Heimsuchung im Kino: Ein Jahrhundert, drei Familien, ein Haus
Volker Schlöndorffs neuer Film beleuchtet die deutsche Geschichte anhand eines Hauses. Den ernsten Themen wird er dabei nicht immer gerecht.

Der erste Teil des Films begleitet zwei Familien während der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und des Krieges, eine davon ist jüdisch. Der zweite Teil zeigt die Herausforderungen einer anderen Familie nach Kriegsende, während der DDR und der Wendezeit. Das einzige, was in Volker Schlöndorffs Film gleich bleibt, ist der Ort: ein Haus an der Märkischen See. Damit erinnert „Heimsuchung“ vom Grundkonzept an das im letzten Jahr erschienene und viel gelobte Historiendrama „In die Sonne schauen“, ist jedoch viel weniger experimentell und weitaus weniger intensiv. Die Geschichte basiert auf dem Bestseller „Heimsuchung“ (2018) von Jenny Erpenbeck und rollt anhand der Bewohner:innen des Hauses die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts auf.
Das funktioniert zunächst auch sehr gut und berührt. Jedoch wirkt vor allem der zweite Teil durch seine vielen Zeitsprünge weniger glaubwürdig, eher konstruiert, denn die kleinteiligen Erzählstränge neigen schnell dazu, einen plakativen Beigeschmack zu bekommen. Dafür bleibt „Heimsuchung“ zugänglich und verwebt die politischen Kontexte einfühlsam mit den emotionalen Befindlichkeiten der Protagonist:innen, die gut besetzt, gespielt und inszeniert sind. Es geht um Widerstand, Opportunismus, Flucht, Vertreibung und Verdrängung. Visuell ist „Heimsuchung“ zwar ansprechend – satte Farben, warmes Licht, üppige Natur und viele schöne Gesichter –, aber durchaus glatt. Was vielleicht auch ein Grund für den leicht kitschigen Schimmer ist, der dem Film in Anbetracht der Themen, die er verhandelt, eine gewisse Seichtigkeit, eine leichte Verdaulichkeit gibt. Ein Film, der nicht unbedingt hängen bleibt, aber dennoch ein atmosphärisches, sinnliches Filmerlebnis bietet.
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