„Heated Rivalry“: Queere Eishockeyromanze bei HBO Max
Überzeugende Sexszenen und verpasste Chancen: Endlich ist der gehypte Sechsteiler „Heated Rivalry“ auch bei uns via HBO Max verfügbar.
Seit Wochen wird „Heated Rivalry“ auf allen Social-Media-Kanälen diskutiert, denn in den USA lief die vom Produzenten Jacob Tierney verantwortete Serie bereits Ende des vergangenen Jahres. Das könnte am durchaus explosiven Thema liegen, denn der Sechsteiler basiert auf der „Game Changers“-Buchreihe der kanadischen Autorin Rachel Reid, in der es um schwule Eishockeyspieler geht: Der Kanadier Shane Hollander (Hudson Williams, „Tracker“) und der Russe Ilya Rozanov (Connor Storrie) sind zwei professionelle Eishockeyspieler in der Major League Hockey und die Starathleten der rivalisierenden Teams Montreal Metros und Boston Raiders. Abseits des Eises entwickelt sich zwischen den beiden Kontrahenten eine leidenschaftliche, aber geheime Affäre. Ab heute kann „Heated Rivalry“ bei HBO Max gestreamt werden.
Homophobie im Profisport wird hier aber bestenfalls an der Oberfläche thematisiert. Auch das klassische Sportdrama lässt die Serie aus: Da sind zwei durchtrainierte Starspieler, die sich heimlich daten, auf dem Eis aber Kontrahenten sind. „Heated Rivalry“ interessiert sich wenig dafür, wie wichtige Spiele enden und sich die Beziehungsdramaturgie auf die sportlichen Leistungen auswirkt. Der Eishockeysport ist hier nur Hintergrundrauschen: Einerseits der knallharte Männersport, andererseits die emotionale Beziehung der beiden.
„Heated Rivalry“ kann sich das rausnehmen, weil das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller so überzeugend ist. Gemeinsames Wichsen unter der Dusche und immer wieder erfrischend explizite Sexszenen in anonymen Hotelzimmern: Vielleicht ist es ja auch egal, ob der Puck ins Tor geht, wenn das Dominanzverhalten zwischen den Laken abgebildet wird. Young Adult ist dann, wenn Feist dank der zackig inszenierten Serie auf TikTok junge Fans generiert. Doch die finale Folge markiert einen etwas zu abrupten Bruch, der die Glaubwürdigkeit ihrer Beziehungsdynamik ins Wanken bringt. Und ohne hier spoilern zu wollen, muss diese Frage erlaubt sein: Warum nicht ein Fick weniger und dafür mehr als nur Andeutungen von Rozanovs Familiengeschichte? Und hätte ein etwas genauerer Blick in Hollanders Sponsorenverträge wirklich die Lust gekillt?