„Heaven’s Gate“ von Daniel Faßbender
Mit seinem Surferroman „Heaven’s Gate“ rockt Daniel Faßbender mal eben den deutschsprachigen Hardboiled-Krimi.
„Heaven’s Gate“ von Daniel Faßbender ist unser Krimitipp der Woche
Das Tor zum Himmel: Wer diese Welle zu reiten vermag, dem erscheint sie als Heaven’s Gate, wenn sie über einem bricht und man durch den Wassertunnel gleitet. Die philippinische Insel Surogoa ist seit zehn Monaten Zufluchtsort für jemanden, der dieses Himmelstor sehen kann. Ein ehemaliger Profisurfer, der wegen seiner Karaoke-Künste von allen hier nur Caruso genannt wird, obwohl er doch Deutscher ist. Surfen und die Tage lässig angehen sind sein liebster Zeitvertreib, um seine Ex zu vergessen. Nebenbei kommen manchmal sogar ein paar Pesos rein, da er als Privatdetektiv besser ist als der lausige Bulle Choco Mucho. Doch viel lieber tanzt sich Caruso nachts mit der Hotpants tragenden Halbfilipina Chérie im Arm und der Rumflasche am Hals durch die Bumbum-Läden der Insel. Aus seiner Hängematte holt ihn jedoch eines Tages die betörende Ángel mit einem folgenreichen Auftrag: Ihr 21-jähriger Sohn Juan ist seit zwei Wochen spurlos verschwunden. Caruso holt sich Hilfe bei einem nerdigen Hacker namens Yahoo, stellt den richtigen Leuten die richtigen Fragen. Die Antworten sind das Problem. So wird er mehrmals grün und blau geschlagen und wacht lädiert mit Platzwunden in einer dunklen Zelle auf. Anscheinend sind seine Nachforschungen so unerwünscht wie Juans dubiose Geschäftsidee, die er vor seinem Verschwinden plant hat. Yahoo findet eine Spur, die nach Deutschland weist. Ausgerechnet zum ehemaligen Kokskönig Dietmar „Diego“ Miehle mit seinem Pablo-Escobar-Schnäuzer, der wegen einer gewagten Import-Export-Masche 20 Jahre im Knast gesessen hat. Nun klärt er in einer Schule ganz brav über die Gefahren von Drogen auf, bis er endlich seine Memoiren veröffentlichen kann, welche bestimmt zum Megaseller werden. Als er durch Caruso von Ángels Auftrag erfährt, zucken seine Muskeln wieder im Gleichklang. Diego hat Adrenalin. Er wird dringend auf Surogao gebraucht …
Actionsatt, humorvoll und verdammt lässig: Daniel Faßbender rockt mal eben den deutschsprachigen Hardboiled-Krimi, dass es eine pure Freude ist. Inspiriert durch einen Surfurlaub und Jörg Fausers Klassiker „Das Schlangenmaul“ findet Faßbender zu einem eigenständigen wie coolen Sound, mit dem er die Stereotypen des Genre gekonnt neu belebt. In der packenden Story müssen sich Caruso und Diego mit Brutalo-Russen, einem rechtsextremen Fürsten, hintertückischen Polizisten und korruptem Politiker-Gesocks herumschlagen. Allein mit lockeren Sprüchen und Machogehabe kommen sie dabei jedoch nicht immer weiter. Femme fatale Ángel und eine Gruppe angstfreier Öko-Aktivist:innen sorgen für reichlich Gegenwind. Ob bei einem Hahnenkampf im Westpazifik oder beim Workout in einem trashigen Vorort-Gym bei Hannover, Daniel Faßbender schaut auf Details, nimmt uns hautnah überallhin mit. Als einmal ein armer Gecko aus einem Wasserspender befreit wird, merkt man: Dieser hat mehr Glück, als es auf Suroga üblich ist. Denn in Faßbenders sauguten Krimidebüt werden (leider) nicht alle menschlichen Akteure überleben. Statt zum Himmel öffnet sich für einige sogar ein Tor zur Hölle …
Mit „Heaven’s Gate“ hat es Daniek Faßbender auf unsere Liste der besten Krimis im März 2026 geschafft.