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Musik

„Ich bin der bekannteste unbekannte Künstler in Deutschland“: STOPPOK im Interview

Er hat nicht nur optimistische neue Songs geschrieben, zum 70. Geburtstag lässt sich Stoppok auch ein Tribute-Album schenken. Allerdings gibt es bei seiner Jubiläums-Tour einen Ort, um den er einen großen Bogen macht.

Stoppok mit Band Gruppenfoto
Stoppok mit Band (Foto: Martin Huch)

Stoppok ist ein Widerspruch in sich: einer der markantesten deutschen Songwriter der letzten Jahrzehnte und gleichzeitig jemand, der sich sein Leben lang bewusst vom Rampenlicht ferngehalten hat. Zum 70. Geburtstag haben ihm nun über 20 befreundete Künstler:innen mit einer eigenen Tribute-Platte gratuliert, während er selbst mit „Hoppla, Hoppla!“ sein neues Album veröffentlicht. Grund genug, mit ihm über kleine Säle, große Egos, KI-generierte Songtexte und die Frage zu sprechen, warum unter dem Radar zu bleiben manchmal die klügere Entscheidung ist.

Stoppok, du hast mal in einem Interview gesagt, es sei dein Ziel, unter dem Radar zu laufen. Jetzt haben zu deinem 70. Geburtstag über 20 Künstler:innen eine Tribute-Platte für dich herausgegeben. Kann man da noch sagen, dass das funktioniert hat?

Stoppok: Normalerweise werden solche Tribute-Platten ja von den Plattenfirmen gemacht, um einen Künstler, der schon mal über dem Radar war und jetzt droht, unters Radar zu kommen, irgendwie durch einen Push mit bekannten anderen Künstlern wieder übers Radar zu bringen. Das ist bei mir nicht der Fall. Es war eine Idee von befreundeten Künstlern, quasi als Geburtstagsgeschenk.

Aber dann scheinst du ja doch nicht so ganz unter dem Radar zu laufen.

Stoppok: Ich sag mal, ich bin der bekannteste unbekannte Künstler in Deutschland. Mir war es halt nie wichtig, die Massen zu erreichen. Und darüber bin ich auch bis heute froh.

Aber warum genau bist du denn so froh darüber?

Stoppok: Unter dem Radar zu bleiben, heißt, dass man in kleineren Sälen spielt und nicht in großen Stadien. Im Stadion ist der Energieaustausch einfach sehr schlecht. Man fühlt sich irgendwie, als ob man gegen ein Brett spielt. Du kriegst die Emotionen nicht richtig mit. In Sälen mit nur tausend oder zweitausend Menschen zu spielen, ist dagegen wunderbar. Du bekommst die Reaktion der Leute viel unmittelbarer mit und spürst die Energie.

Deine kantige Stimme macht einen großen Teil des Charakters deiner Musik aus. Wie war das für dich, als jetzt plötzlich andere Leute deine Songs aufgenommen haben?

Stoppok: Es war interessant, aber ich denke nicht so sehr in Songs. Ich schreibe sie in erster Linie, weil ich gerne Musik mache und mit meiner Band spiele. Von daher war ich jetzt wirklich angenehm überrascht, dass die Lieder auch anders funktionieren. Ich habe dadurch den Wert meiner Songs gespiegelt gekriegt.

Die Songs sind dir gar nicht so wichtig?

Stoppok: Ich habe mich nie als Sänger gefühlt. Ich mache Songs, um damit auf der Bühne stehen zu können. Es ist klar, dass du mit Instrumentalmusik weniger Leute erreichen kannst als mit Texten, mit denen die Leute sich identifizieren können. Also macht das Sinn.

Du erzählst oft: Wenn du Songs schreibst, müsse vor allem das Gefühl stimmen. Das ist bei dir dann wahrscheinlich kein Arbeitsprozess, dass du vorsätzlich einen Song schreibst, sondern nur, wenn plötzlich eine Inspiration da ist, oder?

Stoppok: Genau, und das ist auch das Schönste. Deshalb verstehe ich Leute nicht, die mit KI arbeiten oder sich einen drauf runterholen, wenn KI einen tollen Text auswirft, den sie dann singen. Wenn du da sitzt und das Gefühl hast, an das Universum angebunden zu sein, und das Universum schickt dir die Ideen runter – das ist der schönste Moment. Den würde ich mir doch nicht durch KI kaputt machen lassen.

Du hast jetzt für das neue Album mit „Feine Ideen 2026“ einen Song aus dem Jahr 1997 neu aufgelegt. Schon damals hast du dich über Sozialkürzungen empört. 30 Jahre, eine Agenda 2010 und diverse Bürgergeld-Debatten später: Wie schafft man es da, immer wieder an den Optimismus zu appellieren, wenn die Appelle doch ständig zu verhallen scheinen?

Stoppok: Indem man sich eben nicht jeden Tag über Trump, Putin und Friedrich Merz aufregt, sondern guckt, wie viel Gutes es im eigenen Umfeld gibt. Wir haben so viele tolle Menschen, sonst wäre die Demokratie schon lange am Arsch. Leute, die super Sachen machen, die versuchen, die Welt zu retten, mit neuen Technologien zum Beispiel. Das läuft ja alles. Im Moment sieht es dunkel aus, weil die Lobbyisten und rechten Hater anscheinend das Ruder übernehmen.

„Hoppla, wie konnte das passieren?“, heißt es dazu im Titelsong des Albums. Das klingt fast so, als ob diese ganzen negativen Entwicklungen ein Versehen, eine Art Unfall wären …

Stoppok: Deswegen ist auch die Banane auf dem Cover. Die war ja irgendwie ein Symbol des Ostens, als die Grenzen sich geöffnet haben. Im Osten war immer Bananenmangel, und jetzt haben wir die Bananenschalen rumliegen. Ich fand das Bild lustig, dass die Menschen, die die Bananenschalen weggeworfen haben, jetzt selber darauf ausrutschen und sich dann darüber aufregen.

In dem Song „Die Schlange“ sagst du dem Sensenmann, also dem Tod selbst, er solle sich mal hinten anstellen. Und wenn du so über deine Musik sprichst, dann hat man das Gefühl, dass du noch sehr viele Dinge zu erledigen hast, bevor der Sensenmann kommt.

Stoppok: Das ist auch so. Wenn es nach mir ginge und ich genügend Zeit hätte, würde ich sofort mit dem nächsten Album anfangen, weil ich irgendwie gerade wieder ganz viele Ideen habe. Das hört bei mir zum Glück nie auf.

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