„Ich bin zuversichtlich“: José González glaubt an die KI
Der Schwede José Gonzalez veröffentlicht nicht nur seit mehr als 20 Jahren zauberhaft schönen Folkpop. Nebenbei macht er sich als studierter Molekularbiologe auch Gedanken über der Zukunft der Menschheit.
José, deine akustischen Gitarrensongs klingen sanft und zart, deine Stimme ist weich, die Melodien sind wohlig. Aber inhaltlich hat es dein neues Album „Against the Dying of the Light“ verdammt in sich, oder?
José González: Ich war mir erst unsicher, ob der Kontrast dieses Mal nicht zu heftig ist. Meine Lieder sind immer schon eher mellow, ich bin großer Fan von Chet Baker, João Gilberto und der schwedischen Jazzlegende Monica Zetterlund. Aber meine Aussagen sind ziemlich unverblümt. Ich habe mich entschieden, meine Schüchternheit abzulegen und meinem Instinkt zu folgen.
In „A perfect Storm“ etwa behandelst du die Frage nach dem Fortbestand der Menschheit als solcher. Denkst du, wir haben überhaupt noch eine Chance?
González: Ja, die haben wir, aber es könnte knapp werden. Als erstes müssen wir aufhören, irgendwelchen Typen zu glauben, die meinen, sie wüssten Dinge, von denen sie in Wirklichkeit keinen Schimmer haben. Ich spreche hier insbesondere von Politikern. Und dann geht es tatsächlich um die Frage, wie wir mit dem exponentiellen Wachstum der neuen Technologien, speziell im Bereich der Künstlichen Intelligenz, umgehen.
Hier spricht der promovierte Molekularbiologie, der Hardcore, Punk, Jazz und Indie-Folk noch ein bisschen mehr liebt als DNA und RNA und der sich seit seinem Solodebüt „Veneer“ aus dem Jahr 2003 ganz auf die Musik konzentriert.
González: Ich habe ein solides Grundwissen, aber mein Studium ist mehr als 20 Jahre her. Wir entwickeln gerade so viele neue Werkzeuge, mit denen wir sehr schlau und auch zurückhaltend umgehen müssen. Utopie und Dystopie liefern sich ein Tauziehen. Mich fasziniert sehr, wie ein KI-Programm wie AlphaFold von der Alphabet-Tochter DeepMind, Proteinstrukturen vorhersagen kann. Aber zugleich drohen manche KI-Anwendungen so schnell so schlau zu werden, dass sie außer Kontrolle geraten.
Du meinst, die KI wird so intelligent, dass sie die Menschheit an den Rand drückt?
González: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat es eine Runde mit Demis Hassabis und Dario Amodei gegeben, den CEOs von DeepMind und Anthropic, die sich einig waren, dass die KI etwa zwei, drei Jahre davon entfernt ist, dem Menschen überlegen zu sein. Und dass sie sich möglicherweise selbst verbessern wird, ohne uns. Hier muss die Weltgemeinschaft mit den Magnificient 7, also den sieben führenden US-Technologieunternehmen, an einem Strang ziehen, um eine KI-Architektur zu bauen, die uns unterstützt, ohne uns zu vernichten.
Glaubst du trotz Egoismus in Politik und Wirtschaft daran?
González: Ja, ich bin sehr zuversichtlich. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine ethische, eine demokratische, eine absolut entscheidende Menschheitsfrage.
Der letzte Song auf deinem Album heißt wohl nicht ohne Hintergedanken „Joy“.
González: Nein. Wir blicken in eine sehr gute Zukunft, wenn wir handeln, Entscheidungen treffen, klug sind, uns keine Angst einjagen lassen. Wir sollten uns nicht vor den immensen Chancen wegducken.
Du spendest zehn Prozent deines Einkommens an verschiedene Hilfsorganisation, auf www.givewithjose.com sieht man genau, an welche. Sollten die Tech-Milliardäre nicht endlich deinem Beispiel folgen?
González: Viele von ihnen tun das bereits. Die meisten sprechen nur nicht darüber.