Hot Chips Joe Goddard. „Ich bin aufgesprungen und komplett desorientiert durch die Wohnung gerannt: Etwas, was ich gemacht habe, hat das Ohr des großen Maestro erreicht, und er will mit mir arbeiten“, erzählt die aus Brooklyn stammende Sängerin und ahmt die Schnappatmung jenes Moments nach. Doch ihr Discosong „Never saw it coming“ erregt nicht nur die Aufmerksamkeit Goddards, auch der legendäre britische Produzent Andrew Weatherall überschüttet sie mit Liebesbekundungen, und Róisín Murphy bestellt bei ihr einen Song.
Plötzlich liegt ihr die elektronische Musikszene zu Füßen, dabei kommt Douglas eigentlich vom Jazz und hat jahrelang vor allem mit Rockbands gearbeitet. „Ich wollte immer klingen wie eine Mischung aus Freddie Mercury und Robert Plant“, sagt sie und lacht. „Meine Freund:innen haben mir immer gesagt, meine Stimme wäre perfekt für Vocal-House – doch es hat Jahre gedauert, bis ich dem endlich nachgegeben habe.“
Kurz nach dem Twitter-Cruising gingen Mails zwischen London und New York hin und her – und schnell war klar, dass Douglas und Goddard als Hard Feelings nicht nur ein oder zwei Songs, sondern ein ganzes Album machen wollen. „Joe hat mir nicht gesagt, was er konkret will, sondern einfach eine Idee geschickt“, erzählt Douglas über ihre Arbeitsweise. „Also habe ich einen Song auf diesen Track komponiert und eingesungen. Und kaum hatte ich ihm meine Bearbeitung zurückgeschickt, war auch schon seine nächste Idee im Maileingang.“
Hard Feelings verneigen sich vor Szene-Klassikern von Donna Summer und Sylvester, um Disco zugleich zukunftsfähig zu machen.
Mit viel Drama und Pathos erzählt das Debüt die Geschichte einer gescheiterten Beziehung, und mit unwiderstehlichen Hooks und Powerhouse-Vocals verneigen sich Hard Feelings vor Szene-Klassikern von Donna Summer und Sylvester, um Disco zugleich zukunftsfähig zu machen. „Natürlich wurde die Disco-Kultur ruiniert, nachdem sie zum Trend geworden war“, kommentiert Douglas, die sich natürlich längst mit dem Sound ausgesöhnt hat. „Man darf nicht vergessen, welche Energie in den Ursprüngen gesteckt hat, als People of Color und Gays sich einen safe place erobert haben. Disco ist Punk, und wir brauchen in dieser Zeit, in der wir leben, ganz dringend wieder safe places.“
Musik


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