Haters to Lovers: „Mosquito“ von Hater
Während die Welt pöbelt, wendet sich die schwedische Dreampopband Hater der Liebe zu. Allerdings wird da auch mal mit Pfeilen geschossen und mit Stacheln gestochen.
Wer schon einmal im Internet unterwegs gewesen ist, wird ihn kennen: den Hater. Die meist männlichen Empörungsstifter besiedeln die Kommentarspalten von Instagram bis Reddit und blöken sich mit bemerkenswerter Interpunktion den Selbsthass vom Leib. Obwohl es der Bandname anders vermuten ließe, könnte die schwedische Band um Sängerin Caroline Landahl kaum weiter von jenem Typus des digitalen Schreihalses entfernt sein. Hater heißt das Quartett, das seit seinem Debüt „You tried“ aus dem Jahr 2017 einen verhangenen Dreampop-Sound pflegt und sich mit aufmerksamkeitsheischenden Gesten bescheiden zurückhält. Keine Haudraufdrums, keine Plärrgitarren, keine Parolen. Mit ihrem vierten Album „Mosquito“ entwickeln sich die vier Musiker:innen aus Malmö nun sogar zu regelrechten Antagonisten der Hater. Genauer: zu Botschafter:innen der Liebe. Wobei das so nie geplant war.
„Mosquito“ von Hater: Wenn Amor sticht
„Ich glaube nicht, dass wir wirklich danach gestrebt haben, Liebeslieder zu schreiben“, erinnert sich Landahl an die Entstehung von „Mosquito“. Sie sei selbst überrascht gewesen, als plötzlich eine ganze Reihe an Lovesongs entstanden ist. Die elf neuen, zwischen Shoegaze, verzerrtem Indie- und dancy Dreampop changierenden Songs sind der Band im besten Sinne einfach so passiert. Wehrlos, getroffen von Amors Pfeil, besungen im klagenden und von traumwandlerischen Gitarrenriffs flankierten „Angel Cupid“.
Rosarot will es im Folgenden trotzdem nicht werden. Pfeffert Landahl dem Liebesengel hintenraus doch noch ein „You’re so fucking stupid“ um die goldenen Locken, und auch im anschließenden, von einem düster brodelnden Postpunk-Bass getragenen Hit „This Guy?“ bleibt die Liebe vor allem eines: verwirrend. Dieser Typ, this guy: Der soll’s jetzt also sein? So sehr Landahl hadert, so benommen und taumelnd gleitet ihr Gesang über die rohe Instrumentierung dieses Albums dahin. Auch wenn diese Hater also wahrlich nicht zum Pöbeln angetreten sind, lehnt die Band doch auch gefälliges Geschmuse ab. Mit der Liebe ist es nun mal ein bisschen wie mit dem titelgebenden Moskito. Sie sticht einfach zu und ist im nächsten Moment verschwunden. Wobei jene Flüchtigkeit auch etwas Erlösendes birgt, wie Landahl im Titelsong feststellt: „It’s fine you go.“ Wenn alle Hater doch so gelassen wären. Nicht jede Mücke ist es wert, zum Elefanten gemacht zu werden.